Stiche, Bisse, Allergien

So gefährlich sind Tigermücken und andere Insekten wirklich

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Nicht nur heimische Stechmücken plagen uns im Sommer. Auch die tropische Tigermücke breitet sich in Deutschland aus. Wir erklären, wie man sich vor Insektenstichen schützen kann.

In Deutschland konnten Forscher mittlerweile über 50 verschiedene Mückenarten nachweisen. Hier eine Auswahl der bekanntesten Arten:

Mückenarten in Deutschland (Foto: Colourbox)
Die asiatische Tigermücke kommt ursprünglich aus den südostasiatischen Tropen. Auch in Deutschland ist sie seit 2007 beheimatet und gilt als Krankheitsüberträger für das Dengue-, Chikungunya- und Zika-Virus. Bislang wurden in Deutschland diese Viren noch nicht übertragen, Forscher halten dies aufgrund der globalen Erwärmung aber nur noch für eine Frage der Zeit. Bild in Detailansicht öffnen
Die heimische Stechmücke wird von ihrem Aussehen her oft mit Zuckmücken, Büschelmücken und Wiesenschnaken verwechselt. Im Gegensatz zur weiblichen Stechmücke saugen diese jedoch kein Blut. imago Bild in Detailansicht öffnen
Die Kriebelmücke breitet sich immer weiter in Deutschland aus. Mittlerweile sind mehr als 50 Arten bei uns bekannt. Sie sticht nicht, sondern beißt. Dadurch kann sie starke Schwellungen an den betroffenen Hautstellen auslösen und durch die toxischen Stoffe, die sie überträgt, auch Entzündungen hervorrufen. Kriebelmücken fühlen sich vor allem in Feuchtgebieten und Wiesen wohl und sind nachts am aktivsten. imago Bild in Detailansicht öffnen
Die Sandmücke wurde erstmals im Jahr 1999 in Deutschland nachgewiesen, sie stammt aus den Tropen und Subtropen von Europa. Sandmücken brauchen im Gegensatz zu gewöhnlichen Stechmücken keine Blutmahlzeit, um Eier legen zu können. Dennoch stechen sie auch bei Menschen öfter zu und lösen damit Juckreiz und Hautrötungen aus. Bei einigen Personen kann der Stich sogar Unwohlsein und Fieber auslösen. Bild in Detailansicht öffnen
Bartmücken werden auch Gnitzen genannt. Die Männchen dieser Art sind reine Pflanzensauger, die Weibchen dagegen Blutsauger. Sie haben gut ausgebildete Mundwerkzeuge, die einen Stechrüssel bilden und unter anderem die Blauzungenkrankheit auf Wiederkäuer übertragen können. Beim Menschen sorgt ein Biss der Bartmücke häufig für Schmerzen und Quaddeln an der Einstichstelle. imago Bild in Detailansicht öffnen
Die asiatische Buschmücke ist ursprünglich in Korea, Japan und Südchina beheimatet und kann das West-Nil-Virus und verschiedene Arten von Enzephalitis(Entzündung im Gehirn)-Viren übertragen. Seit dem Frühjahr 2013 ist sie auch bei uns in Deutschland zu finden, vor allem am Oberrhein. Imago Bild in Detailansicht öffnen

Die asiatische Tigermücke breitet sich rasant aus - auch im Südwesten

Während einheimische Stechmücken in der Regel für den Menschen nur lästig, aber nicht gefährlich sind, sieht es bei manchen eingewanderten Arten etwas anders aus. Die asiatische Tigermücke beispielsweise lebt ursprünglich in Südostasien, doch mittlerweile hat sie sich auch in Deutschland breitgemacht – und kann auch hier zur Gefahr werden. Sie ist drei bis zehn Millimeter groß, schwarz-weiß gefärbt und sehr stechfreudig – auch tagsüber.

Bei der Kommunalen Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage e.V., KABS, und beim Institut für Dipterologie, IfD, in Speyer versuchen Forscher wie der Biologe Artur Jöst mehr über die exotischen Mücken zu erfahren. Zum Beispiel wie sie zu uns kommen.

