Sport-BH, Hose und Top von Tchibo liegen auf einem Tisch. (Foto: SWR)

Marktcheck checkt Tchibo

Sportkleidung im Check – wie gut ist Tchibo im Vergleich zu Markenware?

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AUTOR/IN
Moritz Hartnagel
ONLINEFASSUNG
Margareta Holzreiter

Neben Sportbekleidung von Markenherstellern wie Nike und Adidas besitzen Menschen auch Kleidung von Tchibo. Kann die günstige Sportkleidung mit der Konkurrenz mithalten?

Um die Qualität der Tchibo-Artikel zu untersuchen, wählen wir drei Kleidungsstücke aus der Kollektion „Fit im Park“ aus:

  • eine Trainingshose
  • einen Sport-BH
  • ein Top

Der Praxischeck

Sechs Stuttgarterinnen unterziehen die Kleidung beim Yoga einem Praxischeck. Sie erwarten gute Passformen, blickdichte Materialien und hoffen, dass sich keine Schweißflecken abzeichnen.

Das Top und der Sport-BH werden ihren Erwartungen gerecht. Nur die Hose überzeugt unsere Testerinnen nicht: Es bilden sich Schweißflecken, den meisten ist die Hose zu warm und zu unelastisch. Das wirke sich negativ auf den Tragekomfort und das Wohlbefinden aus, kritisieren unsere sportlichen Testerinnen.

Die Hose sitzt nicht wie gewünscht (Foto: SWR)
Die Sporthose ist nicht wirklich passgenau.

Tchibo rechtfertigt die Defizite am Material der Hose damit, dass die Hose aus recyceltem Nylon und recycelten Fischernetzen hergestellt wurden. Das recycelte Material sei laut Tchibo absichtlich fester, um Blickdichte und Langlebigkeit zu garantieren. Diese Langlebigkeit stellen wir als nächstes auf den Prüfstand.

Der Labortest

Eine Trainingshose aus Fischernetzen – wie langlebig ist die wirklich? Im Labor der Textilprüfstelle der Hochschule Niederrhein lassen wir die drei Sportartikel von Tchibo und vergleichbare, aber deutlich teurere Kleidungsstücke von Adidas und Nike überprüfen.

Für Trainingshose, Top und Sport-BH zahlen wir je nach Hersteller:

Das kostet Sportkleidung
AdidasNikeTchibo
Sport-BH26,95€34,95€14,99€
Hose44,95€35,95€17,99€
Top27,95€17,95€12,99€
in Summeca. 100,- €ca. 90,- €ca. 45,- €

Laut der Textilprüfstelle besteht die Sportkleidung bei allen Herstellern, die wir uns genauer anschauen, zu einem Großteil aus Polyester. Nur im Tchibo-Sport-BH ist überwiegend Polyamid verarbeitet. Polyamid kann ein wenig Wasser aufnehmen, Polyester kann dies gar nicht, sodass Polyamid von vielen Sportlern als angenehmer auf der Haut empfunden wird, gerade wenn beim Sport viel geschwitzt wird.

Prof. Lutz Vossebein am Tisch (Foto: SWR)
Prof. Lutz Vossebein nimmt neben den Tchibo Produkten auch Modelle von Adidas und Nike unter die Lupe.

Die Verarbeitung der Tchibo-Artikel überzeugt Prof. Lutz Vossebein, den Leiter der Textilprüfstelle: "Das sieht sehr gut aus. Die Nähte sind sehr akkurat genäht.“

Härtetest in der Waschtrommel

Gutes Aussehen allein reicht jedoch nicht: Im Labor der Hochschule Niederrhein müssen die Textilien 15 Waschgänge überstehen. Wie gut schlagen sich die günstigen Kleidungsstücke von Tchibo im Vergleich zu den Markenprodukten von Adidas und Nike?

