Steingrau statt Sattgrün

Warum Schottergärten unserer Umwelt schaden

STAND

Seit Schottergärten in Mode sind, scheiden sich die Geister an dieser Gartengestaltung. Was manche praktisch finden, wollen andere verbieten.

Video herunterladen (10,8 MB | MP4)

Immer mehr Hausbesitzer setzen so auf grau statt grün, auf Steine statt Pflanzen, auf Versiegelung statt Klimaschutz. Dafür sollen die Gartenanlagen pflegeleicht und zeitsparend sein. Das denken viele, es stimmt aber nicht unbedingt.

Auch Schottergärten brauchen Pflege

Schottergärten sollen leicht zu pflegen sein, sobal sie einmal angelegt sind. Das ist oft ein Trugschluss:

  • Durch die Luft landen Samen in den Ritzen zwischen den Steinen und dann sprießt auch hier Unkraut.
  • Die Entfernung des Unkrauts zwischen den Steinen ist mühsam.
  • Die Laubbeseitigung ist aufwändig und muss einkalkuliert werden.
  • Es können sich dort Moose und Algen bilden, wo es häufiger feucht ist, oder sich Regenwasser staut.
Schottergarten bei Papenburg (Foto: Gärten des Grauens - Gärten des Grauens / Janson)
Eigentlich sind Schottergärten in Baden-Württemberg bereits seit den 1990er Jahren durch die Landesbauordnung untersagt. — Im Bild: Ein wenig Alibi-Grün um den Schottergarten soll zum Verweilen einladen (Gärten des Grauens) Gärten des Grauens - Gärten des Grauens / Janson Bild in Detailansicht öffnen
Da jedoch kaum Kontrollen stattfinden und sich die Mode der Schottergärten erst vor einiger Zeit wieder stärker ausgebreitet hat, sind sie aktuell noch sehr weit verbreitet. — Im Bild: Schottergarten bei Vechta (Gärten des Grauens) Gärten des Grauens - Freiwald/ Gärten des Grauens Bild in Detailansicht öffnen
Wenn die Novelle des Naturschutzgesetzes wie geplant von der grün-schwarzen Landesregierung vorangeht, werden lediglich die Schottergärten Bestandsschutz genießen, die bereits vor den 1990er Jahren angelegt wurden. — Im Bild: Gartenbank im Shabby-Look auf Lavagestein vor lila Hauswand mit Herzchendeko im Fenster (Gärten des Grauens) Gärten des Grauens - Gärten des Grauens / Maerker Bild in Detailansicht öffnen
Neuere Schottergärten müssten dann wieder renaturiert werden, beziehungsweise in Grünflächen umgewandelt — sonst drohen den Besitzer*innen Kontrollen und Anordnungen. — Im Bild: 30 Jahre sollst du halten? Kreativ angelegter Kiesgarten mit Tierwelt aus Kunststoff bei Winnweiler (Gärten des Grauens) Gärten des Grauens - Gärten des Grauens / P. Sie Bild in Detailansicht öffnen
Der Landwirtschafts- und Umweltausschuss tagen Mitte Juli, dort wird die Gesetzesnovelle besprochen. geplant ist, dass die Änderungen im Naturschutzgesetz noch vor der Sommerpause beschlossen werden können. — Im Bild: Schön symmetrisch verlängert der Gabionenzaun den Schottergarten in die Vertikale (Gärten des Grauens) Gärten des Grauens - Gärten des Grauens / Tillkorn Bild in Detailansicht öffnen

Darum sind Schottergärten klimaschädlich

Gartenexperten konten schon mit Messungen belegen, dass es in Steinwüsten wärmer ist, als in begrünten Gärten. Allein der fehlende Schatten führt zu fünf bis sechs Grad höheren Temperaturen, denn die Steine heizen sich in der Sonne stark auf.

Zudem fehlt der kühlende Effekt von Pflanzen. Denn Pflanzen sind wie eine Klimaanlage: Sie verdunsten Wasser und kühlen so. Das steigert auch das Wohlbefinden der Menschen.

Zudem wird in diesen Steinwüsten ohne Pflanzen kein wichtiger Sauerstoff produziert und kein Feinstaub gebunden. In Schottergärten gibt es keine Artenvielfalt.

Die künstlich angelegten Steinwüsten sind ökologisch wertlos. Bienen, Schmetterlinge und andere Nützlinge finden ohne blühende Pflanzen keine Nahrung und keinen Lebensraum. Zudem gibt es kaum bodenlebende Tiere. In Folge finden dort auch die Vögel kein Futter.

Unter den Schottergärten befindet sich meist eine Folie. Durch diese Versiegelung kann das Niederschlagswasser nicht mehr versickern. Das schafft Probleme für den natürlichen Wasserhaushalt. Bei Starkregenfällen belastet das zusätzlich die Kapazität der Kanalisation.

Kommunen verbieten Steinwüsten

Gerade Vorgärten und kleine Grünflächen haben eigentlich eine besondere Bedeutung für die Artenvielfalt und das Klima in der Stadt. Schottergärten sind dagegen nicht mit klima- und umweltfreundlichen Baumaßnahmen vereinbar. Deshalb verbieten mehr und mehr Kommunen Schottergärten.

  • So haben Neuwied, Bad Neuenahr-Ahrweiler, Mainz, Kaiserslautern, Speyer oder Neustadt an der Weinstraße Schottergärten in ihren Neubaugebieten verboten. Dort werden die Bebauungspläne entsprechend formuliert.
  • Die Begrünungssatzungen werden umgearbeitet und mehr begrünte Flächen darin gefordert. 
  • Kaiserslautern zum Beispiel möchte stadteigene Flächen stärker entsiegeln und begrünen.
  • In Koblenz und in Andernach werden die Bürger angeregt, ihre Gärten zu bepflanzen und zu begrünen, statt Schottergärten anzulegen.
Blühender Garten mit vielen Büschen (Foto: SWR)
So grün und insektenfreundlich ist ein pflegeleichter Garten.

Pflegeleichte Gärten

Wer einen pflegeleichten aber dennoch umweltfreundlichen Garten möchte, sollte Stauden dicht pflanzen - und zwar robuste Sorten in einer farbenprächtigen Mischung, die zu unterschiedlichen Zeiten blühen. Unkräuter werden so durch die Stauden verdrängt.

An heißen Orten sollten entsprechende hitzeresistente Pflanzen gesetzt werden. Die Flächen verändern sich so mit der Jahreszeit, sind immer schön anzuschauen und locken viele Tiere an.

Fazit

Trend mit vielen Fragezeichen Schottergärten - Steinwüste statt Artenvielfalt

Seit rund sieben Jahren sind Schottergärten in Mode, für Hausbesitzer, die nicht viel Zeit in Grünflächen investieren wollen oder können, eine Alternative zum klassischen Garten.  mehr...

Landesschau Rheinland-Pfalz SWR Fernsehen RP

SWR2 Tandem Gärten des Grauens - Biologe Ulf Soltau bekämpft deutsche Schotterwüsten

Auf seiner Internetseite zeigt Biologe Ulf Soltau zugeschotterte Vorgärten, in denen nichts mehr lebt. Damit will er niemandem schlechten Geschmack vorwerfen, sondern auf die verheerenden Umweltfolgen hinweisen. (Produktion: 2019)  mehr...

SWR2 Tandem SWR2

STAND
AUTOR/IN