Marktcheck checkt

Gardena - Deutschlands Garten-Gigant aus dem Südwesten

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Wer einen Garten hat muss viel wässern, harken und jäten, hat jede Menge zu tun. Und braucht dafür die passenden Gartengeräte. Gardena, die Marke aus Ulm, gibt es seit Jahrzehnten in vielen Haushalten. Aber wie gut sind die Produkte wirklich? Vom Rasenmäher bis zur Akku-Heckenschere - wir vergleichen mit der Konkurrenz.

Gardena – der Gartenriese aus dem Südwesten – ist Deutschlands Marktführer bei Bewässerungsprodukten, mechanischen Schneidwerkzeugen und klassischen Gartengeräten. Mehr als 300 Artikel hat das Unternehmen aus Ulm im Angebot. Der weltweite Umsatz ist im Geschäftsjahr 2020 um 13 Prozent auf 940 Millionen Euro gestiegen. Gardena ist ein Corona-Gewinner. Wir checken die Qualität. 

Alte Gardena-Produkte im Labor

In der Gartenstraße in Leinfelden-Echterdingen wollen wir wissen: Wer hat Gardena-Produkte und wie zufrieden sind die Hobbygärtner damit? Zwei Drittel unserer Befragten besitzen mindestens ein Produkt von Gardena. Einige schätzen besonders die auswechselbaren Geräte zum Anstecken, die auch nach über zehn Jahren, teils sogar 25 Jahren, noch immer in Gebrauch sind.

Die jahrzehntealten Gartenprodukte aus Leinfelden-Echterdingen nimmt Materialtester Pierrot Horsch im Labor der VPA Prüf- und Zertifizierungs-GmbH in Remscheid unter die Lupe. Er ist überrascht. „Bei allen Werkzeugen, die wir hier sehen, auch bei dem Grubber, absolut verwendungsfähig.“ Nicht einmal Rost kann er finden. Gardena gibt für einige Gartengeräte 25 Jahre Garantie – im Schadensfall würden sie ausgetauscht.

Auf einer Steintreppe liegen in der Sonne ein Straßenbesen, eine Blumenkelle, eine Gartenschere und eine Blumenkralle von Gardena. "Marktcheck checkt ... Gardena" im SWR Fernsehen. (Foto: SWR, Daniel Güldner)
Jahrzehntealte Werkzeuge für den Garten lassen wir von Experten überprüfen. Daniel Güldner

Preisvergleich mit der Konkurrenz

Mit den türkis-grau-orangenen Gartenprodukten – Rechen, Harken Schaufeln – mischt Gardena seit 55 Jahren den Gartenartikelmarkt auf. Die Regalwände teilt sich Gardena mit Fiskars, Wolf Garten und Baumarkt-Eigenmarken. Kann Gardena mit seinen Preisen punkten?

Wir packen Einkaufswagen mit vergleichbaren Produkten und rechnen zusammen. Ergebnis: Fiskars ist am teuersten, gefolgt von Gardena. Etwas günstiger ist Wolf Garten. Die No-Name-Produkte sind sogar deutlich günstiger. Beim Gesamtpreis der Markenprodukte gibt es also wenig Unterschiede.

Vergleich von Gartenartikeln verschiedener Marken (Foto: SWR)
Die Gartenartikel im Preisvergleich

Marken-Image Gardena: Baumarktkunden testen Gartenscheren

Wir machen ein Experiment, übermalen Farben und Logos von vier Gartenscheren: Welche Schere wird im Blindtest von Passanten am besten bewertet? Vor einem Baumarkt in Mainz bitten wir zum Probeschneiden. Ergebnis: Vier von zehn würden Gardena kaufen. Dicht gefolgt von Wolf Garten. Fiskars geht leer aus. Zwei würden die No-Name-Schere wählen. Im zweiten Test – offen, mit sichtbaren Marken – greifen deutlich mehr Kunden zu Gardena.

Marken-Experte Alexander Hennig, Duale Hochschule Baden-Württemberg, erklärt das so: „Viele Verbraucherinnen und Verbraucher können nicht einschätzen, was eine bessere und eine schlechtere Qualität ist. Das sind Situationen, in denen man gerne auf eine starke Herstellermarke als Vertrauensmerkmal zurückgreift.“ Von einer populären, starken Marke erwarteten Konsumenten die bessere Qualität, deshalb spiele hier die starke Markenbindung von Gardena eine wichtige Rolle.