Karlsruhe

Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage KABS Studie zur Verbreitung der Tigermücke am Rhein

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„Unsere Forschungsergebnisse der letzten Jahre haben gezeigt, dass es insbesondere die Autobahn A5 ist, die die Tigermücke zu uns nach Süddeutschland bringt – insbesondere über den Pkw-, aber auch über den Lkw-Verkehr. Die Tiere folgen uns, weil sie uns stechen wollen. Genau so kommen sie auch in die Fahrerhäuser der Lkw oder in den Pkw und werden als blinde Passagiere verschleppt.“

 

Artur Jöst, Diplom-Biologe bei der KABS und am Institut für Dipterologie in Speyer. (Foto: SWR)
Artur Jöst, Diplom-Biologe bei der KABS und am Institut für Dipterologie in Speyer.

Forscher sind gewarnt, denn zum Beispiel in Freiburg, Lörrach, Karlsruhe und Heidelberg haben sie schon große Populationen der Tigermücke entdeckt.

„Neben ihrer besonderen Aggressivität zeichnet sie ihre Fähigkeit aus, verschiedene virale Erkrankungen auf den Menschen zu übertragen.“

Diese Krankheiten können Tigermücken übertragen

Mehr als zwanzig Viren können von der Tigermücke übertragen werden. Dazu zählen insbesondere:

  • Chikungunya-Fieber
  • Dengue-Fieber
  • West-Nil-Fieber
  • Zika-Virus

Viele sind beunruhigt. Experten sehen aber noch keinen Grund zur Sorge, denn: Der Stich einer asiatischen Tigermücke unterscheidet sich kaum von dem einer heimischen Mücke. Er kann allerdings eher allergische Reaktionen verursachen.

Unsere heimischen stechenden und beißenden Insekten

Bremsen ähneln Stubenfliegen, sind aber etwas größer und länglicher. Sie halten sich vor allem an Gewässern oder in der Nähe von Vieh oder Pferden auf. Wenn sie beißen, reissen sie regelrecht Löcher in die Haut. Ziemlich schmerzhaft – außerdem juckt der Biss stark und es können Bakterien in die Wunde gelangen. Bei heftigen allergischen Reaktionen verschreibt der Arzt Antibiotika.

Kriebelmücken sind unauffälliger. Angelockt werden sie vom menschlichen Schweiß. Man hört sie nicht summen und bemerkt den Biss meist nicht. Ihr Speichel betäubt und sorgt dafür, dass das Blut zunächst nicht gerinnt. Ihren Biss erkennt man an einem kleinen Blutpunkt. Er juckt nicht, schmerzt aber oftmals stark – sogar über Wochen. Es kann eine starke Schwellung entstehen, eine so genannte pseudoallergische Reaktion.

Grasmilben sind weniger als ein Millimeter groß, leben im Boden und legen ihre Eier im Gras ab. Im Sommer schlüpfen die Larven. Auf der Suche nach eiweißreicher Nahrung befallen sie Mensch und Tier. Auf trockenen Wiesen lauern sie an den Spitzen der Grashalme. Im Gegensatz zu Mückenstichen machen sich ihre Bisse erst später bemerkbar. Der Juckreiz kann Tage anhalten. Grasmilbenlarven beißen gerne in dünnhäutige Stellen, etwa am Knöchel, in der Kniekehle oder der Armbeuge, übertragen aber keine ansteckenden Krankheiten. Patienten mit starker Reaktion werden mit kortisonhaltiger Creme gegen den Juckreiz, in besonderen Fällen auch mit Antihistaminika, behandelt.

Mückenstich – was tun?

  • Wurde man gestochen, ist es am wichtigsten, den Juckreiz so weit zu lindern, dass man sich nicht kratzt. Denn erstens verschlimmert das Kratzen den Juckreiz und zweitens kann sich die aufgekratzte Stelle - zum Beispiel durch Schmutz unter den Fingernägeln - infizieren.
  • Um das lästige Jucken zu lindern und damit ein Kratzen zu vermeiden, können Hausmittel nützlich sein. Am wirksamsten ist es, den Stich zu kühlen - etwa mit einem Eiswürfel, einem Kühl-Pad oder einer eiskalten Flasche. Auch eine Zitronenscheibe, Apfelessig oder eine halbe Zwiebel können den Juckreiz vermindern.
  • Kühlende Gels mit pflanzlichen Wirkstoffen aus der Apotheke sorgen ebenfalls für Linderung.
  • Es werden auch Gele mit Antihistaminika gegen Insektenstiche angeboten. Die Arzneimittelexperten der Stiftung Warentest bewerten sie aber mit "wenig geeignet", da die darin enthaltenen Wirkstoffe nicht ausreichend tief in die Haut eindringen würden. Eine juckreizdämpfende Wirkung sei daher nicht zu erwarten und die therapeutische Wirksamkeit nicht belegt. Dass die Gele bei Juckreiz trotzdem guttun können, führt die Stiftung Warentest darauf zurück, dass sie auf der Haut verdunsten und dabei kühlen.
  • Experten sind sich uneins, ob es sinnvoll ist, eine Einstichstelle zu erwärmen, etwa mit Hitzesticks, um den Juckreiz zu lindern.

