Im Falle einer Infektion mit Covid-19

So wirken die Medikamente gegen Corona

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Das Tückische am Corona-Virus: Die Unsicherheit. Wer entwickelt nach einer Infektion nur geringe Symptome? Wem droht ein schwerer Verlauf? Gar die Intensivstation? Die Welt atmete auf, als der Impfstoff gegen Covid-19 auf den Markt kam. Nun sind außerdem weitere Medikamente verfügbar.

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Das sind die Medikamente gegen Corona

Derzeit stehen niedergelassenen Hausärzten zwei Medikamente zur Verfügung: Eine Kapsel des amerikanischen Konzerns Merck Sharp & Dohme mit dem Namen Lagevrio. Und Xevudy, eine Kurzinfusion des britischen Pharmaunternehmens GlaxoSmithKline. Vom Bundesgesundheitsministerium wurde außerdem ein Mittel namens Paxlovid von Pfizer angekündigt, das aber noch nicht verfügbar ist. Beide Medikamente können sogenannten Hochrisikopatienten nach einer Infektion mit Covid-19 verabreicht werden und sollen einen schweren Krankheitsverlauf verhindern.

Neben den Präparaten Lagevrio und Xevudy, die von Hausärzten verschrieben werden können, wird in Kliniken das Präparat Kineret - ursprünglich ein Rheumamittel - sowie Veklury mit dem Wirkstoff Remsidivir eingesetzt. Vor allem Schwerstkranken werden diese Medikamente verabreicht.

Im Laufe des letzten Jahres hat die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) mit Sitz in den Niederlanden mehrere Wirkstoffe zugelassen, von denen sich die ersten bereits als nicht mehr nützlich gegen die Omikron-Variante erwiesen haben.

Hochrisikopatienten profitieren von neuen Präparaten

Seit Januar können Hausärzte ihre Corona-Patienten mit den Medikamenten auch ambulant versorgen, vorausgesetzt, der Patient gehört zu den Hochrisikogruppen. Hochrisikopatienten sind Menschen, die aufgrund von Vorerkrankungen wie beispielsweise Diabetes, einem Krebs- oder Herzleiden oder auch aufgrund von hohem Übergewicht ein höheres Risiko haben, nach einer Infektion mit dem Corona-Virus ins Krankenhaus eingewiesen zu werden.

Zur Gruppe der Hochrisikopatienten gehören aber auch Ältere und Menschen, die trotz Impfung keine zufriedenstellende Immunantwort produzieren können. Ob der Patient hiervon betroffen ist, bestimmen Ärzte anhand des sogenannten Antikörpertiters im Blut.

Auch kommen die neuen Medikamente für ungeimpfte Patienten in Frage, die aufgrund fehlender Grundimmunisierung ebenfalls zur Gruppe der gefährdeten Patienten gerechnet werden.

Kapsel für zuhause oder Infusion in einer Klinik

Nachdem die Corona-Infektion sicher vom Arzt bestimmt wurde, betrachtet er die gesundheitliche Situation des Patienten: Gehört der zur Hochrisikogruppe und ist erst seit Kurzem infiziert? In diesem Fall kann sich der Mediziner für eine der zwei aktuell verfügbaren Therapien entscheiden.

Wenn die Kurzinfusion verabreicht werden soll, meldet der Arzt den Patienten in einem Krankenhaus an, das über das Mittel Xevudy mit dem Wirkstoff Sotrovimab verfügt. Das sind in Rheinland-Pfalz die Apotheken der Unimedizin Mainz und des Bundeswehrzentralkrankenhauses in Koblenz. Nur diese Häuser verfügen derzeit über das Recht, die Präparate anzufordern und zu lagern. Von Mainz und Koblenz aus werden dann die sogenannten Satellitenapotheken in ausgewählten Krankenhäusern in ganz Rheinland-Pfalz versorgt.

Die Infusion wird in einer Klinik verabreicht und dauert etwa 30 Minuten. Nach einer kurzen Ruhepause, in der allergische Reaktionen auf das Präparat ausgeschlossen werden sollen, kann der Patient das Krankenhaus verlassen und muss sich im Anschluss umgehend in häusliche Quarantäne begeben.

Entscheidet sich der Mediziner hingegen für die Tablette Lagevrio, wird das Rezept bei einer lokalen Apotheke eingereicht. Da Apotheken das Präparat nicht lagern dürfen, wird der Großhandel kontaktiert. Der Patient bekommt das Medikament in der Regel per Kurier direkt nach Hause geliefert. Wichtig hierbei: Die Auslieferung muss zeitnah geschehen, denn die Virenvermehrung in einem frühen Stadium zu stoppen ist oberstes Gebot.

Lagevrio wird dann über fünf Tage eingenommen, zweimal am Tag, am Besten morgens und abends. Nebenwirkungen sind selten. Auftreten können beispielweise Übelkeit, Schwindel oder Hautekzeme. Schwangere dürfen Lagevrio nicht einnehmen.

Wirkstoff hemmt Viren-Vermehrung im Körper

Lagevrio ist ein antivirales Mittel. Das heißt, es fügt sich im Körper in die DNA ein und erzeugt dort Fehler bei der Reproduktion. Dadurch kann sich das Virus nicht mehr vermehren. Der Wirkstoff von Xevudy heißt Sotrovimab. Er wirkt gegen das Spikeprotein von SARS-CoV-2, indem er das Virus abfängt, bevor es die menschliche Zelle infizieren kann.

Grundsätzlich gibt es, wie bei allen Medikamenten, keine hundertprozentige Erfolgsgarantie. Der Hersteller von Lagevrio gibt die Erfolgsquote seines Präparates mit 79 Prozent an. Bei Xevudy wird darauf verwiesen, dass die Testpatienten alle genesen sind.

Im Kampf gegen Corona: Nun können Infizierte auch zuhause behandelt werden (Foto: SWR, SWR)
Im Kampf gegen Corona: Nun können Infizierte auch zuhause behandelt werden SWR

Geprüft durch die Europäische Arzneimittelagentur

Alle Medikamente sind in der Europäischen Union auf Qualität, Wirksamkeit und Sicherheit geprüft. Eine umfangreiche Analyse ist Voraussetzung für den Zulassungsprozess, den die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) federführend betreut. Die Zulassung durch die EMA ist ein formaler Prozess.

Während Xevudy bereits zugelassen ist, befindet sich Lagevrio derzeit noch im Zulassungsprozess. Deswegen hat das Bundesministerium für Gesundheit auf der Basis einer Sonderverordnung (Medizinischer Bedarf Versorgungs-sicherstellungsverordnung) dafür gesorgt, dass Lagevrio schneller auf dem deutschen Markt verfügbar ist. Eine solche Sonderverordnung lässt in diesem Fall aber keine Rückschlüsse auf verminderte Qualität oder unzureichende Prüfung auf Wirksamkeit oder Sicherheit des Medikament zu.

Medikamente kein Ersatz für die Covid-Impfung

Das wichtigste Instrument zur Bekämpfung der Pandemie bleibt die Impfung. Es gibt kein Medikament, dass eine genauso starke Bildung von Antikörpern hervorrufen kann wie eine Impfung. Die Impfung bleibt also das beste Mittel, sich vor einer Infektion mit Covid-19 zu schützen bzw. das Risiko eines schweren Krankheitsverlaufes zu minimieren.

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