Ein gesperrtes Schloss und 2 Geldkarten liegen auf einer weißen Computertastatur. (Foto: Unsplash/ Towfiqu Barbhuiya)

Viren, Würmer, Trojaner

Schadsoftware: Wie kann ich meinen Computer schützen?

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Andreas Reinhardt
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Leon Kerner
Sola Hülsewig

Sind Computer und Smartphone ausreichend gegen Schadsoftware und Datenklau geschützt? Was sollte man bei Antiviren-Programmen beachten? Und was tun, wenn man gehackt wurde?

Die Welt wird immer digitaler und vernetzter – damit nimmt aber auch die Cyberkriminalität zu. Die Polizei registrierte im Bereich Cybercrime im Jahr 2021 bundesweit 146.363 Delikte - ein Anstieg um mehr als zwölf Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Schadsoftware: Computer-Virus, Computer-Wurm, Trojaner

Ein Computervirus befällt ein Programm, ganz ähnlich, wie ein Virus Zellen im Körper befällt. Er macht das, wofür er programmiert wurde: der Rechner lässt sich nicht starten oder es ist nicht mehr möglich, Dateien zu ändern oder abzuspeichern oder Browserfenster öffnen sich selbständig.

Würmer verbreiten sich selbstständig mit den unterschiedlichsten Methoden. Zum Beispiel kann so ein Wurm ein E-Mail-Programm ausnutzen und sich dann selbständig an alle Adressen im Adressbuch versenden.

Trojaner sehen erstmal harmlos aus und verstecken sich zum Beispiel in einer Word-Datei. Wenn die Datei geöffnet wird, kann der Trojaner über das Internet weitere Schadprogramme herunterladen.

Was kann Schadsoftware anrichten?

Sind Schadprogramme ins Computersystem gelangt, können sie dort beispielsweise personenbezogene Daten und Passwörter ausspionieren.

Einige Programme sind auch in der Lage, den Datenverkehr beim Online-Banking abzufangen und zu manipulieren – Betroffene merken davon zunächst  meistens nichts.

Adware sorgt dafür, dass der Nutzer ständig Pop-up-Fenster mit Werbung angezeigt bekommt. Solche Programme kommen meist als unerwünschtes Anhängsel von kostenlosen Downloads. Sie sind im Grunde harmlos, nerven aber.

Und dann gibt es noch die Erpressersoftware oder Ransomware.

Was ist Ransomware?

Als Ransomware werden Schadprogramme bezeichnet, die bei den Opfern den Zugriff auf Daten und Systeme einschränken oder verhindern, indem sie beispielsweise alle Festplatten verschlüsseln.

Für die Entschlüsselung verlangen die Angreifer dann ein Lösegeld (engl..«ransom»). Die entsprechende Schadsoftware wird meist in einem E-Mail-Anhang unter Angabe eines falschen Absenders versendet. Die am häufigsten imitierten Absender waren 2021, nach Angaben des Bundeskriminalamts, Microsoft, DHL, Amazon, Google und WhatsApp, aber auch Banken werden oft imitiert. Klickt der Nutzer  nun auf den Anhang der Mail, installiert sich die eingespielte Schadsoftware und befällt den Computer – im schlimmsten Fall werden alle gespeicherten Daten unbrauchbar.

Wirksamer Schutz vor Hackerangriffen: Antivirenprogramme

Antivirenprogramme arbeiten wie eine Schutzimpfung für den Computer. Sie durchsuchen eingehende Mails, den Netz- und Datenverkehr oder die Sicherheit von Internetseiten. Erkennt die Software einen Schädling, warnt sie davor und bereinigt diesen häufig auch gleich mit. SWR-Multimedia-Experte Andreas Reinhard empfiehlt Nutzern eines Windows-Betriebssystems, auf jeden Fall ein Antivirenprogramm zu nutzen. Das sollte immer auf dem neuesten Stand gehalten werden – regelmäßige Updates seien  unbedingt notwendig.

Wie gut ist der Windows Defender?

Für Nutzer, die über ein gesundes Basiswissen zum Thema Sicherheit im Netz verfügen, reiche das auf Windows-Rechnern vorinstallierte Programm „Windows Defender“ aus und biete guten Schutz. Für Menschen mit weniger Ahnung, die tendenziell leichter Opfer von Hacker-Attacken werden, ist unter Umständen ein zusätzliches, externes Virenschutzprogramm empfehlenswert.

Wie finde ich ein gutes Virenschutzprogramm?

