Versorgungslücken in der Rettungskette Wenn der Krankenwagen länger braucht

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
18:45 Uhr
Sender
SWR Fernsehen RP

Im Notfall zählt jede Minute bis der Rettungsdienst vor Ort ist. Wer den Notruf 112 wählt, erreicht eine von insgesamt acht Rettungsleitstellen in Rheinland-Pfalz. Nach Recherchen des SWR schafft es der Rettungsdienst in Rheinland-Pfalz aber nur in zwei Drittel aller Fälle, innerhalb der gesetzlich vorgegebenen 15 Minuten Fahrtzeit zum Einsatzort zum kommen.

Rheinland-Pfalz ist in acht Rettungsdienstbereiche eingeteilt, die jeweils mehrere Landkreise und Städte umfassen: Mainz/Rheinhessen, Ludwigshafen, Kaiserslautern, Bad Kreuznach, Landau, Trier, Montabaur, Koblenz. Insgesamt gab es 2017 fast eine Million Einsätze, aufgeteilt in Kranken- und Rettungsfahrten und Notarzteinsätze.

Jeder Rettungsdienstbereich verfügt über eine integrierte Leitstelle, bei der alle Anrufe für Feuerwehr und Krankenwagen auflaufen. Zusätzlich gibt es Rettungswachen der großen Hilfsorganisationen und Notarztstandorte, die über ganz Rheinland-Pfalz verteilt sind.

Den Leitstellen stehen vier Rettungshubschrauber zur Verfügung. (Foto: SWR, SWR -)
Den Leitstellen stehen vier Rettungshubschrauber zur Verfügung. SWR -

Wie lange muss man auf einen Krankenwagen warten?

Gesetzlich vorgegeben in Rheinland-Pfalz ist eine maximale Fahrtzeit von 15 Minuten bis zum Eintreffen am Einsatzort nach Eingang des Notrufs. Der Anruf bei der Leitstelle zählt da nicht mit, auch nicht die Zeit, bis die Helfer wirklich am Patienten sind. Liegt etwa der Einsatzort nicht an einer öffentlichen Straße, gilt die Vorgabe nicht.

In Städten und Ballungsgebieten ist es kein Problem, die gesetzliche Vorgabe einzuhalten. Schwieriger wird es schon auf dem Land.

In Rheinland-Pfalz konnten 2017 nach SWR-Recherchen zwei Drittel der Bevölkerung damit rechnen, dass der Rettungswagen in der Regel innerhalb von maximal 15 Minuten vor Ort war. Medizinisch wünschenswert für den Patienten wären allerdings sogar nur zehn Minuten Wartezeit – so wie im Nachbarland Hessen.

Welche Rettungskräfte sind im Einsatz?

Die Besatzung des Rettungswagens kann ganz unterschiedlich sein. Es gibt den Rettungssanitäter mit einem halben Jahr Ausbildung, den Rettungsassistenten mit einer zweijährigen Ausbildung und seit 2017 sogar Notfallsanitäter mit einer dreijährigen Schulung.

Ein Rettungssanitäter kann den Patienten ruhigstellen, er kann die Situation beurteilen, eine Herzmassage geben, darf aber keine Spritzen oder Infusionen verabreichen. Das sind nämlich sogenannte invasive Maßnahmen, die dem Notarzt oder dem Notfallsanitäter vorbehalten sind.

In Rheinland-Pfalz dürfen die Rettungsassistenten allerdings mit vielen Maßnahmen die Zeit bis zum Eintreffen eines Notarztes überbrücken, wenn es zu Wartezeiten kommt.

Oft ist es auch so, dass Notarzt und Rettungswagen einzeln anfahren und sich vor Ort treffen. Im Fachjargon wird das Rendezvous-Methode genannt. Die hat sich besonders in ländlichen Bereichen bewährt hat, in denen es wenig Notarztstandorte gibt.

Wie werden die Einsatzkräfte disponiert?

Die Disponenten in der Leitstelle sind zumeist selbst Rettungssanitäter oder Rettungsassistenten. (Foto: SWR, SWR -)
Die Disponenten in der Leitstelle sind zumeist selbst Rettungssanitäter oder Rettungsassistenten. SWR -

Die Leitstellen haben einen Fragenkatalog mit 600 Diagnosen, sogenannten Einsatzcodes, denen ein Einsatzfahrzeug mit Besatzung zugeteilt ist.

Abweichend davon kann der Disponent der Leitstelle aber auch eine eigene Entscheidung treffen, wenn er glaubt, dass es nötig ist. So wird zum Beispiel der Rettungshubschrauber bei Notfällen eingesetzt, die einen Notarzteinsatz erforderlich machen, wenn er das schnellste Rettungsmittel ist.

Neu in der Rettungsleitstelle des DRK in Mainz: die Disponenten können seit kurzem auch per Whatsapp und Skype Kontakt mit dem Anrufer aufnehmen und so eine Anleitung zur Ersten Hilfe geben und sich ein Bild von der Lage machen.

Whatsapp dient der Standortbestimmung: Wenn man zum Beispiel nicht an einer öffentlichen Straße ist, lassen sich so die Koordinaten an die Leitstelle übermitteln.

Was ist beim Notruf zu beachten?

In einem medizinischen Notfall sollte niemand zögern, die 112 zu wählen.

In der Leitstelle nehmen Disponenten den Anruf entgegen und führen den Anrufer durch das Gespräch. Wichtig ist nur, trotz aller Aufregung nicht aufzulegen und die Fragen zu beantworten.

1.     Wo ist etwas passiert?
2.     Was ist passiert?
3.     Wie viele Verletzte gibt es?
4.    Welche Arten von Verletzungen/Erkrankungen liegen vor?
5.     Warten auf mögliche Rückfragen und Anleitungen zu Erster Hilfe!

Bei einem Herzstillstand gibt der Disponent über Telefon Anweisungen zur Herzdruckmassage. So können wertvolle Minuten bis zum Eintreffen des Rettungswagens genutzt werden.

Nur 20 Prozent aller Anrufe sind echte Notfälle. Oft verwechseln die Anrufer den Notarzt mit dem ärztlichen Bereitschaftsdienst. Wenn es nicht um einen Notfall geht, ist der Hausarzt oder nachts und am Wochenende der ärztliche Bereitschaftsdienst zuständig.

Fazit

Im Notfall sofort die 112 wählen und, wenn nötig nach Anweisung der Leitstelle mit der Herzdruckmassage beginnen. Damit kann man die Wartezeit auf den Rettungswagen überbrücken. Medizinisch wünschenswert wären zehn Minuten, doch das ist aktuell in Rheinland-Pfalz nur schwer zu schaffen.

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