Blaue Nudelpackungen mit Rotem Barilla-Logo stehen in einem Regal. (Foto: Unsplash/ Paul Steuber)

Marktcheck checkt Barilla

So gut sind Barilla Nudeln wirklich

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Annika Erbach
Juana Guschl
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Gesa Marx
Bild von Gesa Marx (Foto: G. Marx)

Barilla ist weltgrößter Pasta-Fabrikant und Weltmarktführer. Doch sind Barilla Nudeln den höheren Preis im Vergleich zu den Eigenmarken der Discounter und zu Konkurrenzmarken wert?

Jede fünfte verkaufte Nudel in Deutschland kommt von Barilla. Die italienische Pasta-Marke in der typischen dunkelblauen Verpackung kennt fast jeder aus dem Supermarkt. Mit Preisen zwischen 1,89 bis 2,49 Euro gehört sie allerdings eher zum höherpreisigen Angebot.

Neben der klassischen Reihe bietet Barilla heute unter dem Namen "Integrale" Vollkornpasta, unter "Collezione" ausgefallene Pastaformen und unter "Al Bronzo" besonders hochwertige Nudeln mit rauer Oberfläche.

Doch rechtfertigt die Qualität den Preis?

Marktcheck hat die beliebte "Spaghetti No. 5" genau unter die Lupe genommen. Zum Vergleich sind Spaghetti von De Cecco, Delverde, Alnatura und der Aldi-Eigenmarke Cucina Nobile im Check.

Alle Nudeln bestehen aus nur zwei Zutaten: Hartweizengries und Wasser. Übrigens: Die Qualität der Nudel hängt stark von der Qualität des Hartweizens ab. Dabei sorgt ein möglichst hoher Proteingehalt für die gewünschte Bissfestigkeit. Glutenin sorgt für Elastizität.

Die Elastizität der Barilla Nudeln

Besonders elastische Nudeln zeugen laut Experten von hoher Qualität.

"Die Elastizität definiert natürlich nicht nur das Mundgefühl - man muss sich das so vorstellen, wir beißen die gekochte Nudel nachher mit den Zähnen durch und dieses erste Beißen, auf die Nudel, das ist natürlich der erste Eindruck, den wir haben – und der ist natürlich besser, je besser die Elastizität ist."

Für Marktcheck nimmt er die Spaghetti der verschiedenen Marken unter die Lupe. Die ungekochte Barilla-Nudel bricht im Vergleich mit den anderen Nudeln als letzte. Dies spricht für einen besonders hohen Glutenin-Gehalt.

Professor Thomas Vilgis Physiker am Max-Planck-Institut Mainz (Foto: SWR)
Professor Vilgis testet für Marktcheck Spaghetti verschiedener Marken.

Der Geschmack von Barilla Nudeln

Geschmäcker sind verschieden. Um einen möglichst diversen Eindruck zu erhalten, lässt Marktcheck einerseits zwei Experten über den Geschmack der Nudeln urteilen und anderseits 50 Passanten den Geschmackstest machen.

Expertenmeinung

Koch und Restaurantinhaber Mario Furlanello und Genussforscher und Physiker Thomas Vilgis arbeiten tagtäglich mit verschiedensten Lebensmitteln und haben zusammen ein Pasta-Buch veröffentlicht. Für Marktcheck probieren die beiden Experten fünf Spaghetti-Sorten blind:

  • Barilla für 1,89 Euro
  • Delverde für 1,69 Euro
  • Alnatura für 0,99 Euro
  • De Cecco für 2,29 Euro
  • Aldi, Cucina Nobile für 0,89 Euro
Spaghetti-Packungen der Marken De Cecco, Delverde, Alnatura und Aldi liegen zwischen Basilikumpflanzen auf einem Tisch. (Foto: SWR)
Neben Barilla wurden Delverde, De Cecco, Aldis Eigenmarke und Alnatura getestet.

Das Experten-Ergebnis: überraschend. Denn beide Pasta-Profi sind sich einig, dass es, wenn überhaupt, beim Geschmack nur marginale Unterschiede gibt. Eine klare Sieger-Spaghetti gibt es für sie nicht.

