Gute Namen für Online-Abzocke missbraucht Wie mit erfundenen Promi-Paten im Internet betrogen wird

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
18:45 Uhr
Sender
SWR Fernsehen RP

Was haben Herbert Grönemeyer, Thomas Gottschalk, Lena Meyer-Landrut, Günther Jauch, Yvonne Catterfeld und Dieter Bohlen gemeinsam? Alle sind Teil einer Internet-Abzocke mit gefälschter Werbung.

Sie stehen mit ihrer Prominenz für Online-Geschäfte dubioser Firmen, die ans Geld gutgläubiger Kunden wollen. Mit gefakten Nachrichten unter Vorspiegelung falscher Tatsachen.

Artikel mit Thomas Gottschalk als Finanzvermittler und E´Werbeträger - gefälschte Information. (Foto: SWR)
Thomas Gottschalk steht drauf, gefälschte Werbung steckt dahinter.

In einem Fernseh-Studio treffen wir einen der betroffenen Promis persönlich. Über ihn liest man im Internet: "Thomas Gottschalk beendet TV-Karriere um sich voll und ganz auf seine brandneue Finanz-Plattform zu konzentrieren."

"Ich habe es selber gesehen. Ich hab gedacht: Sind die wahnsinnig? Und hab natürlich auch von anderen gehört, pass mal auf, guck Dir das mal an. Und was Dich halt eben auch so fassungslos macht, Du siehst das und denkst, das wirkt ja unheimlich professionell. ... Da werden Tatsachen behauptet, mit denen ich nicht das Geringste zu tun habe.“

Thomas Gottschalk, Werbe-Pate wider Willen
Mine und Toni Keal aus Kaiserslautern sitzen in ihrem Wohnzimmer. Sie haben durch die Masche 250 Euro verloren. (Foto: SWR)
Mine und Toni Keal aus Kaiserslautern haben durch diese Masche 250 Euro verloren.

So funktioniert die Betrugsmasche

Mine Keal wollte zunächst nur ihre E-Mails lesen und stößt dabei auf eine Nachricht.

Vermutlich klickt sie auf eine Werbe-Anzeige, die aussieht wie ein Artikel ihres Online-Anbieters. Dort heißt es, Günther Jauch hätte eine Gesetzeslücke gefunden, wie man schnell an Geld kommen könne. Man müsse nur in eine Bitcoin-Handelsplattform investieren.

"Der Artikel hat ein Label gehabt vom ZDF und das war auch das ZDF-Logo und das war auch alles komplett glaubwürdig."

Mine Keal, Betrugsopfer

Mine Keal registriert sich bei der vermeintlichen Finanzplattform und kauft für 250 Euro Bitcoins.

"Und dann hab ich eine Mail bekommen, dass ich erst mal meinen Ausweis dorthin schicken soll, damit mein Konto aktiviert werden kann. Das hab ich dann gemacht, aber mein Konto wurde nicht aktiviert."

Mine Keal, Betrugsopfer

Sie realisiert, dass das Portal wohl nicht seriös und ihr Geld vermutlich weg ist.

Dass Leute durch diese Masche tatsächlich Geld verlieren, ist für Promis wie Thomas Gottschalk ein schlimmer Gedanke.

"Es ist ein ganz furchtbares Gefühl für mich, dass irgendjemand eventuell einen Euro deswegen ausgegeben hat, weil er geglaubt hat, wenn der Gottschalk das kann, kann ich das auch. Ich hab mit der Sache nichts zu tun, habe nie etwas damit zu tun gehabt und halte das natürlich für verbrecherisch."

Thomas Gottschalk, Werbe-Pate wider Willen

Das können Betroffene tun

Mine Keal wendet sich an die Verbraucherzentrale in Mainz.

Jennifer Kaiser, Rechtsexpertin bei der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz, sitz im Büro an ihrem Schreibtisch. (Foto: SWR)
Jennifer Kaiser ist Rechtsexpertin bei der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz.

Jennifer Kaiser hilft ihr dabei, die Vertragserklärung zu widerrufen und ihr Geld zurückzufordern. Allerdings:

"Die Chancen, dass man das Geld oder die Hoheit über die eigenen Daten wiederbekommt, sind tatsächlich sehr gering. Es ist einfach unfassbar schwer die Hintermänner hinter solchen Fake-Seiten herauszufinden, wo die sich befinden, das Geld wird von Konto zu Konto transferiert. Es ist tatsächlich fast ein Ding der Unmöglichkeit dieses Geld wiederzubekommen."

Jennifer Kaiser, Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz

Auf jeden Fall sollte man schnell seine Bank informieren und die Polizei verständigen. Besser ist natürlich gar nicht erst in die Falle zu tappen.

Daran erkenne ich eine gefälschte Webseite

  • Achtung bei reißerischen Artikeln über Prominente.
  • Den Blick ins Impressum werfen.
  • Wird dort eine ladungsfähige Anschrift angezeigt?
  • Mit einer Suchmaschine checken: Ist diese Adresse existent?

Fazit

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