Prof. Lutz Vossebein bestätigt, dass alle drei Marken und alle einzelnen Produkte in diesem Check ein sehr gutes Waschverhalten aufweisen. Kleine Qualitätsunterschiede gibt es jedoch bei den Sport-BHs: Beim Nike Sport-BH hat sich durch die Waschgänge am Ende einer Naht ein Faden am Tascheneingang gelöst. Auch beim BH von Adidas gibt es einen kleineren Mangel: Die Oberfläche weist nach den Waschgängen eine kleine Aufrauung auf, weil sich einige Polyesterfasern gelöst haben.

Faden am Sport-BH von Nike (Foto: SWR)
Am Sport-BH löst sich klar erkennbar ein Faden.

Der Sport-BH von Tchibo übersteht den Test dagegen tadellos: "Also, der ist einwandfrei. Da steht kein Faden raus. Der Druck ist in Ordnung. Man kann alles lesen. Die Form hat sich nicht verändert. Die Nähte haben sich nicht verdreht, also sehr, sehr gutes Ergebnis“, bestätigt Prof. Lutz Vossebein, Leiter der Textilprüfstelle Niederrhein.

Wie fair sind die Herstellungsbedingungen?

Gisela Burckhardt engagiert sich für die Kampagne „saubere Kleidung“ und war bereits mehrfach in Bangladesch, um Textilmanufakturen zu besuchen. Dort werden zum Teil auch Kleidungsstücke für Tchibo genäht. Per Video-Chat ist sie mit Amirul Haque Amin verabredet, einem Gewerkschaftsführer aus Dhaka. Amin hat einen Mitarbeiter dabei, der bei AKH arbeitet, einer Manufaktur, die unter anderem für Tchibo produziert.

Bildschirm mit Video-Gespräch von Gisela Burckhardt mit AKH Mitarbeiter und Gewerkschafter. (Foto: SWR)
Gisela Burckhardt im Gespräch mit Amirul Haque Amin, einem Gewerkschaftsführer aus Dhaka.

In Sachen Transparenz ist Tchibo hier vorbildlich: In einer öffentlich einsehbaren Excel-Tabelle listet das Unternehmen alle Non-Food-Produzenten auf, die Tchibo beliefern, darunter auch AKH.

Doch der Erfahrungsbericht, den wir von einem Mitarbeiter hören, klingt nicht gut. Der Arbeitsdruck in den Fabriken sei seit der Corona-Pandemie gestiegen, die Arbeiterinnen müssten massiv Überstunden machen und würden zum Teil auch mit Ohrfeigen geschlagen oder an den Haaren gezogen.

Der Textilarbeiter, der anonym bleiben möchte, berichtet: "Es herrscht ein rauer Ton, manchmal werden Arbeitende sogar geschlagen. […] Es wird also hoher Druck ausgeübt und dazu ein hohes Arbeitspensum.“

Gisela Burckhardt ist schockiert:

„Da merkt man einfach, es gibt keinerlei Wertschätzung für die einzelne Person – und so kann man halt nicht mit Näherinnen umgehen.“

Druck und Schläge – wie passt das zu Tchibo?

Wir konfrontieren Tchibo mit den Vorwürfen. Nanda Bergstein ist bei Tchibo für die Nachhaltigkeit verantwortlich, sie antwortet uns: "Also das Verhalten ist erstmal absolut inakzeptabel. Und wir gehen ihm selbstverständlich auch nach.“

Sie vermutet, dass ausgebliebene und stornierte Aufträge anderer Kunden die Hersteller während der Corona-Pandemie unter Druck gesetzt und die Lage vor Ort verschärft hätten. Tchibo habe während der Pandemie keine Aufträge storniert.

Unser Fazit zu Sportkleidung von Tchibo

Die Sportkleidung von Tchibo ist in unserem Vergleich nicht nur am günstigsten, sondern überzeugt auch durch eine gute Verarbeitung und ihre Langlebigkeit. Der Erfahrungsbericht aus einer Textilmanufaktur in Bangladesch zeigt jedoch, dass die Produktionsbedingungen offenbar noch verbesserungswürdig sind.

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