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Das Online-Geschäft boomt in der Pandemie. Um die 30 Prozent - so eine vorsichtige Schätzung des Verbands der Online-Händler - hat der Handel im Netz im Jahr 2020 zugenommen. Und damit leider auch die Retouren - eine negative Begleiterscheinung dieses Booms. Jetzt ermöglicht es ein Avatar beim Onlinekauf, dass man nach Eingabe der persönlichen Körpermaße Kleidung in ziemlich genauer Passform erhält. Denn Kleidungsstücke werden am häufigsten zurückgegeben.

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Retouren bedeuten eine Verschwendung von Ressourcen und Belastung für die Umwelt. Wie das Problem der Retouren eingedämmt werden kann, zeigt ein Projekt aus Kaiserslautern.

Avatar statt Anprobe

Der IT-Campus Kaiserslautern ist der Sitz von Avalution. Das pfälzische Start-Up-Unternehmen hat sich weltweit einen Namen mit sogenannten Avataren gemacht hat, einer Art künstlichem Ich. Der Mathematiker Dominik Michel und sein Team haben sie entworfen, mit Hilfe eines 3D-Bodyscanners.

Körpermaße eingeben und richtige Passform erhalten

Das Softwareprogramm empfiehlt nach Eingabe von Körpergröße, Körperformen, Brust- und Hüftumfang, aber auch der Schultergröße eine ziemlich genaue Passform.

Laptop, Screenshot mit Kleider-Avatar (Foto: SWR)
Das Kleidungsstück wird dem Avatar angezogen. So kann der spätere Sitz simuliert werden.

Um einen Avatar zu programmieren, braucht das System, zum Beispiel bei der Anmeldung auf einem Shopping-Portal, einige Angaben mehr als heutzutage üblich. Doch einmal angegeben, wird das im Profil gespeichert. Je mehr Angaben man macht, desto näher kommt der daraus errechnete Avatar einem selbst.

Auftraggeber des Projekts ist die Deutsche Bundesstiftung Umwelt. Zwei Jahre lang haben Dominik Michel und sein Team an dieser Lösung gearbeitet. Es ist für den Online-Modehandel von Versandhäusern gedacht, um die Masse an Retouren zu senken.

Deutsche sind Spitzenreiter bei Retouren

Retouren sind zu einem echten Problem und sogar zum Gegenstand von Forschung geworden. Gerade die Deutschen sind, laut einer aktuellen Untersuchung, Weltspitze bei Retouren. In keinem anderen Land wird so viel Ware zurückgeschickt wie bei uns. Jedes dritte Paket geht zurück.

Der Grund: Retournieren ist in Deutschland bei den meisten Online-Händlern kostenlos. Viele Versuche und Appelle, das zu ändern, haben bislang nicht gefruchtet.

Retouren schaden der Umwelt

Bei Retouren fallen Produktions- und Transportkosten an, die buchstäblich für die Tonne sind. Umweltschützer wie Michael Ulrich vom BUND haben Retourware schon lange im Visier.

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Oft würden Produkte, die zurückgeschickt werden, dem Produktkreislauf entzogen und einfach vernichtet, so Michael Ulrich. Schätzungen zufolge sind das vier Prozent.

Inzwischen gibt es einen eigenen Markt für Retourware. Sogenannte Aufkäufer kaufen Modeartikel kiloweise ein und verkaufen sie als B- oder C-Ware im Ausland. 

Fehlende gesetzliche Regelungen

Das sogenannte Kreislaufwirtschaftsgesetz sollte Abhilfe schaffen, trifft aber nicht den Kern des Problems, bemängeln Umweltschützer. So sei kein verpflichtender Retourenpreis vereinbart und nicht geklärt, was konkret mit Retourware passieren sollte. 

Fazit

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