Da auch Virenschutzprogramme unter gewissen Umständen Einfallstore für Hackerangriffe sein können, sollten Sie unbedingt ein vertrauenswürdiges Produkt wählen. Sehen Sie sich dafür zum Beispiel Tests von Computer-Fachzeitschriften an. Auch von der Stiftung Warentest und von der Bundespolizei gibt es Vergleiche der besten Antivirenprogramme. Übrigens: auch kostenlose Virenschutzprogramme bieten einen guten Schutz – der Nutzer wird hier allerdings meistens mit Werbefenstern genervt. Bei kostenpflichtigen Versionen gibt es keine Werbung.

Warnung vor Kaspersky

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik warnt aktuell vor der Sicherheitssoftware des russischen Anbieters Kaspersky. Die Vermutung: russische Hacker könnten sich über das Programm Zugang zu den entsprechenden Rechnern verschaffen und beispielsweise kritische Infrastruktur lahmlegen.

Apple-Nutzer vor Schadsoftware weitestgehend sicher

Da Windows-Rechner sehr viel weiter verbreitet sind als Apple-Produkte, lohnt es sich für Internet-Kriminelle viel mehr, diese anzugreifen. Apple-Nutzer brauchen deshalb keinen extra Virenschutz – der im System bereits eingebaute genügt, nach Ansicht unseres Experten, vollkommen. Auch Smartphones bräuchten  keinen extra Virenschutz – Schadsoftware kann bei Android-Geräten nur per App-Download ins Smartphone-System gelangen. Solange Sie Ihre Apps aus den offiziellen Appstores der jeweiligen Anbieter beziehen, sind diese auch auf Viren geprüft und somit sicher. Apple erlaubt ohnehin nur Downloads aus dem App Store.

Unbedingt immer Updates machen!

Um Computer-Programme und Betriebssystem so sicher wie möglich zu halten, sollten Sie darauf achten, die Anwendungen regelmäßig zu updaten – besonders das Antivirenprogramm. Der Zweck solcher Updates ist oftmals, Sicherheitslücken zu schließen. Am besten aktivieren Sie die Updates-Automatisch-Installieren-Funktion, über die viele Programme mittlerweile verfügen.

Bei verdächtigen E-Mails  beim angeblichen Absender nachfragen

Einfallstore für Schadsoftware jeder Art sind häufig E-Mails. Hier gilt: Wenn Sie sich nicht absolut sicher sind, dass die E-Mail vertrauenswürdig ist, klicken Sie niemals auf enthaltene Links oder Anhänge! Das Öffnen einer Mail stellt dagegen noch keine Gefahr dar.

Hacker arbeiten meistens mit den Motiven Angst und Neugierde. Sie geben sich zum Beispiel als Vertreter Ihrer Bank aus und warnen davor, dass Ihr Konto gesperrt wurde. Oder sie bieten süße oder brisante Fotos an, oftmals getarnt als jemand, den Sie mutmaßlich kennen. Die Kriminellen gehen dabei sehr geschickt vor, so dass ihnen häufig sogar Menschen auf den Leim gehen, die es eigentlich besser wissen müssten.

Deshalb gilt: Wenn Ihnen irgendetwas an einer Mail komisch vorkommt, fragen Sie beim Absender nach. Wählen Sie dabei keine Telefonnummern, die in der Mail angegeben sind – auch diese können gefälscht sein – sondern suchen Sie die Kontaktdaten selbst raus.

Schadsoftware auf dem Computer – was kann ich tun?

Ist Ihr Computer tatsächlich mit Schadsoftware infiziert, muss in der Regel das Betriebssystem neu aufgesetzt werden. Wurden Ihre Daten durch Ransomware verschlüsselt, bewahren Sie diese auf – wenn Sie viel Glück haben, lassen sie sich noch entschlüsseln. Hier gibt es Tipps von der Verbraucherzentrale für den Fall, dass Sie einen Computervirus bemerken.

In jedem Fall empfiehlt es sich, seine Daten regelmäßig auf einem externen Datenträger zu speichern. Existiert so ein Backup, erleichtert das die Wiederherstellung Ihres Rechners ungemein.

Wo bekomme ich als Opfer von Schadsoftware Hilfe?

Hilfe und Beratung gibt es zum Beispiel bei Computer-Fachgeschäften und -Werkstätten.
Auch beim Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) gibt es Tipps und Hilfe.

Im Falle von Cyberkriminalität können Sie sich auch an Ihre örtliche Polizeidienststelle wenden. Alternativ: www.polizei-beratung.de

Weitere nützliche Adressen:

Lesen Sie hier außerdem, wie Sie sichere Passwörter erstellen und wie ein Passwort-Manager dabei helfen kann:

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