Fleisch aus Hanfproteinen. Ist so Schnitzel aus Cannabis die Ernährung der Zukunft? - Rauschgift als Fleischersatz.

Alternative zu tierischem Eiweiß

Fleischersatz aus Cannabis: Sind Schnitzel aus Hanf die Zukunft?

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AUTOR/IN
Heike Scherbel

An der Uni Hohenheim wird getestet, welche Hanfsorten sich für vegane Schnitzel eignen. Das Land Baden-Württemberg fördert den Fleischersatz aus Cannabis mit einer Million Euro.

Ein junger Gründer aus Pforzheim hat das Projekt ins Rollen gebracht: Florian Pichlmaier, ein 28-jähriger Start up-Gründer aus Pforzheim. Zusammen mit Professorin Simone Graeff-Hönninger vom Institut für Kulturpflanzenwissenschaften forscht Pichlmaier, welche der 19 verschiedenen Hanfsorten auf einem Versuchsgelände der Uni Hohenheim für Fleischersatzprodukte geeignet sind. Wichtig ist dabei, möglichst viele Hanfsamen aus den Pflanzen heraus zu bekommen, um einen hohen Ertrag zu haben. Gleichzeitig sei aber auch die Größe der Samen von Bedeutung. Denn je größer ein Samen, desto größer auch der Protein-Gehalt.

"Der Proteingehalt ist vor allem für uns wichtig, weil wir ja ein fleischähnliches Produkt herstellen möchten. Und das soll auch vom Proteingehalt sehr ähnlich sein."

Hanf hat ein günstiges Omega-Fettsäuren-Verhältnis

Anfangs haben den Wirtschaftsjuristen Pichlmaier vor allem die gesundheitlichen Aspekte von Hanf fasziniert. Denn die Hanfpflanze hat ein günstiges Verhältnis von Omega-3- zu Omega-6-Fettsäuren. Mittlerweile will er aber mit veganem Fleischersatz auch einen Beitrag gegen den Klimawandel leisten. Pichlmaier wurde vergangenes Jahr zum Vorstandsmitglied der European Industrial Hemp Association (EIHA), einem Verband der Hanfindustrie, gewählt. Er ist das siebte und jüngste Mitglied im EIHA-Vorstand. 

Cannabis-Pflanze kann in ihren Wurzeln viel CO2 speichern

De Hanfpflanze ist ideal, um pflanzliche Proteine zu liefern, meint Professorin Simone Graeff-Hönninger. Die Agrarwissenschaftlerin betreut das Projekt für die Uni Hohenheim. Die Pflanze wachse wie Unkraut. Hanf braucht extrem wenig Dünger.

Die Pflanze hat ein langes und dichtes Wurzelwerk und kann darin CO2 speichern. Dadurch leiste die Hanfpflanze einen extrem hohen Beitrag zum Klimaschutz.

Sterne-Koch entwickelte Fleischersatz mit

Die Professorin und der junge Firmengründer forschen an Rezepturen für den Fleischersatz. Dafür wird aus Hanfsamen Proteinpulver gewonnen. Das helle, weiße Hanfprotein wird dann vermischt mit Wasser und natürlichen Zusätzen. Die genaue Rezeptur ist geheim. Ein veganer Sternekoch habe sie entwickelt, sagt Pichlmaier.

Das Hanf-Schnitzel schmeckt wie ein Schnitzel aus Fleisch

Das Hanf-Schnitzel schmecke einfach nach Schnitzel, findet Professorin Simone Graeff-Hönninger. Das Schnitzel aus Pflanzenproteinen soll zum Ende des Jahres auf den Markt kommen. Den Vertrieb soll ein großer Hersteller von Fleischersatzprodukten übernehmen. Der Hanf wächst gut geschützt vor Eindringlingen auf dem Versuchsgelände der Uni Hohenheim. Der THC-Gehalt ist in diesen Pflanzensorten zu niedrig zum Berauschen. 

Hanf als Superfood

Hanf-Samen gelten als wertvolles Lebensmittel. Sie werden geschält und ungeschält in Reformhäusern und Biomärkten angeboten. Sie schmecken nussig und eignen sich beispielsweise zum Bestreuen von Salaten, Müslis, Suppen. Aus Hanf wird auch Öl gepresst. Die Reste werden zu Hanfmehl oder Proteinpulver verarbeitet.

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Heike Scherbel