Wildbiene an einer Blüte.  (Foto: Colourbox)

Insekten schützen

So werden Garten und Balkon zum Insektenparadies

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Wildbienen, Wespen und Co. erhalten unsere Nahrungsvielfalt und die Biodiversität. Wie können wir Insekten schützen? Und was bringen Naturgarten, Biosaatgut und Insektenhotel wirklich?

Notwendigkeit der Insekten

Die Sonne kommt raus, die Pflanzen blühen und die Insekten schwirren umher. Aber es hat sich etwas verändert: Das Surren der Tierchen ist in den vergangenen Jahren zurückgegangen. Das liegt daran, dass es seit mehreren Jahrzehnten immer weniger Insekten auf der Welt gibt. Eine Langzeitstudie kommt zum Ergebnis, dass mittlerweile 75 Prozent weniger Insekten in Deutschland leben, als noch in den 80er Jahren. Woher kommt diese Entwicklung und welche Auswirkungen hat sie auf uns Menschen?

Alltägliche Lebensmittel wie Obst und Gemüse, aber auch Gebrauchsgegenstände wie Kosmetik und Textilien sind von der fleißigen Bestäubung durch Insekten abhängig. Ohne Insekten gäb es viele Produkte bald nicht mehr in gewohnter Form auf dem Markt.

“Kaffee, Kakao, Tomaten zum Beispiel, viele Kulturen, die wir für Kleidung brauchen. Die würden tatsächlich verschwinden.“

Kleine Tiere, großer Nutzen

Insekten bestäuben rund dreiviertel der Pflanzen, die in Europa angebaut werden. Schon allein die Bestäubung durch Wildbienen hat in Europa umgerechnet einen Arbeitswert von etwa 14,2 Milliarden Euro pro Jahr. Insekten prägen unsere Nahrungsvielfalt entscheidend.

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Insekten als tatkräftige Müllabfuhr und Schützer vor Krankheiten

Das Aussterben der Insekten hat auch in vielen anderen Punkten einen starken Einfluss auf uns Menschen: Denn Insekten leisten einen wichtigen Beitrag für das Gleichgewicht des Ökosystems. Durch die Entsorgung von Rückständen toter Tiere und den Abbau von Kot und Urin erfüllen sie die Aufgabe einer Art Umwelt-Müllabfuhr. Auch Krankheiten können sich durch ihre Arbeit weniger ausbreiten.

Städte, Licht, Pflanzenschutzmittel - die Artenvielfalt der tüchtigen Helfer sinkt

Staßenlichter in Stadt. Durch die hellen Lichter in den Städten werden die Insekten in ihrem natürlichen Rhythmus gestört.  (Foto: Colourbox)
Durch die hellen Lichter in den Städten werden die Insekten in ihrem natürlichen Rhythmus gestört.

Schwindende Lebensräume durch Monokulturen und Neubauten, sowie die Nutzung von Pflanzenschutzmitteln in der Landwirtschaft gehören zu den Hauptgründen für das Insektensterben.

Auch die Lichtverschmutzung in Städten führt zu einer Irritation der Tiere, stört ihre Fortpflanzung sowie den Tag-Nacht-Rhythmus und verstärkt so den Rückgang der Insekten.

Was wir tun können, um die Artenvielfalt zu erhalten

Mit ein paar einfachen Tricks können wir an vielen Orten zum Schutz der Insekten beitragen: Im Supermarkt ist es beispielsweise sinnvoll, vermehrt zu Bioprodukten zu greifen. Denn bei der Produktion von Biolebensmitteln ist der Einsatz vieler schädlicher Pestizide verboten. Außerdem lohnt es sich für Wildbienen, Schmetterlinge und Co., auf giftigen Mückensprays und chemische Schädlingsbekämpfungsmittel im Garten und auf dem Balkon zu verzichten. Denn dadurch werden oft nicht nur die nervigen Kleintiere ferngehalten, sondern auch die Insekten geschädigt, die eigentlich gar nicht vertrieben werden sollen.

Auch zu Hause kann man den Insekten helfen, ihre Arbeit zu leisten und die Artenvielfalt zu erhalten und sie zu schützen. Zwei Dinge sind hier besonders wichtig. Erstens: Lebensräume für Insekten zu schaffen. Hier bietet sich im Garten ein Teich für Wasserinsekten an, oder für andere, die es trocken mögen, ein Sandhaufen. Ist kein Platz für einen Teich, kann man auch ein Schälchen mit Wasser aufstellen. Am besten mit einem Stein als Landeplatz für alles, was fliegt.

Vertrocknete Büsche und Sträucher, die noch aus dem Winter oder der letzten Saison im Freien stehen, werden oft von Insekten bewohnt. Hier lohnt es sich deshalb, faul zu sein und die Hölzer einfach stehen zu lassen.

Hauptsache, die heimischen Pflanzen blühen!

Falter mit Lavendel.  (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
Blühende, heimische und mehrjährige Pflanzen bieten sich als Nahrungsquelle für die Insekten am besten an. Picture Alliance

Die zweite und wichtigste Maßnahme, um Insekten wie Wildbienen zu schützen, ist: vielfältige Nahrungsquellen zur Verfügung zu stellen. Am besten eignen sich dafür heimische Pflanzen, die aus Mitteleuropa kommen.

Ein wuchernder Garten, Balkon oder besonders auch Nutzgärten mit Gemüse und Obst werden immer gerne von Insekten angeflogen und bewohnt. Wichtig ist, dass es blüht! Und auch auf dem Balkon oder der Fensterbank kann man Samen aussähen, die zu einer Verbesserung beitragen.

Augen auf bei der Samenwahl

Wer sich für Samen entscheidet, kann noch auf einige Dinge achten, denn nicht jedes Saatgut ist wirklich geeignet für Wildbienen und andere Insekten. Besonders wichtig auch hier: heimische Pflanzenarten säen.

Die Inhaltsangaben auf der Rückseite der Samen-Tütchen verraten, ob es sich wirklich um heimisch Arten handelt oder ob das Produkt beispielsweise aus Nordamerika kommt. Außerdem sollte die Wahl lieber auf mehrjährige Pflanzen fallen. Wildblumen sind ebenfalls eine gute Wahl. Ein Tipp ist es außerdem noch, Torf in der Blumenerde zu vermeiden.

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Und ab in die Erde: Samen richtig einpflanzen

Hat man die passenden Samen, geht es ans Einpflanzen: Die torffreie Blumenerde wird mit etwas Sand und Steinsplitt gemischt. Wenn man die Samen dann noch mit etwas krümeligem, trockenen Sand oder Paniermehl vermischt, wird der Abstand zwischen den Samenkörnern größer. Sie können so gut wachsen und sich besser ausbreiten.

Bulmentöpfe mit Schaufel und Erde.  (Foto: Colourbox)
Heimische, mehrjährige Wildblumen bieten gute Nahrungsquellen für Insekten und eignen sich nicht nur für den Garten, sondern auch für den Balkon.

Auch Gemüse eignet sich. Zwiebeln, Karotten oder Kohl bilden bunte Blüten und sehen so, während sie den Insekten eine Nahrungsquelle bieten, auch noch schön aus. Jeder von uns kann also zuhause mit einfachen Mitteln, etwas für die Artenvielfalt und damit gegen das Insektensterben tun.

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