Eine Frau hält sich den Bauch. Sie hat Schmerzen. (Foto: Colourbox, COLOURBOX42928072)

Genuss ohne Reue

Reflux und Sodbrennen: Ursachen & Behandlung

STAND
AUTOR/IN
ONLINEFASSUNG

Dauerhaftes Sodbrennen ist ein signifikantes Symptom bei der Refluxkrankheit. Welche Möglichkeiten haben Patienten, um die Beschwerden zu lindern?

Wie entsteht Sodbrennen?

Rund 12 Millionen Menschen leiden in Deutschland an der sogenannten Refluxkrankheit: Schmerzhaftes Sodbrennen, das oft unterschätzt wird. Beim Reflux fließt Magensäure zurück in die Speiseröhre und verätzt die Schleimhaut. Das kann zu Folgeschäden wie Vernarbungen, Schluckbeschwerden und im schlimmsten Fall zu Speiseröhrenkrebs führen.

Die Ursachen dafür können eine Schließmuskelerschlaffung am Mageneingang, ein hoher Druck im Bauchraum oder ein Zwerchfellbruch sein. Beim Zwerchfellbruch kann der Mageneingang über das Zwerchfell rutschen. Auch wenn das schmerzhaft klingt, viele Patienten bemerken das oftmals gar nicht. Wenn Sodbrennen also dauerhaft auftritt, sollte auf jeden Fall die Ursache ärztlich abgeklärt werden.

Was hilft gegen dauerndes Sodbrennen?

Sie gehören mittlerweile zu den an den häufigsten verordneten Medikamenten: Magensäurehemmer. Diese Säureblocker stoppen die Produktion von Magensäure, indem sie ein Enzym hemmen. Die sogenannten Protonenpumpenhemmer wie z. B. Pantoprazol können die Symptome erfolgreich lindern. Was aber viele nicht wissen: Selbst bei Beschwerdefreiheit kann die Magensäure in der Speiseröhre Schäden anrichten. Deswegen sollte die Therapie regelmäßig kontrolliert werden, um Folgen wie Krebs früh erkennen zu können. Mithilfe einer Magenspiegelung kann die Schleimhaut auf Veränderungen kontrolliert werden.

Eine dauerhafte Einnahme kann auch Nebenwirkungen wie Darmbeschwerden mit sich bringen. Aber grundsätzlich ist die Verträglichkeit gut. Protonenpumpenhemmer sind vor einiger Zeit in Verruf geraten. Weitere Nebenwirkungen wie Osteoporose oder sogar Demenz standen im Raum. Die aktuelle Studienlage ist allerdings nicht eindeutig, spricht weder klar für noch gegen einen Zusammenhang dieser Symptome mit den Medikamenten. Ärzte empfehlen neben den Säureblockern zusätzlich mehr Kalzium für die Knochen und Vitamine für das Gehirn einzunehmen. Bei leichten Beschwerden reicht manchmal sogar ein kleiner Spaziergang aus. Außerdem sollte man sich nach dem Essen nicht sofort hinlegen.

Ab wann sollte man an eine Operation denken?

Bevor man an eine Operation denkt, sollte man die medikamentöse Behandlung ausprobieren. Mit den Medikamenten geht es vielen Patienten schon besser – aber nicht allen. Bei diesen Patienten muss die Grundursache wie der Zwerchfellbruch oder das Verschlussproblem am Zwerchfelleingang behoben werden. Die gängigste Operations-Methode ist eine sogenannte Fundoplikatio. Dabei wird zuerst der Zwerchfellbruch vernäht und im Anschluss wird eine Manschette aus der Magenwand um den unteren Teil der Speiseröhre gelegt. Die Verengung blockiert den Rückfluss der Magensäure.

Seit einigen Jahren ist eine neue OP-Methode möglich: Das Einsetzen eines Magnetbandes aus Titanperlen. Das Band soll den Schließmuskel der Speiseröhre ersetzen. Diese Methode kommt aber nur für wenige Betroffene infrage.

