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Sie gelten als genesen und fühlen sich doch krank. Patienten, die eine COVID-19-Infektion überstanden haben und jetzt unter den Spätfolgen leiden.

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Dieses neuartige Krankheitsbild, das sich aus zahlreichen einzelnen Symptomen zusammensetzt, wird Post-COVID-Syndrom genannt.

Diese Beschwerden haben Post-COVID-Patienten

Die Beschwerden, über die Patienten nach einer überstandenen Infektion klagen, können über Wochen und Monate andauern. Und: Auch lange nach einer Infektion können Beschwerden neu auftreten. Die sind dann teils so gravierend, dass diese Patienten erneut klinisch versorgt werden müssen.

Lungenfacharzt Dr. med. Wolfgang Neumeister, Ärztlicher Direktor Hufeland-Klinik Bad Ems (Foto: SWR)
In Bad Ems ist Lungenfacharzt Dr. med. Wolfgang Neumeister ärztlicher Direktor der Hufeland-Klinik.

In der Hufeland-Klinik werden seit Neuestem in einer eigens geschaffenen Rehabilitations-Abteilung auch Post-COVID-Patienten betreut. Die Symptome der Betroffenen beschreibt Lungenfacharzt Dr. med. Wolfgang Neumeister so:

"Darunter verstehen wir bei den körperlichen Leiden, dass noch Belastungsluftnot vorliegt, Husten, Brustschmerz. Auf dem Gebiet der seelischen Störungen liegen posttraumatische Belastungsstörungen vor, wie zum Beispiel Schlafstörungen, Angstzustände, Verwirrtheitszustände. Sie beschreiben das wie einen Nebel in ihrem Kopf."

Neben großer Erschöpfung – auch Fatigue genannt – leiden Patienten außerdem unter neurologischen Störungen, Geschmacks- und Geruchsstörungen oder auch Konzentrationsschwäche.

"Sie leiden an körperlichen wie auch an seelischen Gebrechen. Die ersten Publikationen darüber wurden im Spätherbst 2020 veröffentlicht. Vorher kannte man das eigentlich nicht. Man wusste aber, dass aus der SARS-CoV-1-Epidemie aus dem Jahr 2002 auch solche Störungen nach der Akut-Erkrankungsphase zurückgeblieben sind."

Gerade jüngere Menschen zwischen vierzig und fünfzig Jahren erkrankten in den letzten Wochen in der sogenannten "zweiten Welle". Sie hätten nach ihrer Infektion, so Lungenfacharzt Dr. Wolfgang Neumeister, prozentual häufiger mit psychischen Störungen zu kämpfen.

"Sie haben Situationen erlebt, die sie aus voller Gesundheit ereilt haben. Wie: Nicht sprechen können, weil beatmet, aber noch nicht ganz wach. Wie: Die neurologischen Störungen, die mit der COVID-Erkrankung einhergehen, dass sie zum Beispiel den Arm nicht heben konnten. Und all das kann natürlich gut dazu führen, dass diese Patienten hinterher eine gewisse Orientierungslosigkeit haben."

So weit ist die Forschung zu Post-COVID

Wie viele Menschen weltweit tatsächlich vom Post-COVID-Syndrom betroffen sind, ist noch unklar. Die Forschung zum Post-COVID-Syndrom hat gerade erst begonnen. Dazu Wolfgang Neumeister:

"Aus dem englischen Gesundheitswesen kommen die besten Gesundheitsdaten her. Da geht man davon aus, dass 45 Prozent der Erkrankten ein Post-COVID-Syndrom entwickeln und etwaige Rehabilitationsmaßnahmen oder medizinische Hilfe deswegen brauchen. Wir wissen, dass der Prozentsatz von stationär Behandelten etwas höher ist als der, die keine stationäre Behandlung brauchten. Wir wissen auch, dass die älteren Patienten eher zu einem Post-COVID-Syndrom neigen als die jüngeren. Aber exakte Zahlen gibt’s nicht."

So kann Post-COVID-Patienten geholfen werden

Wer nach einer COVID-19-Infektion unter Beschwerden leidet, sollte sich an seinen Hausarzt wenden. In vielen Regionen haben außerdem Post-COVID-Ambulanzen eröffnet. Hier finden Patienten schnelle Hilfe. Post-COVID-Ambulanzen sind in der Regel Kliniken angeschlossen.

Intensive Post-COVID-Therapieangebote machen auch Reha-Kliniken. In der Regel klärt der Hausarzt, ob diese Maßnahmen beim einzelnen Patienten nötig sind.

Kliniken wie die Hufeland-Klinik in Bad Ems bieten neben der Akutversorgung von COVID-19- Patienten auch Rehabilitationsmaßnahmen für Post-COVID-Patienten an. Diese bekommen Ergo- und Physiotherapie sowie psychologische Unterstützung Wolfgang Neumeister sieht, dass diese Maßnahmen beim Patienten greifen:

"Viele die kommen, können kaum einen Absatz in der Treppe gehen und sie gehen nach drei Wochen und können schon zwei Etagen gehen. Wir leiten diese Patienten auch an, dieses Selbsttraining daheim weiterzuführen. Und wir sehen auch parallel zu dieser körperlichen Genesung eine Verstetigung des Selbstbewusstseins."

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