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Die Heuschnupfenzeit hat 2020 sehr früh begonnen. Pollen der Frühblüher Erle und Hasel sind schon seit Januar in der Luft, Birkenpollen kommen ab Mitte März dazu.

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Darum wird die Heuschnupfensaison immer länger

Das Niesen und Augentränen beginnt immer früher im Jahr – und dauert immer länger. Grund dafür ist der Klimawandel, denn durch die nachweisbare Erhöhung der Durchschnittstemperaturen in den letzten Jahren verlängern sich die Vegetationsphasen der Pflanzen und damit auch die Länge der Pollensaison.

Übrigens: Bäume und Gräser an viel befahrenen Straßen sind "gefährlicher" für Allergiker, denn durch den Feinstaub und die Rußpartikel werden die Hüllen der Blütenpollen öfter verletzt und die allergenen Stoffe so öfter freigesetzt, als an Orten, wo die Pollen unbeschädigt zu Boden fallen.

Das passiert bei Heuschnupfen

Das Immunsystem erkennt die eigentlich ungefährlichen Pollen als Fremdkörper und löst eine Abwehrreaktion aus. Als Folge schwellen die Schleimhäute an. Die schwächsten Symptome sind ähnlich wie bei einer Erkältung - nur ohne Erkältung. Heuschnupfen kann auch weitere Allergien zum Beispiel gegen bestimmte Nahrungsmittel auslösen.

Die größte Gefahr ist jedoch der sogenannte Etagen-Wechsel. Das heißt, dass die Heuschnupfen-Beschwerden vom oberen Rachenraum und der Nase in die Lunge wandern, simple Schnupfen-Symptome werden zu chronischem Asthma.

Gewitter-Asthma: Lebensgefährlich für Allergiker

Eine weitere Gefahr, der Allergiker ausgesetzt sind, ist das so genannte Gewitter-Asthma. Vor einem Gewitter werden durch den auffrischenden Wind viele Pollen aufgewirbelt. Pflanzen erkennen, wenn der Wind auffrischt und nutzen die Gelegenheit, ihre Pollen fliegen zu lassen. Es kommt zu einer starken Freisetzung von Pollen, die sich in der feuchten Gewitterluft regelrecht vollsaugen und platzen.

In der Folge werden viele winzige Pollenpartikel eingeatmet und dringen durch ihre geringe Größe viel tiefer in die Lunge. Dadurch kann es vorkommen, dass auch Allergiker plötzlich Atemnot bekommen, die vorher nie mit Asthma zu kämpfen hatten. In Australien sind 2016 sechs Menschen bei Gewitter-Asthma-Anfällen gestorben.

Dr. Stephan Scheicher, Allergologe in Mainz (Foto: SWR, SWR -)
Dr. Stephan Scheicher, Allergologe aus Mainz SWR -

"... deswegen soll der Patient auch möglichst hyposensibilisiert werden, also eine spezifische Immuntherapie gegen die Pollen bekommen, um das zuverlässig zu verhindern."

Eine Hyposensibilisierung kann gegen Allergien helfen

Gegen Heuschnupfen kann eine spezifische Immuntherapie oder auch Hyposensibilisierung helfen. Dabei werden die Allergene - also die Substanzen auf die der jeweilige Patient allergisch reagiert - zunächst wöchentlich gespritzt bis die maximal verträgliche Dosis erreicht ist. Die bekommt der Patient dann monatlich per Spritze meist drei Jahre lang.

Bei der spezifischen Immuntherapie oder auch Hyposensibilisierung wird das Allergen zunächst wöchentlich gespritzt bis die maximal verträgliche Dosis erreicht ist. (Foto: SWR, SWR -)
Bei der spezifischen Immuntherapie oder auch Hyposensibilisierung wird das Allergen zunächst wöchentlich gespritzt bis die maximal verträgliche Dosis erreicht ist. SWR -

Den größten Effekt hat die Therapie beim Allergologen, wenn man bereits in den ersten Jahren nach Beginn der Symptome beginnt - unabhängig vom Alter. Denn die Allergie kann irgendwann im Leben auftreten. Es gibt auch 60-Jährige, die zum ersten Mal ihren Heuschnupfen bekommen. Auch für "Spätstarter" ist eine Hyposensibilisierung noch sinnvoll.

Fazit

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