#zuLAUT Wie Lärm uns krank macht

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
18:45 Uhr
Sender
SWR Fernsehen RP

Lärm ist allgegenwärtig. Während Flug- oder Schienenlärm nur in bestimmten Gebiete auftreten, gibt es - nicht minder - gefährlich Straßenlärm fast überall im Land.

Burghard Renk und Eckhard Grabowski  (Foto: SWR, SWR)
Burghard Renk und Eckhard Grabowski leben in Mainz-Marienborn. SWR

Der Mainzer Vorort Marienborn liegt genau zwischen der A60 im Norden und der A63 im Osten. Ein großer Verkehrsknoten im Rhein-Main-Gebiet. Eine normale Unterhaltung ist direkt über der Autobahn kaum möglich.

Die ersten Häuser sind keine 50 Meter von der Autobahn entfernt. Auch hinter der Lärmschutzwand wird der Tagesgrenzwert von 59 Dezibel chronisch überschritten. Von einem normalen Leben kann keine Rede sein.

Selbst mit geschlossenen Lärmschutzfenstern kommt man an die Grenzen dessen, wo schlafen möglich ist. Das führt bei einer Reihe von Menschen zu Erkrankungen, die typische Lärmerkrankungen sind.

Burghard Renk, Anwohner in Mainz-Marienborn

Warum ist Lärm gesundheitsschädlich?

Zahlreiche Studien haben gezeigt, dass auch geringere Lärmpegel im Körper eine chronische Stressreaktion auslösen, die krank macht.

Der Kardiologe Thomas Münzel (Foto: SWR, SWR)
Der Kardiologe Thomas Münzel kämpft seit Jahren gegen Lärmbelastung. SWR

Der Kardiologe Prof. Dr. Thomas Münzel sieht die momentanen Grenzwerte von rund 60 Dezibel tagsüber und 50 Dezibel nachts in Wohngebieten kritisch.

Dann geht das Cholesterin hoch, der Blutzucker geht hoch, der Blutdruck. Und wenn das über Jahre anhält kriegt man die klassischen Herzkreislauferkrankungen wie Herzschwäche, Herzinfarkt, Schlaganfall und auch Herzrhythmusstörungen.

Thomas Münzel, Kardiologe, Universitätsmedizin Mainz

Thomas Münzel geht davon aus, dass eine Verdopplung der Lautstärke von 50 auf 60 Dezibel das Risiko für Bluthochdruck oder koronare Herzerkrankung um 10 bis 15 Prozent erhöhen kann.

Wie ist die Situation in Rheinland-Pfalz?

Die Landesregierung ist verpflichtet, die Lärmbelastung an allen Hauptverkehrsstraßen außerhalb der Ballungsräume zu messen. Entlang der gekennzeichneten Strecken liegen die gemessenen Geräuschpegel fast überall höher als die gesundheitlich unbedenklichen Werte.

Karte von rheinlandpfälzischen verkehrswegen mit hoher Lärmbelastung (Foto: SWR)
An den breiteren und dunkleren Stellen auf der Karte gut zu erkennen: Entlang der Hauptverkehrswege ist die Lärmbelastung besonders hoch.

Was ist mit Strecken abseits der Hauptrouten?

Ein Fall für die SWR-Mitmachaktion "Hier ist es zu laut". Messen sie mit einer Handy-App den Lärm vor Ort. Machen sie ein Video von der Situation und schicken Sie uns alles. Wir werden aus diesen Informationen eine interaktive Karte erstellen.

Wieso sind nicht alle Menschen gleich lärmempfindlich?

Studienergebnisse der Universität Mainz zeigen, dass auch Lärm weit unter den Dezibel-Grenzwerten schädlich sein kann.

Psychologen wissen: Lärm ist so definiert, dass es ein Geräusch ist, das jemand als unerwünscht empfindet. Das heißt, erst wenn ein Mensch ein Geräusch als negativ empfindet, ist es für ihn Lärm - unabhängig vom Schallpegel.

Neben gesundheitlichen Folgen wird auch die Psyche belastet. Insbesondere bei Kindern sinkt die Lernfähigkeit. Man weiß aus Grundlagenstudien, dass Lärm negative Auswirkungen hat - zum Beispiel auf Gedächtnisleistung, Denkvermögen und die Fähigkeit Probleme zu lösen.

Was kann man gegen Lärmstress tun?

Da Wegziehen aus der lauten Umgebung nur für wenige eine Option ist, sollte man sich schützen. Oft bleiben nur Ohrenstöpsel, um nachts für einen erholsamen Schlaf zu sorgen. Selbst bei einer Gewöhnung an Lärm, bleibt dieser schädlich.

Fazit

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