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Medikamente sind für die menschliche und tierische Gesundheit unverzichtbar. Jedoch führen der hohe Verbrauch und der teilweise unkritische Umgang mit Arzneimitteln zu einer Zunahme von schädlichen und oft langlebigen Rückständen in der Umwelt.

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
18:45 Uhr
Sender
SWR Fernsehen RP

In den Gewässern in Rheinland-Pfalz finden sich verschiedene Arzneimittelrückstände, deren Wirkungen auf den Menschen bisher noch wenig erforscht sind. Einige Forschungen haben jedoch ergeben, dass sich die Medikamentenrückstände negativ auf das Verhalten von Fischen auswirken. Dies kann weitreichende Folgen für unser Ökosystem haben, das auf einem sehr empfindlichen Gleichgewicht beruht.

Wie Medikamente ins Wasser kommt

Alle Medikamente, die eingenommen und im Körper nicht vollständig abgebaut werden, finden sich auch in unseren Gewässern. Laut Umweltbundesamt gelangen täglich mehrere Tonnen Arzneimittelwirkstoffe in Böden und Gewässer. Besonders hartnäckige Medikamente können durch die konventionellen Kläranlagen nur bedingt herausgefiltert werden. Dazu gehören zum Beispiel Hormone, Antibiotika und Schmerzmittel, Blutdrucksenker und Röntgenkontrastmittel. Sie gelangen in Flüsse, Seen und dann auch später wieder in unser Leitungswasser. 

Auch Arzneimittel aus der Tierzucht werden durch Mist und Gülle auf den Äckern verteilt und gelangen durch Versickern in das Grundwasser. Obwohl die Konzentrationen von Arzneimittelrückständen im Leitungswasser gering sind, gibt es gesundheitliche Bedenken, denn die Auswirkungen auf den Menschen sind kaum erforscht.

So werden Arzneimittel richtig entsorgt

Tabletten und Tropfen sollten im Restmüll entsorgt oder bei Schadstoffsammelstellen abgeben werden. Apotheken hingegen sind nicht mehr verpflichtet, Medikamente zurück zu nehmen und zu entsorgen.

Medikamente (Foto: SWR, SWR)
Fast die Hälfte der Verbraucher entsorgt abgelaufene Medikamente leider immer noch in der Toilette oder Spüle. SWR

Das sind die Folgen für Fische

Bisherige Forschungen ergaben zum Beispiel folgende Auswirkungen auf Fische:

  • Antibiotika hemmen das Wachstum von Algen und Pflanzen.
  • Die Anti-Baby-Pille beeinträchtigt schon in sehr geringen Konzentrationen die Reproduktion von Fischen.
  • Psychopharmaka verändern auch bei Fischen das Sozialverhalten.
  • Das Schmerzmittel Diclofenac schädigt innere Organe wie Leber und Niere der Fische.

So müssten Kläranlagen ausgebaut werden

Die Wirkstoffe könnten mit einer vierten Reinigungsstufe in den Kläranlagen aus dem Wasser gefiltert werden: Chemikalien könnten entweder mit Ozon und/oder Aktivkohlefiltern effizient aus dem Abwasser eliminiert werden. Dabei durchläuft das Wasser Aktivkohlegranulat, was eine sehr feine und poröse Oberflächenstruktur hat, an der verschiedene Stoffe hängen bleiben und so aus dem Wasser gefiltert werden können. Derzeit gibt es solche Anlagen in Rheinland-Pfalz nicht. Die vierte Stufe in allen Kläranlagen einzuführen, würde Geld kosten und ist aufwendig.

"Man rechnet damit, das sind jetzt grobe Schätzungen, dass die Kosten pro Person und Jahr zwischen 5 und 20 € liegen."

Prof. Dr. Thomas Ternes , Bundesanstalt für Gewässerkunde Koblenz

Das könnten Politik und Pharmaindustrie tun

Die Ansätze der Politik, dieses Problem in den Griff zu bekommen, werden nicht ausreichend verfolgt. Trotz vieler Kritik von Forschern und Umweltaktivisten gibt es bislang keine verbindliche Norm oder Grenzwerte, was die Konzentration von Medikamenten im Wasser betrifft.

"Andere Bundesländer, die größere Städte haben , sind sehr viel deutlicher involviert in die vierte Reinigungsstufe. In Rheinland-Pfalz gibt es diese Reinigungsstufe noch nicht, aber Mannheim ist dabei, diese zu etablieren."

Prof. Dr. Thomas Ternes , Bundesanstalt für Gewässerkunde Koblenz

Ein anderer Weg wäre, dass die Pharmaindustrie leicht abbaubare Medikamente kreiert, die gar nicht erst das Wasser verunreinigen. Laut einigen Forschern ist dies eine Frage des Wollens, gesetzliche Regelungen diesbezüglich gibt es nicht. Doch dadurch würde der Eintrag von Medikamenten ins Abwasser verringert werden. Helfen würde auch, wenn Pharmaunternehmen die Umweltverträglichkeit ihrer neuen Arzneimittel im Zulassungsverfahren offenlegen müssten.

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