Prof. Dr. Dieter Birk, Viszeralchirurg im Krankenhaus Bietigheim-Vaihingen. (Foto: SWR)
Dieter Birk, Viszeralchirurg im Krankenhaus Bietigheim-Vaihingen

„Wenn die Pumpfunktion der Speiseröhre nicht sehr gut ist, kann dieser mechanische Magnetring dazu führen, dass Patienten nicht sehr gut schlucken können und Schluckbeschwerden haben. Deshalb ist diese Methode aus meiner Sicht ein Nischenverfahren für eine kleine Gruppe von Patient*innen.“

Unbemerktes Sodbrennen „Stiller Reflux“

Symptome eines unentdeckten, stillen Sodbrennens sind oftmals eine Reizung im Kehlkopf, das Gefühl, dass Nasensekrete von hinten in der Nase auf den Kehlkopf tropfen, oder das Gefühl, dass plötzlich die Luft wegbleibt. Diese Symptome kommen beim klassischen Sodbrennen nicht vor, weshalb viele Betroffene erst spät erkennen, dass sie trotzdem auch an Sodbrennen leiden.

Beim unbemerkten Sodbrennen schwappt die Magensäure nicht nur zurück aus dem Magen in die Speiseröhre, sie verwandelt sich zusätzlich in eine Art Gas und steigt in der Speiseröhre hoch bis zum Hals und in den Rachen. Das aggressive Gas erreicht den Kehlkopf und die Atemwege und reizt so die empfindliche Schleimhaut. Das führt zu Heiserkeit, Husten und Räusperzwang.

Die bislang zuverlässigste Methode, um einen stillen Reflux nachzuweisen, ist die ph-Metrie, eine Säuremessung – dabei wird für 24 Stunden eine Messsonde im Rachen platziert. Diese Untersuchung führen manche HNO-Ärzte und auch manche Gastroenterologen durch. Wie beim klassischen Sodbrennen wird auch der stille Reflux mit Säureblockern behandelt.

Wie kann ich Sodbrennen vermeiden?

Um die Reflux-Beschwerden zu reduzieren, ist es vor allem wichtig, den eigenen Lebensstil anzupassen, insbesondere die Ernährung. Besonders fettiges Essen sorgt dafür, dass die Produktion der Magensäure angeregt wird. Auch Süßigkeiten sollte man nur in Maßen genießen, weil sie oft Zucker, Weißmehl und Fett enthalten und sie daher eine echte Säurebombe sind. Auch scharfes Essen, viel Kaffee oder Mineralwasser mit Kohlensäure kann zu Sodbrennen führen.

Hingegen können Bananen, Milch oder Ingwer die Magenschleimhaut beruhigen. Ernährungsberaterin Sarah Gierszewski empfiehlt abwechslungsreich und nicht zu viel vom Gleichen zu essen.

Welche weiteren Auswirkungen Ingwer auf unseren Körper hat, erfahren Sie hier.

Hilfreiche Hausmittel

Zusätzlich können ein paar Hausmittel hilfreich sein: Es kann ein halber Teelöffel Heilerde als Pulver vier bis sechs Mal am Tag eingenommen werden. Tees mit einem hohen Schleimstoff-Anteil z. B. eine Kombination aus Süßholzwurzel und Ringelblumenblüte, sollen ebenfalls helfen.

Allgemein sollte man nachts den Oberkörper beim Schlafen hochlegen und abends auf schwere Mahlzeiten verzichten. Gewichtsreduktion und mehrere kleine Mahlzeiten schaffen ebenfalls Abhilfe.

Mehr dazu

Hausmittel Was hilft gegen Sodbrennen?

Gegen Sodbrennen helfen allgemeine Maßnahmen: Oberkörper beim Schlafen hochlegen und abends nichts Schweres essen. Außerdem bringen Heilerde sowie Tee aus Süßholzwurzel und Ringelblume Linderung. Von Roman Huber  mehr...

SWR2 Impuls SWR2

Ernährung Wie gesund ist frühstücken?

Frühstücken oder nicht frühstücken? Selbst Experten sind sich nicht einig. Einige sagen: Es gibt einen Zusammenhang mit Übergewicht und Diabetes. Andere sagen: Nicht bei jedem.  mehr...

STAND
AUTOR/IN
ONLINEFASSUNG