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Ein Film von Christopher Hiepe

Dauer

Sie ist so etwas wie die gute Stube von Mittelbrunn: die Kirchenstraße in der Mitte des westpfälzischen 670-Einwohner-Dorfes. Hier ist die Ortsverwaltung zuhause und die Kindertagesstätte Pusteblume. Demnächst wird ein neues Bürgerhaus eingeweiht. Und natürlich stehen hier die beiden Kirchen, die der Straße ihren Namen gegeben haben - die katholische – St. Josef - und die evangelische.

Bei so viel Nähe wird Ökumene in der Kirchenstraße natürlich groß geschrieben. Als die katholische Kirche gerade wegen Sanierungsarbeiten nicht genutzt werden konnte, bekamen die Katholiken Obdach in der benachbarten evangelischen Kirche. Und der protestantische Pfarrer Heinz Nolte spielt in der Messe seines katholischen Kollegen Johannes Schirmer auch schon mal die Orgel, wenn da der Organist ausfällt.

Manchmal, aber leider immer seltener, schallen auch ganz andere, in diesen Breitengraden fast exotisch anmutende Töne durch Mittelbrunn und die Kirchenstraße: dann, wenn das Mittelbrunner Alphorntrio um Beate Lange dicke Backen macht. Das lange Holzgebläse kann man in Mittelbrunn schon fast als Tradition bezeichnen, so lange gibt es das Trio schon. Doch nun muss die erste Stimme krankheitsbedingt passen und Ersatz gibt es bisher nicht. Damit andere Traditionen nicht aussterben oder eingeschlafene wieder belebt werden, haben junge Mittelbrunner vor einem Jahr den Traditionsverein gegründet. Dieses Jahr wollen sie zum Beispiel das "Nikolaussuchen" wieder aufleben lassen – eine Art adventliche Schnitzeljagd, die natürlich in der Kirchenstraße startet.

In einen ehemaligen Bauernhof in der Kirchenstraße haben sich vor zwanzig Jahren Annette Brauer und ihr Mann verliebt und dessen Umbau zu einer Art Lebensaufgabe gemacht. Die gebürtige Westerwälderin schafft dort Kunsthandwerk aus Keramik, vor allem farbenfrohe, individuell gestaltete Stapeldosen nach dem Tupperdosenprinzip - praktische Alltagskunst made in Kirchenstraße, Mittelbrunn.

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