Firmengeschichte Gardena: So wurde Gardena zur starken Marke

Das Unternehmen wird 1961 durch die Kaufleute Werner Kress und Eberhard Kastner in Nürnberg gegründet. Ein Jahr später wird der Firmensitz nach Ulm verlagert. Zu Beginn geht es nur um den Import und Vertrieb von klassischen Gartengeräten aus Frankreich. Die beiden Chefs wollen 1966 auch eigene Produkte herstellen und einigen sich auf den Markennamen Gardena - angeblich abgeleitet von ihrem Urlaub im Grödnertal in Südtirol, italienisch „Val Gardena.“

Das legendäre Schlauchverbindungssystem ist ein Jahr später im Handel erhältlich. 1973 führt Gardena mit der Rasenkantenschere „Accu“ als erster Hersteller ein kabelloses Gartengerät ein. Vier Jahre später erfindet Gardena das Ein-Stiel-System, ein Griff mit vielen Wechsel-Aufsatzgeräten. 1985 automatisiert Gardena die Gartenbewässerung, führt den Bewässerungscomputer ein. 1993 eröffnet Gardena in Tschechien die erste Produktionsstätte im Ausland.

Das Ende des Familienunternehmens wird 2002 besiegelt. Gardena wird an eine schwedische Beteiligungsgesellschaft verkauft, später für 730 Millionen Euro an den Gartengeräte-Hersteller Husqvarna. Heute arbeiten in Deutschland rund 1.850 Mitarbeiter.

Werk von Gardena von oben: Gardena ist seit Jahren eine Tochter des schwedischen Husqvarna-Konzerns, mit Sitz in Ulm.  (Foto: SWR, SWR Marktcheck)
Gardena ist seit Jahren eine Tochter des schwedischen Husqvarna-Konzerns, mit Sitz in Ulm. SWR Marktcheck

Die Zukunft: Digitalisierung im Garten

In seinen Werbespots setzt Gardena derzeit voll auf die digitalisierte Gartenarbeit. Motto: Alles läuft ganz von allein. Die Gartenbewässerung von unterwegs steuern, zieht das bei den Kunden? Wir zeigen den Werbespot Passanten. Von der Skipiste aus die Gartenbewässerung via Smartphone steuern, viele haben kein Verständnis dafür. Wir konfrontieren Gardena mit dieser Kritik. Pressesprecher Heribert Wettels betont, Werbung müsse polarisieren und die Botschaft auf den Punkt bringen. Dass die Passanten aufgemerkt hätten, zeige bereits – das Ziel wurde erreicht.

Mann vor Wand mit Gartengeräten: Gardena-Pressesprecher Heribert Wettels im Showroom in Ulm. (Foto: SWR)
Gardena-Pressesprecher Heribert Wettels im Showroom in Ulm.

Marken-Experte Alexander Hennig sieht darin die Verbindung zweier Trends: „Erstens den Garten-Trend - der Garten als eigene Oase in einer immer schnelleren und hektischen Welt, für die man auch gerne Geld ausgibt. Und der Trend des Smart Home, dass man im eigenen Haushalt alles elektronisch steuern und überwachen möchte. Da passt Gardena mit seinen Produkten und seiner Premium-Bekanntheit sehr gut hinein.“

Ergebnis beim Image: Platzhirsch Gardena punktet mit seinem guten Ruf. Neue Trends werden aufgegriffen, aber das überzeugt nicht jeden Kunden.

Nachhaltigkeit im Check

Gardena wirbt mit besonders langlebigen Produkten. Wie sieht das in der Realität aus? Andreas Woll aus Kaiserslautern wollte weniger Zeit und Wasser mit Gießen verschwenden und installierte in seinem Garten vor sieben Jahren eine automatische und zentral gesteuerte Bewässerungsanlage von Gardena. Marktcheck hat ihn beim Einbau begleitet. Es war viel Arbeit, hat viel Geld gekostet, rund 1.400 Euro Materialkosten.

