Natur- versus Kunstfaser Warum Wolle eine Alternative zu Fleece sein kann

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18:45 Uhr
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SWR Fernsehen RP

Vor rund 80 Jahren wurde die Kunstfaser entwickelt und verdrängt seitdem zunehmend die Naturfaser vom Markt. Chemische Kleidung konnte als Massenprodukt schnell hergestellt werden. So wurde die Wolle langsam verdrängt und mit ihnen die Schäferei. Kleidung ist zum Wegwerfartikel geworden. Jeder von uns kauft im Jahr etwa 60 Kleidungsstücke - so die Statistik. Doch schon nach kurzer Zeit landen die Stücke in der Altkleidersammlung.

Boom der Kunstfaserkleidung

Inzwischen enthalten fast 70 Prozent aller Kleidungsstücke Kunstfasern. Jetzt im Winter sind besonders Fleecejacken und Fleecepullover gefragt, die vorwiegend aus Polyester und Polyacryl bestehen.

Vorteile der Kunstfasertextilien:

  • pflegeleicht,
  • schnell trocknend,
  • preisgünstig.

Nachteile:

  • schlechte Ökobilanz bei der Herstellung, Pflege und Entsorgung,
  • 35 Prozent des Mikroplastiks in Meeren stammen aus synthetischen Fasern,
  • bis zu 3.000 Fasern pro Kleidungsteil und Waschgang können ins Abwasser gelangen,
  • bis zu 20 Prozent Kunstfaser kann ein Fleeceteil verlieren bis es schließlich entsorgt wird.

Kunstfaser (Foto: SWR)
So sehen sie aus: Alle Fleeceprodukte, egal ob teuer oder billig, verlieren beim Waschen Kunstfasern, die in unser Abwasser gelangen.

Kunstfasern in unseren Gewässern

Schaut man sich Untersuchungen an, bei denen die Experten Fleecekleidung unterschiedlicher Qualität gewaschen haben, ist das Ergebnis besorgniserregend. Zehn unterschiedliche Fleecejacken wurden getestet, teure und günstige Varianten, von der dünnen Outdoor-Fleecejacke bis hin zur gestrickten Variante. Alle Teile haben beim Waschen Kunstfasern verloren, vor allem die gestrickten Kunstfaserkleidungsstücke. Geht man von einem Fleecepullover oder einer Fleecejacke pro Haushalt in Deutschland aus, so kommen laut Experten Milliarden bis Billionen Kunstfasern bei jedem Waschgang zusammen.

Eine Studie hat zwölf Kläranlagen in Deutschland untersucht und es wurden bei allen Proben synthetische Fasern gefunden. Sie gelangen danach über die Flüsse in die Meere. Laut Untersuchungen sind Küstengewässer durch Kunstfasern stärker belastet als das offene Meer. Das Problem für die Meeresbewohner besteht darin, dass Fische und Seevögel, die sich von Plankton oder Würmern ernähren, irrtümlich das Mikroplastik fressen. Das kann zum Beispiel zu Vergiftungen führen, denn Mikroplastik zieht Umweltgifte an und bindet sie. Oder die Fasern können sich verknoten und es kommt zu inneren Schäden bei den Lebewesen.

Welche Kunstfasern bei Fleece verwendet werden

Bei Kleidungsstücken aus Fleece werden hauptsächlich Polyacryl und Polyester verwendet. Polyacryl wird wegen seiner bauschigen Beschaffenheit bevorzugt. Es hat eine wollähnliche Konsistenz und ist warm, weich, knitterarm und leicht. Es ist sehr wetterbeständig, deshalb wird es oft bei Sportkleidung verwendet. Allerdings ist die Faser nicht hitzebeständig. Deshalb sollten Kleidungsstücke nicht über 40 Grad gewaschen werden. Polyester wird oft bei Mischgeweben verwendet.

Alternativen zum Fleece auf Naturbasis

Schurwolle, Merino, Mohair, Alpaka und Cashmere sind gute Alternativen zum Fleece.

Wolle statt Fleece (Foto: SWR, SWR)
Wolle gibt es in den unerschiedlichsten Farben, doch auch hier sollte nachgeschaut werden, ob es sich um reine Wolle handelt, oder um ein Natur- und Kunstfaserngemisch handelt. SWR

Zudem gibt es bestimmte Siegel für Naturfasern, die Rückschlüsse auf die artgerechte Haltung der Tiere gibt:

  • IVN und Naturland garantieren nachhaltige Produktion und artgerechte Haltung bei den Tieren.
  • "GOTS-Label steht für Nachhaltigkeit und Fairtrade.
  • "Sheep friendly" bedeutet, dass das Tierwohl garantiert wird.
  • Bio-Wollsiegel - wie "Bio-Merino" - garantieren Nachhaltigkeit und artgerechte Haltung.
  • Mit dem Label "Schafpatenschaft" und "regionaler Wolle" aus Deutschland unterschützt man die heimische Wanderschäferei.
  • "Ohne Museling" bedeutet, keine Wolle von Merinoschafen aus Neuseeland zu nehmen, die qualvoll ohne Betäubung am After beschnitten und so gezüchtet werden, dass sie besonders viel Wolle tragen. Seit 2018 ist das "Museling" gesetzlich verboten, doch wird es laut Tierschutzorganisation auf über 90 Prozent der Farmen immer noch illegal praktiziert.

Vorteile von Wolle:

  • biologisch abbaubar, atmungsaktiv, schmutzabweisend,
  • muss nicht oft gewaschen werden,
  • ist sehr langlebig.

Nachteile:

  • hoher Wasserverbrauch bei der Gewinnung,
  • um die Nachfrage nach Wollkleidung decken zu können, wären mehr Flächen für die Tierhaltung und den Futteranbau nötig.

Wie es mit der Kunstfaser weitergehen soll

Neu auf dem Markt ist der "Guppyfriend". Ein Kunstfaserwäschesack, der Mikroplastik beim Waschen sammelt und verhindert, dass dieses in unser Abwasser gelangt.

Guppyfriend, Kunstfaserwäschesack (Foto: SWR)
Mithilfe eines Kunstfaserwäschesackes "Guppyfriend" können die Abriebreste von Fleece gesammelt werden und landen nicht in unserem Wasser beim Waschen.

Um die Abreibung zu reduzieren, sollte man Fleecepullis nicht zusammen mit Jeans waschen, nicht über 40 Grad und bei niedriger Schleuderzahl reinigen. Zudem soll es bald auch Kunstfasern auf dem Markt geben, die sich schnell abbauen.

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