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Wolfsrisse erhalten – anders als Hunderisse – in der Öffentlichkeit immer wieder große Aufmerksamkeit und werden vom Wolfsmonitoring bei der Forschungsanstalt für Waldökologie und Forstwirtschaft in Trippstadt genau erfasst als Teil des rheinland-pfälzischen Wolfmanagementplans, den es seit 2015 gibt.

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Im Juli zog ein Grau-Wolf-Rüde mit dem wissenschaftlichen Namen GW1554m und dem griffigeren Namen „Billy“ durch die Südeifel und riss 18 Schafe und 2 Kälber. Die Identität des aus dem Emsland stammenden Tieres konnte aufgrund der DNA-Untersuchung einwandfrei festgestellt werden. Doch von ihm fehlt seit zwei Monaten jede Spur. Ob er noch im Land ist oder weitergewandert, weiß niemand. Junge Wölfe können auf der Suche nach einem Revier hunderte Kilometer zurücklegen.

Schafsriss in Lorscheid war kein Wolf

Es war kein Wolf, sondern ein Hund, der Mitte September in Lorscheid im Hunsrück eine Schafherde angegriffen hat, das meldet das Umweltministerium Rheinland-Pfalz. Bei dem Angriff am 14.9.2020 in Lorscheid wurde ein Schaf getötet worden, drei weitere schwer verletzt, eines davon erlag seinen Verletzungen nach wenigen Tagen. Die ganze Herde war verschreckt und einige Tiere verletzten sich auf der Flucht.

DNA-Ergebnis steht fest Hund hat Schafe bei Lorscheid gerissen

Es war kein Wolf: Die fünf gerissenen Schafe bei Lorscheid im Hochwald sind von einem Hund attackiert worden. Das hat das rheinland-pfälzische Umweltministerium dem SWR mitgeteilt.  mehr...

Die Schafe gehörten der Familie Kohl aus Lorscheid, die mit Shropshire-Schafen ihre Tannenbaumplantagen freihalten. Nachdem in den Medien über den Schafsriss berichtet wurde, erhielten die Schafhalter aus Lorscheid Meldungen über ebenfalls verschreckte und freilaufende Schafe in den umliegenden Ortschaften Farschweiler, Osburg und Mertesdorf – ein wildernder Hund ist dort vermutlich immer noch unterwegs.

Nutztierrisse melden

Hunderisse sind übrigens gar nicht so selten, wie auch Günter Czerkus, Vorsitzender des Bundesverband Berufsschäfer, schon bei seiner Herde erfahren hat. Doch werden Hunde-Attacken auf Schafe oder Rinder von niemandem gezählt, auch wenn wildernde Hunde Rehe reißen, gibt es darüber keine Statistik, teilte der Landesjagdverband auf Nachfrage mit. Für Hunde sind deren Besitzer zuständig und auch haftbar.

Besteht hingegen der Verdacht, dass ein Wolf zugeschlagen hat, können sich Nutztierhalter an die Wolfs-Hotline richten unter der Nummer: 06306/911 199. Mitarbeiter der Stiftung Naturschutz und Umwelt (SNU) nehmen dann gegebenenfalls Proben aus den Bisswunden, damit anhand der DNA festgestellt werden kann, ob es ein Wolf war. In dem Fall bekommen Nutztierhalter vom Land eine Entschädigung.

Die Stiftung Natur und Umwelt (SNU) Rheinland-Pfalz hilft Nutztierhaltern bei Wolfsrissen.

Wolfsmanagement und Wolfspräventionsgebiete

Seit 2015 gibt es in Rheinland-Pfalz einen Wolfsmanagement-Plan, im Mai 2018 wurde im Westerwald das erste rheinland-pfälzische Wolfspräventionsgebiet ausgewiesen. Denn bei Neuwied hat sich tatsächlich ein Wolfsrudel angesiedelt. Zu dem Präventionsgebiet gehören die Landkreise Altenkirchen, Westerwald, Neuwied, das Stadtgebiet Koblenz sowie das rechtsrheinische Gebiet des Landkreises Mayen-Koblenz sowie das Gebiet des Rhein-Lahn-Kreis nördlich der Ems. Im Wolfs-Präventionsgebiet fördert das Land Rheinland-Pfalz wolfssichere Herdenschutzzäune und die Anschaffung von geeigneten Herdenschutz-Hunden zu 100 Prozent.

Diese Regel gilt auch in der Pufferzone in der Nordeifel, wo sich im nordrhein-westfälischen Monschau ein Wolf angesiedelt hat. Seit einem Jahr gelten deshalb die Verbandsgemeinden Prüm, Gerolstein und Adenau ebenfalls als Wolfspräventionsgebiet. Doch ein solches Präventionsgebiet wird nach wissenschaftlichen Standards nur ausgewiesen, wenn ein Wolf sich wirklich niedergelassen hat. Wenn er einmal quer durch ein Gebiet läuft, reicht das noch nicht dafür aus.

Aktuelle Diskussion

Nachdem Wolf „Billy“ im Sommer die Südeifel aufgemischt hat, wurden Rufe nach einem Wolfspräventionsgebiet Eifel laut. Für den 6. Oktober berief das Umweltministerium deshalb den sogenannten runden Tisch zusammen, an dem Nutztierhalter, Jäger, Bauernverbände und Naturschützer gemeinsam über das Wolfsmanagement beraten. Dabei soll auch diskutiert werden, ob es in Zukunft Fördergelder geben soll, damit Rinder, Pferde und Schweine mit wolfssicheren Zäunen geschützt werden können. Bisher gilt das nur für Schafe und Ziegen, da diese kleinen Paarhufer eher vom Wolf angegriffen werden als ausgewachsene Rinder. Doch seit Billy auch zwei Kälber gerissen hat, ist die Verunsicherung bei Rinderhaltern gewachsen.

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