Inflation gestern und heute

Hyperinflation vor 100 Jahren - auch heute ein Risiko?

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Es ist ein Thema, das viele umtreibt: Die Inflation im Land. Seit der Covid-Pandemie und dem Ausbruch des Ukraine-Krieges steigen die Preise. Und bei vielen Menschen damit auch das mulmige Gefühl. Denn wenn alles teurer wird, werden die Menschen ärmer. Vor 100 Jahren, im Winter 1923, stand die Weimarer Republik vor einem ähnlichen Problem. Es herrschte eine Hyperinflation.

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Güter und Energie sind knapp, Lebensmittel teuer und der Krieg sitzt im Bewusstsein der Menschen. Zur Situation, wie wir sie momentan erleben, lassen sich erstaunliche Parallelen ziehen ins Jahr 1923. Denn damals in der Weimarer Republik herrschten ähnliche Zustände. Und eine sogenannte Hyperinflation - ein völlig außer Kontrolle geratener, sprunghafter Preisanstieg.

Wenig Gemeinsamkeiten zwischen damals und heute

Der erste Weltkrieg war gerade verloren, die Wirtschaft, die alles auf die Kriegsproduktion umgestellt hatte, am Boden. Hinzu kamen hohe Reparationsforderungen der Siegermächte. Ein Laib Brot kostete eine Billion Reichsmark. Geld war nichts mehr wert und doch im Überfluss vorhanden. Denn: Der Staat druckte ohne Hemmungen Geld. Es gab aber keinen Gegenwert zu diesem Geld wie etwa Industriegüter.

Denkbar schlechte Rahmenbedingungen für ein Land, in dem die Inflation bald auf 25.000 Prozent steigen konnte.

Prof. Philipp Harms, Ökonom an der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz (Foto: SWR)
Prof. Philipp Harms, Ökonom an der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz

Doch auch wenn sich einige Parallelen zu damals erkennen lassen wie die teuer gewordenen Verbrauchsgüter, die Energieknappheit, die Lieferengpässe, so relativiert ein genauerer Blick in die Vergangenheit die gegenwärtigen Inflationssorgen durchaus, sagt Philipp Harms, Professor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Mainz. Laut ihm sei die Bundesrepublik von den damals herrschenden Zuständen heute weit entfernt.

"Der Staat hat andere Finanzierungsmöglichkeiten, die Europäische Zentralbank ist unabhängig - die meisten Zentralbanken sind unabhängig - und der ganze Geldprozess ist einfach ein etwas besser gerüsteter für solche Situationen."

Und so ist auch die derzeitige Geldpolitik eine ganz andere. Es wird kein Geld mehr in großen Mengen gedruckt, es wird sogar verknappt, indem die Zinsen erhöht werden. Zuständig für die Geldpolitik und die Stabilisierung des Euro ist die Europäische Zentralbank (EZB) mit Sitz in Frankfurt am Main. Sie trifft diese Entscheidungen. Durch die Zinserhöhung werde das Investieren erschwert, "Druck aus dem Kessel" genommen und letztlich die Nachfrage gedrosselt, so der Ökonom Philipp Harms. Denn: Inflation entstünde dann, wenn die Nachfrage höher sei als das Angebot. Aktuell haben wir eine solche Angebotsverknappung, weil Gas und Strom durch den Ukraine-Russland-Krieg teuer und knapp geworden sind.

Zinserhöhungen bringen Sparern wenig

Dass die Zinsen erhöht wurden, ist für die Sparer im Land auf den ersten Blick eine gute Entwicklung. Doch der zweite Blick macht deutlich: Die Inflation frisst diese Zinsen. Professor Philipp Harms merkt an, die Nullzinsphase wäre für Sparer besser gewesen als die jetzige Situation. Denn: Das Geld wurde nicht entwertet. In der Nullzinsphase lag die Inflation bei unter zwei Prozent, manchmal sogar im Negativbereich.

EZB-Gebäude (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Boris Roessler)
EZB-Gebäude picture alliance/dpa | Boris Roessler

Hilfsprogramme sollen die Lage entspannen

Um die Lage zu entspannen, versucht die Regierung derzeit, mit Hilfsprogrammen entgegenzuwirken, die Lage der Wirtschaft, aber auch die der Bürger zu verbessern. Beispielhaft sind Maßnahmen wie das 9-Euro-Ticket im vergangenen Sommer, der Tankrabatt oder aktuell (Stand Januar 2023) die Preisbremsen für Gas und Strom sowie das angekündigte 49-Euro-Ticket. Andere EU-Länder wie Spanien etwa reduzieren oder streichen die Mehrwertsteuer auf Grundnahrungsmittel.

Darum ist die Inflation so hoch

Die Gründe für die derzeit so hohe Inflation sind der Krieg in der Ukraine, die immer noch spürbaren Folgen der internationalen Lockdowns während der Covid-19-Pandemie, wo vor allem in China, der "Werkbank Europas", Stillstand herrschte.

Die Lieferengpässe und der anhaltende Fachkräftemangel erschweren die Situation. Den Krieg in der Ukraine und damit verbundene Energie-Engpässe kann Deutschland kaum beeinflussen, auch nicht die Produktivität in China. Das Problem der Fachkräfte hingegen schon, doch das dauert. Aktuell versucht die Politik daher, die Folgen der hohen Inflation für die Wirtschaft und die Bevölkerung abzuschwächen, eben mit Hilfsprogrammen.

Die Hyperinflation von 1923 ist bis heute im kollektiven Gedächtnis verankert. Sie gilt als Zäsur in der deutschen Geschichte, auch weil die Krise damals den Nährboden bereitete für politische Unruhen und das Erstarken der Nationalsozialisten. Heute, 100 Jahre später, ist die Inflation erneut erschreckend hoch. Doch mit einer unabhängigen EZB, einer starken deutschen Wirtschaft und einer anders gearteten Geldpolitik lässt sich die derzeitige Lage mit der historischen kaum vergleichen.

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