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Chilis sind Geschmackssache: die einen meiden sie, weil sie im Mund und Rachen brennen und für tränende Augen und sogar Schweißausbrüche sorgen. Die anderen lieben das feurige Aroma, zumal der Genuss der Schoten Endorphine freisetzt – körpereigene schmerzlindernde Hormone - die gleichzeitig wie Glückshormone wirken.

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Das sind Chilis

Botanisch gehört die Chili zur Pflanzengattung Capsicum, lateinisch für Paprika. Wie Tomaten und Kartoffeln sind Paprikapflanzen Nachtschattengewächse. Die Schoten gibt es in vielen Farben, Formen und Schärfegraden - etwa 4.000 Chilisorten gibt es auf der Welt. Sie stammen ursprünglich aus Mittel- und Südamerika. Seit etwa 6.000 Jahren werden sie von den Menschen angebaut.

Daher kommt die Schärfe der Chili

Der Schärfegrad variiert jeweils stark. Anders als viele denken, liegt die Schärfe nicht in den Kernen, sondern in der sogenannten Plazenta, dem weißen Gewebe - Capsaicin heißt der Stoff. Und der reizt die Schmerz- und Hitzerezeptoren im Mund. Wir empfinden Hitze, obwohl keine da ist.

Aufgeschnittene Chilischoten, grün und rot, mit Kernen, Detailaufnahme (Foto: SWR)
Das Schärfste der Chili-Schote sitzt im weißen Teil des Fruchtfleisches, nicht in den Kernen.

Als Reaktion auf den Schmerz schüttet der Körper übrigens Endorphine aus, körpereigene Glückshormone. Die sollen uns beruhigen. So stellt sich nach dem Chili-Genuss bei vielen eine Art Hochgefühl ein: der sogenannte Pepper-High-Effekt.

Die bekannteste Einheit, die Schärfe einer Chili-Schote, also deren Capsaicin-Gehalt zu messen, ist der sogenannte Scoville-Wert. Benannt wurde die Skala nach Ihrem Erfinder, Wilbur L. Scoville, einem US-amerikanischem Pharmakologen. Sie teilt die Schärfe in Werte von 0 bis 16.000.000 Scoville ein.

Der Wert sagt aus, ab welcher Verdünnung die Schärfe nicht mehr festzustellen ist. Ein Wert von 1.000 heißt: Es braucht 1.000 Milliliter Flüssigkeit, um einen Milliliter Schärfe so zu verdünnen, dass die Schärfe nicht mehr wahrnehmbar ist.

Übrigens: Für die Medizin wird Capsaicin synthetisch hergestellt. Vor allem in Wärmepflastern wird diese hochkonzentrierte Schärfe eingesetzt. Die durch das Capsaicin empfundene Wärme dringt dabei in die Muskulatur ein, wirkt entspannend und schmerzlindernd.

Mit diesen Tipps gedeihen Chilis auch bei uns

Chilianbau gelingt auch in unseren Breiten an sonnigen Standorten. Einige Punkte sollten Sie hierfür beachten.

  • Ziehen Sie die Setzlinge im Januar in Anzuchtgefäßen in entsprechender Anzuchterde.
  • In größeren Kübeln, mit einem Volumen von etwa neun Litern Pflanzerde, können die Jungpflanzen dann Ende Mai nach draußen.
  • Die Erntezeit liegt zwischen August und September.

Mehrjährige Chili-Pflanzen werfen im Winter übrigens ihre Blätter ab. Sie sollten dann über die kalte Jahreszeit, ähnlich wie Zitruspflanzen, kühl und hell stehen. Und einmal die Woche gegossen werden. Ein Rückschnitt sollte erst im Frühjahr erfolgen.

So werden Chilis verarbeitet

Regel Nummer Eins bei der Verarbeitung von Chilischoten: immer Handschuhe tragen! Denn Chilisaft brennt noch Tage unter den Nägeln und kann von dort auch in die Augen gelangen. Bei frischen Schoten gilt zunächst die Plazenta entfernen. Hier sitzt die Schärfe. Und die strahlt auch auf das Fruchtfleisch aus.

Chili-Schoten werden fein geschnitten, Hände mit Latex-Handschuhe geschützt. (Foto: SWR)
Beim Verarbeiten von Chili in der Küche immer Einweghandschuhe benutzen!

Chilischoten lassen sich gut haltbar machen. So werden dünnfleischige Sorten in der Regel getrocknet. Ausgebreitet auf einem Teller oder Tablett etwa acht Wochen kühl und dunkel stehen lassen.

Dickfleischige Sorten sollten nicht im Ganzen getrocknet werden, sonst kann sich Schimmel bilden. Sie lassen sich auch besonders gut einfrieren.

Getrocknete Schoten werden dann zu Pulver verarbeitet. Chilipulver lässt sich gut dosieren und ist lange haltbar. Zum Zerkleinern eignet sich ein Mörser, ein Handmixer oder eine ausgediente Kaffeemühle.

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