Damals war er mit dem Ergebnis zufrieden, heute nicht mehr. Der Gardena-Kunde hatte im Laufe der Jahre viel Ärger. Die Ersatzteilliste ist lang, 150 Euro musste er zusätzlich ausgegeben. Noch ärgerlicher: der Zeitaufwand für Ursachenanalyse und Austausch. Besonders der jährliche Aus- und Einbau der kaum dicht zu bekommenden Ventile zum Winter und Sommer ist äußerst fummelig und zeitintensiv. Produkte, die immer wieder defekt sind - ist das nachhaltig? Gardena meint, so sei dies eben mit Verschleißteilen.

Umweltbilanz der schwäbischen Marke

Gardena will nicht nur mit nachhaltigen Produkten punkten, sondern gibt sich auch als Unternehmen umweltfreundlich. Einer Studie zufolge hat Gardena eine der besten CO2-Bilanzen von 2.000 untersuchten deutschen Unternehmen. Es gibt zum Beispiel keine Produkte mit Benzinmotoren. Die Einführung von komplett kunststofffreier Verpackung ist geplant.

Gardena produziert vieles in Deutschland, zum Beispiel Schneidgeräte und Bewässerungsprodukte. Die allermeisten Produkte von Gardena haben allerdings einen hohen Kunststoffanteil. Griffe, Gehäuse, Stiele – alles Plastik. Wie umweltbewusst ist das Material?

Keine Schadstoffe im Kunststoff

Im Prüf- und Forschungsinstitut in Primasens lassen wir fünf Bestseller-Artikel testen. Die Experten suchen nach Phthalaten, PAK, Cadmium und Blei - alles verbotene, gesundheitsgefährdende Stoffe. Das Ergebnis: Keine Rückstände, alles einwandfrei.

Ein Wechselstiel eines Rechen von Gardena im Sonnenschein. "Marktcheck checkt ... Gardena" im SWR Fernsehen. (Foto: SWR, Daniel Güldner)
Bei den Kunststoffen, die Gardena verwendet, gab es keine Beanstandungen im Labor. Daniel Güldner

Probleme bei Holzherkunft der Stiele

Einige Gardena-Produkte haben Griffe oder Stiele aus Holz, angeblich aus nachhaltiger FSC-Waldwirtschaft. In einem Labor lassen wir die Holzherkunft von drei zufällig ausgewählten Gardena-Produkten checken. Durch eine sogenannte Isotopenanalyse können die Experten bestimmen, woher das Holz stammt.

Ergebnis: Beim Harkenstiel und Heckenscheren-Griff stimmt die Angabe, beim Spatenstiel nicht. Das Holz stammt nicht, wie angegeben, aus den USA, sondern höchstwahrscheinlich aus dem russisch-chinesischen Grenzgebiet.

Wir zeigen das Ergebnis Johannes Zahnen, Holzexperte des WWF. "Wir haben hier eine Fehldeklaration und möglicherweise illegales Holz. (...) Das ist ein ziemlich krasser Verstoß. Wenn das tatsächlich aus Russland stammen sollte, sind damit starke ökologische Schäden verbunden. Denn das sind Wälder, in denen der Sibirische Tiger unterwegs ist. Wir brauchen diese Wälder fürs Klima."

Wir fragen bei Gardena nach. Dort ist man überrascht und schiebt die Schuld auf den Holzzulieferer. Pressesprecher Heribert Wettels erklärt, der Vorlieferant habe über ein Zertifikat mitgeteilt, dass dieses Produkt FSC-zertifiziert ist. „Wir haben ihr Testergebnis zum Anlass genommen, hier nochmal in die kritische Diskussion zu gehen.“ Wegen Lieferengpässen bei Holz aus den USA ersetzte der Lieferant es durch Material aus China. Dieser Austausch sei nicht in Ordnung, räumt Gardena ein.

Mann spricht in die Kamera: Johannes Zahnen, Holzexperte von WWF, sieht Mängel bei der Transparenz der Holzbeschaffung bei Gardena. (Foto: SWR, SWR Marktcheck)
Johannes Zahnen, Holzexperte beim WWF, bemängelt die Transparenz der Holzbeschaffung bei Gardena. SWR Marktcheck

Johannes Zahnen sagt: „Wenn schon bei drei Produkten, die getestet werden, eines ein Totalausfall ist, dann fragt man sich, hat Gardena seine Lieferanten im Griff oder fehlt hier Transparenz und damit Sicherheit, illegales Holz ausschließen zu können.“ Gardena räumt ein, dass keine eigenen Holzherkunft-Analysen stattfinden. Man verlasse sich auf die Aussagen der Zulieferer. Fazit bei der Nachhaltigkeit: Gardena tut viel in Sachen Umweltschutz. Doch im Detail hapert es noch.

