Sonnenuntergang über einem Stahlwerk

Krisen schwächen die Wirtschaft

Was bedeutet Rezession?

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Katharina Fortenbacher-Jahn
Katharina Fortenbacher-Jahn, SWR Aktuelle Wirtschaft
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Bild von Jutta Kaiser aus der SWR-Wirtschaftsredaktion.

Krieg in der Ukraine, explodierende Energiekosten, Corona, unterbrochene Lieferketten. Die deutsche Wirtschaft gerät wohl in eine Rezession. Was bedeutet das für uns Verbraucher?

Lebensstandard und Wohlstand der Menschen in einem Land hängen entscheidend davon ab, wie gut die Wirtschaft läuft. Das ändert sich von Jahr zu Jahr, zuweilen auch in kürzeren Zeiträumen.

Rezession und die Frage des Lebensstandards

Werden mehr Waren und Dienstleistungen produziert beziehungsweise steigt das im Land erzielte Einkommen - das Bruttoinlandsprodukt - dann wächst eine Volkswirtschaft. Der Lebensstandard erhöht sich. Allerdings können auf Phasen des Aufschwungs und Booms wieder schlechtere Zeiten folgen - Abschwungphasen, in denen das Bruttoinlandsprodukt (BIP) wieder sinkt, und es kann zu einer Rezession oder, als Tiefpunkt, auch zu einer Depression kommen.

Auf einer Deutschlandfahne befinden sich die Scrabble-Buchstaben für das Wort Rezession.
Schlittert Deutschland in eine Rezession?

Eine Rezession lässt sich definieren als eine Konjunkturphase, in der das Wirtschaftswachstum stagnierende beziehungsweise negative Wachstumsraten aufweist. Eine sogenannte technische Rezession liegt dann vor, wenn die Wirtschaft mindestens zwei Quartale in Folge schrumpft, im Vergleich zum jeweiligen Vorjahresquartal. An einer solchen technischen Rezession ist Deutschland nur knapp vorbeigeschrammt: Nach einem Rückgang im letzten Quartal 2021 wuchs das BIP laut Bundesbank im ersten Vierteljahr 2022 um 0,8 Prozent. Auch im zweiten Quartal des Jahres ergab sich noch ein minimales Wachstum von 0,1 Prozent.

Große Risiken für Wachstum und Wohlstand: Ukraine-Krieg und Inflation

Für das zweite Halbjahr sehen Wirtschaftsforscher eine Gefahr für eine Rezession. Der wissenschaftliche Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung, Sebastian Dullien, sagt voraus: Der Privatkonsum werde als Konjunkturstütze in den kommenden Monaten wegbrechen und das dürfte im Winterhalbjahr zu einer spürbaren Belastung für die Konjunktur werden. Auch das Ifo-Institut in München erwartet, dass die Wirtschaftsleistung im dritten Quartal von Juli bis Ende September schrumpfen wird.

Das Bundeswirtschaftsministerium hält fest, die deutsche Wirtschaft habe sich widerstandsfähig gezeigt. Andererseits drückten unter anderem die reduzierten Gaslieferungen aus Russland die Stimmung und bedrohten die wirtschaftliche Entwicklung. Diese Risiken werfen die Frage auf, ob wir unseren Lebensstandard halten können.

Wie groß ist die Gefahr einer Rezession in Deutschland und in Europa?

Selbst ohne so bedeutende Unsicherheitsfaktoren wie die Corona-Pandemie und den Krieg in der Ukraine lässt sich nur schätzen, wie sich die Wirtschaft in Zukunft entwickelt. Das versuchen Regierungen, Ökonomen und internationale Organisationen regelmäßig auf Basis verschiedener Annahmen und Rechenmodelle.

Dabei können sich die Vorhersagen stark unterscheiden. Sollten russische Gaslieferungen dauerhaft ausbleiben - da sind sich die meisten Ökonomen einig - würde das zu einer Rezession in Deutschland führen. Wie stark die ausfallen würde, da gehen die Meinungen wiederum auseinander.

Auswirkungen eines dauerhaften Gas-Lieferstopps ungewiss

Der russische Gazprom-Konzern hatte die Gaslieferungen nach Deutschland durch Nord Stream in der vergangenen Woche auf unbestimmte Zeit unterbrochen. Der Lieferstopp, der am Mittwoch begann, war zunächst mit turnusgemäßen Wartungsarbeiten an einer Kompressorstation begründet worden und sollte bis Samstag dauern. Am Freitagabend erklärte Gazprom dann, es gebe ein Ölleck an einer Turbine.

Am Montag floss laut der Website des Europäischen Netzwerks für die Übertragungssysteme der Gasversorger weiterhin kein Gas durch die Leitung. Der Turbinen-Hersteller Siemens Energy bezeichnete die Einstellung des Pipelinebetriebs aus technischer Sicht als nicht nachvollziehbar. Westliche Politiker werfen Moskau vor, Gaslieferungen als "Waffe" zu missbrauchen.

Einkaufen, Tanken, Autofahren und die Sorge um den Arbeitsplatz - was können wir tun?

Den Wohlstandsverlust, den Ökonomen vorhersagen, bemerken viele Verbraucherinnen und Verbraucher schon jetzt - beim tagtäglichen Einkauf wird spürbar, dass das Geld für deutlich weniger reicht als noch vor wenigen Wochen. Das Vergleichsportal Check24 sagt allein für das Heizen mit Gas Mehrkosten von rund 1.300 Euro im Jahr für einen durchschnittlichen Haushalt voraus.

Wie Verbraucherinnen und Verbraucher gegensteuern können und an einigen Stellschrauben Geld sparen können, haben wir hier zusammengestellt, am Beispiel Lebensmittel oder auch Energie:

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