Ein fast leeres Regal mit Nudeln in einem Supermarkt. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Robert Michael)

Machtspiele im Handel

Warum einige Supermarktregale ohne Mangel leer bleiben

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Marcel Fehr
Marcel Fehr auf der CMT (Foto: SWR, SWR)
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Katha Jansen
SWR-Wirtschaftsredakteurin Katha Jansen (Foto: SWR, Stefanie Schweigert)

Schokolade, Hundefutter, Cola. In vielen Supermärkten bleiben teils die Regale mit Markenprodukten leer. Zwischen Mars und Edeka wurde nun ein langwieriger Streit beigelegt.

Bei leeren Supermarktregalen denken viele Menschen zuerst an Lieferengpässe als Erklärung. Doch damit haben leere Fächer meistens nichts zu tun - sondern mit Preisstreits zwischen Händlern und Herstellern. Diese können sich teilweise über Jahre ziehen. So wie der Handelsstreit zwischen dem US-Lebensmittelkonzern Mars und der Supermarktkette Edeka.

Mars und Edeka einigen sich nach eineinhalb Jahren Streit

Edeka und Mars haben ihren eineinhalb Jahre lang dauernden Streit über die Preise beigelegt. Bekannte Produkte von Mars sollen im Februar nach und nach in die Regale der Märkte von Edeka und der Discount-Tochter Netto zurückkehren - darunter Kaugummi-Sorten wie Airwaves, Schokoriegel wie Snickers, aber auch Grundnahrungsmittel wie Reis von Uncle Ben's.

Mars (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance/dpa | Federico Gambarini)
Mars Produkte sind seit Februar wieder in den Regalen der Supermarktkette Edeka zu finden.

Der Streit war im August 2022 ausgebrochen. Auslöser waren Preisverhandlungen zwischen dem Nahrungsmittelkonzern und dem Lebensmitteleinzelhändler. Nach Angaben von Edeka hat man sich auf niedrigere Preise geeinigt als ursprünglich von Mars verlangt.

Warum leere Regale derzeit häufiger vorkommen

Unsere wirtschaftliche Gesamtsituation bringt aktuell ohnehin viele Unternehmen an ihre Grenzen. Durch die Energiekrise sind die Produktionskosten der Hersteller gestiegen. Sie müssen mehr für Energie, aber auch mehr für Rohstoffe zahlen.

Die gestiegenen Energiepreise treffen aber auch den Handel, gerade Kühltheken fallen ins Gewicht. Außerdem befürchten Händler, dass ihnen bei zu hohen Preisen Kunden wegbleiben. Das bedeutet: Auf beiden Seiten ist der Verhandlungsspielraum kleiner geworden. Und das spiegelt sich in lange dauernden Preisstreitigkeiten wider.

Die Akteure: Handelskonzerne und Konsumgüterhersteller

Katha Jansen aus der SWR-Wirtschaftsredaktion ordnet ein: "Auf Handelsseite teilen sich vier Gruppen 85 Prozent des Marktes unter sich auf. Das sind die Schwarz-Gruppe mit Lidl und Kaufland, Aldi Nord und Süd sowie Edeka mit Netto und Rewe mit Penny."

Bei den Konsumgüterherstellern spielen vor allem diejenigen eine große Rolle, die ganz unterschiedliche Produkte im Portfolio haben. Denn sie können die Händler mit Lieferstopps gleich an mehreren Stellen treffen. Beispiele sind Mars mit Marken wie Wrigleys, Frolic oder Twix. Den Konzern Mondelez kennen viele noch als Kraft Foods. Dazu gehören Marken wie Milka, Miracle Whip oder Philadelphia.

Warum Streit zurzeit besonders schwer beizulegen ist

Normalerweise wird ein Mal im Jahr über Preise verhandelt und diese Steigerungen rechnen die Handelsunternehmen in ihre Kalkulation ein. Teilweise laufen dann aber mehrere Verhandlungen innerhalb eines Jahres.

Die Händler gehen da nicht mit. Sie nennen die Forderungen überzogenen, sagen, die Markenhersteller versuchten nur, auf der Inflationswelle mitzureiten.

Verhandlungen dauern immer länger

In der Vergangenheit war es in Verhandlungen oft so, dass gerade die globalen Marken ihre Marktmacht ausspielen und sich durchsetzen konnten. Momentan zeigen sich allerdings beide Seiten hartnäckig. Die Handelsketten scheinen sich vehementer zu wehren, ziehen teils vor Gerichte. So passierte das einem Streit im Herbst 2022 zwischen Coca-Cola und Edeka. Der Händler wollte erzwingen, dass Coca-Cola ihn günstiger beliefert - und scheiterte. Zur Weihnachtszeit einigten sich beide - Details dazu wurden nicht öffentlich.

Schwierig wird die Situation vor allem für kleinere und mittelgroße Markenhersteller. Auch sie müssen Ihre Lieferkonditionen verhandeln und stoßen dann gerade auf schon frustrierte Handelsunternehmen - die seit Wochen im Kampf mit den großen Marken stehen. Das ist sicher keine ideale oder einfache Ausgangslage, meint SWR-Wirtschaftsredakteurin Katha Jansen. Im Gegensatz zu den großen Playern hätten diese Unternehmen oft nicht das entsprechende Finanzpolster, um solche Streitigkeiten auszusitzen. 

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