Fazit Qualitäts-Check

Das Fazit in punkto Qualität: Mal top, mal flop bei Gardena. Der Rasensprenger hat überzeugt. Die Langlebigkeit ist teilweise gut. Die akkubetriebenen Geräte konnten in unseren Stichproben nicht überzeugen.

Hände halten eine große Heckenschere: Marktcheck macht den Praxistest und schickt Gartengeräte von Gardena zudem ins Labor. (Foto: SWR, SWR Marktcheck)
Marktcheck macht den Praxistest und schickt Gartengeräte von Gardena zudem ins Labor. SWR Marktcheck

Check: Fairness

Den Mitarbeitern bei Gardena geht es – laut Betriebsrat – gut. Die Kollegen seien weitestgehend zufrieden. Es würden in der Regel gute Gehälter bezahlt. Während der Coronakrise wurde niemand in Kurzarbeit geschickt. Roland Geprägs, Betriebsratsvorsitzender Gardena, kritisiert, dass bei Leistungen zusätzlich zum Tarifvertrag gespart werde. So hätte es etwa 2020 statt eines Corona-Bonus für jeden Mitarbeiter lediglich einen 100-Euro-Einkaufsgutschein und einen Tag Extra-Urlaub gegeben – trotz enormer Umsätze während der Pandemie.

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Steuerzahler Gardena

Bei unserer Recherche stoßen wir auch auf das Thema Steuern. Werden diese ordnungsgemäß in Deutschland abgeführt? Wir treffen Christoph Trautvetter vom Netzwerk Steuergerechtigkeit. Er entdeckt in der letzten veröffentlichten Jahresbilanz aus 2019: Das Ulmer Unternehmen hat Zinsen in Höhe von 1,1 Millionen Euro gezahlt, an die Konzerntochter „Husqvarna Finance Ireland“ in der Steuer-Oase Irland, für einen Kredit von etwa 120 Millionen Euro. „Damit werden Gewinne, die in Deutschland erwirtschaftet wurden, nach Irland verschoben, wo sie dann nur mit 12,5 Prozent besteuert werden.“ In Deutschland müsste Gardena 28,5 Prozent zahlen. Ungefähr eine Million Euro Steuern wurden in Deutschland so gespart.

In Dublin stellen wir fest, bei der offiziellen Adresse der Konzerntochter „Husqvarna Finance Irleand“ ist das Unternehmen nicht aufzufinden. Am Eingang zum Bürogebäude stehen auf dem Schild nur andere Firmennamen. Gardena bestreitet, dass es sich um eine reine Briefkastenfirma handelt, um Steuern zu sparen. So ein Geschäft mit firmeninternen Krediten in vermeintlichen Steueroasen ist ein Graubereich an der Grenze zur Legalität. Gardena-Pressesprecher Heribert Wettels erklärt, die Husqvarna Group sei ansässig in Schweden und habe „ihr eigenes Setup, wie sie Finanzierungen innerhalb der Firma abwickeln möchte“. Dazu könne man als Tochtergesellschaft in Ulm nichts sagen. Das neue Steueroasen-Abwehrgesetz wird hier übrigens nicht greifen, da Irland offiziell nicht als Steueroase gilt.

Ein weißer LKW der Firma Gardena fährt durch das Tor einer Produktionshalle von Husqvarna. "Marktcheck checkt ... Gardena" im SWR Fernsehen. (Foto: SWR)
Als Tochter der Husqvarna Group werden auch bei Gardena die Finanzen konzernweit optimiert.

Das Fazit von „Marktcheck checkt Gardena“:

  • Fairness: Die Gardena-Mitarbeiter sind zufrieden. Eine Steuerersparnis mittels interner Kredite hat aber ein „Gschmäckle“.
  • Dem Unternehmen ist Nachhaltigkeit wichtig. Das Holz sollte aber strenger kontrolliert werden.
  • Das gute Image zahlt sich aus: Viele Kunden greifen zu Gardena wegen des guten Namens.
  • Die Qualität der Produkte stimmt zwar in der Regel – die Elektrogeräte in unserem Check konnten allerdings nicht überzeugen.

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