Passantenmeinung

Den gleichen Versuchsaufbau mit den 5 Marken wiederholt Marktcheck auf einem Mainzer Weinfest. Insgesamt 50 Passanten stimmen ab - das Ergebnis:

  1. De Cecco und Aldi
  2. Alnatura
  3. Delverde
  4. Barilla


Das Passanten-Ergebnis ist ebenso überraschend. Denn in der Blindverkostung landet die eigentlich so beliebte Barilla-Pasta hier auf dem letzten Platz.

Sind Barilla-Nudeln mit Schadstoffen belastet?

Markcheckt hat außerdem die verschiedenen Pasta Produkte im Labor untersuchen lassen. Denn in Pulverform lassen sich sogar Kleinstbestandteile an Pestiziden und Schwermetallen wie Blei oder Arsen finden.

Laborergebnis: insgesamt sehr gut mit Werten innerhalb jeglicher gesetzlichen Vorgaben. In sehr kleinen Mengen konnte bei den Nudeln von Barilla, De Cecco und Aldi das Schwermetall Cadmium festgestellt werden. Die gefundenen Werte lagen dabei allerdings deutlich im unbedenklichen Bereich.

Wie nachhaltig produziert Barilla seine Nudeln?

Barilla arbeitet zum Teil mit Vertragsbauern, die ein spezielles Saatgut von Barilla nutzen. Der Qualitätsanspruch an dieses Saatgut sei sehr hoch, weiß Marktcheck von Insidern. Offiziell bezieht Barilla auf Nachfrage zur Nachhaltigkeit aber keine Stellung.

Hartweizen wird auch als Durum-Weizen bezeichnet. Beim nachhaltigen Anbau kommen spezielle Hartweizen-Sorten zum Einsatz, die so gezüchtet werden, dass sie besser mit dem sich verändernden Klima zurechtkommen, gleichzeitig weniger Dünger und Pestizide benötigen sowie einen möglichst hohen Proteininhalt haben. Professor Friedrich Longin von der Uni Hohenheim forscht an wetterresistenten Hartweizen-Sorten und weiß, dass Barilla mit Zuchtfirmen kooperiert, die solch nachhaltiges Saatgut züchten. Allerdings:

"Die Pastahersteller in Mitteleuropa fordern einen Proteingehalt von circa 14 Prozent in der Rohware. Und diesen Proteingehalt erreicht man nur, wenn man viel Stickstoffdünger auf dem Feld gibt, weil sonst bildet die Pflanze nur Ertrag und keinen Proteingehalt."

Professor Longin von der Uni Hohenheim steht mit einem Klemmbrett auf einem Testfeld für Hartweizen. (Foto: SWR)
Professor Longin züchtet verschiedene Hartweizen-Sorten.

Laut eigener Angaben von Barilla stammen 55 Prozent ihres Hartweizens von italienischen Landwirten. Von ihnen sind wiederum nur 68 Prozent exklusive Vertragsbauern von Barilla, die also mit den nachhaltigen Saatgut-Züchtungen arbeiten.

Das bedeutet im Umkehrschluss: Die italienische Pastafirma nutzt ebenso Import-Hartweizen aus anderen Ländern und hat daher nicht bei allem Hartweizen durchgehend denselben Anspruch an die Nachhaltigkeit.

Beim Transport dagegen punktet Barilla. Denn das Unternehmen setzt schon lange auf die Schiene. Barilla transportiert mittlerweile 70 Prozent seiner Waren für den deutschen Markt per Zug. So spare das Unternehmen im Vergleich zum Transport mit LKW jährlich 6.000 Tonnen CO2 ein.

Fazit

Bei der Qualität hebt sich Barilla nicht wirklich von der Konkurrenz ab. Im Labor wie alle anderen top, geschmacklich landeten die beliebten Nudeln in unserer großen Blindverkostung aber auf dem letzten Platz.
Das Unternehmen ist beim Nachhaltigkeitsthema dank Zugtransport und spezieller Weizenzüchtungen für Vertragsbauern auf dem richtigen Weg. Bis zum Ziel einer komplett nachhaltigen Produktion ist es aber noch weit.
Und wie steht es um die Qualität der Barilla-Soßen wie Pesto und Bolognese? Diese und weitere Infos inklusive der Nudel-Checks finden Sie im Video.

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