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Ein Film von Harald Hort

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Mettenheim in Rheinhessen ist heute ein eher ruhiges Weinörtchen mit rund 1.500 Einwohnern. Kaum zu glauben, dass Mettenheim einst eine richtige Residenz war. Hier hielten die Reichsgrafen Kolb zu Wartenberg seit 1709 Hof. Es gab sogar ein richtiges Schloss, von dem aber heute nichts mehr existiert. Nach der französischen Revolution, als Napoleons Truppen bis zum Rhein vorgedrungen waren, wurde der letzte Graf verjagt und das Schloss von den Mettenheimern abgerissen. Mit den Steinen bauten sie ihre eigenen Häuser. Zum Teil kann man das heute noch an den Fassaden erkennen. Der ehemalige Park, der „Herrengarten“ existiert noch. Allerdings auch er nicht mehr in der ursprünglichen Form.

Das gräfliche Rentamt, das damalige Verwaltungsgebäude, hat sich dagegen noch viel von seiner Ursprünglichkeit erhalten. Eine Winzerfamilie hält das Anwesen samt Zehnscheune, in der die Mettenheimer früher ihre Steuern abliefern mussten, seit Generationen am Leben. Besondere Beachtung verdient die schöne Barockkirche, die im Jahre 1756 unter der Herrschaft des Grafen Casimir fertig gestellt wurde. Für seine Gottesdienstbesuche war eine blattgoldverzierte Loge reserviert. Von dort hatte er einen exzellenten Blick auf die inzwischen denkmalgeschützte Stummorgel von 1762. In der Gruft unter der Kirche fand Graf Casimir seine letzte Ruhestätte.

Diese Gruft war über viele Jahrzehnte unzugänglich und vernachlässigt worden. 2003 kam ein örtlicher Verein auf die Idee, mit einer speziell präparierten Kamera einen Blick in die Katakombe zu werfen. Viel Schutt und Müll hatte sich über die Gräflichen Gebeine gelegt. Doch mit viel Engagement haben die Mettenheimer ihrem Graf Casimir wieder eine ordentliche Grablege geschaffen.

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