Wann muss ich wegen eines Insektenstichs zum Arzt?

Vorsicht ist bei Allergikern geboten und auch, wenn die Schwellung so stark wird, dass man Beschwerden hat und/oder es heiß und schmerzhaft wird. Ein deutliches Warnzeichen ist auch Fieber. Treten solche Symptome auf, sollte man sicherheitshalber einen Arzt aufsuchen.

Was zieht Stechmücken an?

Wenn Mücken Opfer suchen, reagieren sie vor allem auf Duftstoffe, den Körpergeruch und auch den Atem von Menschen. Wichtigstes Signal: das ausgeatmete Kohlendioxid. Das bemerken die Stechmücken noch in 50 Meter Entfernung. Und sie riechen auch unseren Körpergeruch, den Schweiß, die Duftstoffe auf unserer Haut: Ammoniak, Milchsäuren und Fettsäuren.

Jeder Mensch hat genetisch bedingt eine persönliche "Duftnote", die sich aus bis zu 40 Substanzen in unterschiedlicher Ausprägung und Konzentration zusammensetzt. Daher ist nicht jeder Mensch gleich attraktiv für die Mücken. Je mehr Bakterien und je weniger unterschiedliche Bakterienarten ein Mensch auf der Haut hat, desto spannender duftet er für Mücken.

Gibt es geborene "Mückenopfer" unter uns Menschen?

Einige von uns werden schon als Mückenopfer geboren. Forscher der London School of Hygiene and Tropical Medicine haben das in einem Experiment nachgewiesen und im Fachmagazin "PLoS One" veröffentlicht.

Sie ließen Zwillingspaare von Malariamücken anfliegen. Eineiige Zwillinge, die genetisch nahezu identisch sind, waren für die Mücken gleichermaßen interessant. Bei zweieiigen Zwillingen war das anders: Hier hatten die Mücken jeweils einen Favoriten.

Ernährung und Lebensweise können den persönlichen Duftcocktail beeinflussen. So sind beispielsweise Biertrinker für bestimmte Mückenarten leicht attraktiver als Menschen, die kein Bier trinken. Der Grund hierfür ist vermutlich, dass der Alkohol die Körpertemperatur leicht erhöht.

Werden Mücken von bestimmten Farben angezogen?

Je nachdem, wie weit Mücken von ihren Opfern entfernt sind, nehmen sie auch optische Reize wahr. Im Abstand von etwa zwei Metern fühlen sich viele Mückenarten von dunklen Farben angezogen - vor allem, wenn die dunkle Farbe in Kontrast zu einer hellen steht.

Haben sie sich auf 20 bis 30 Zentimeter genähert, nehmen Stechmücken auch die Hauttemperatur wahr. Sie suchen geeignete Landestellen, um an warmes, frisches Blut zu gelangen, das sie als Eiweißquelle nutzen.

Wie halte ich mir Mücken vom Leib?

Mücken mögen verbrauchte Atemluft, Körperwärme und Schweiß. Je weniger also die Mücken davon mitbekommen, desto weniger stechen sie uns.

  • Stellen Sie einen Ventilator auf: Für Mücken sind wir nichts anderes als ein Eiweißlieferant mit einer Dunstglocke voller verlockender Gerüche außenherum. Ein Ventilator lässt diese Dunstglocke um uns verschwinden und schon finden uns die Mücken unattraktiver.
  • Gehen Sie vor dem Schlafen oder vor der Grillparty unter die Dusche: Unser menschlicher Schweiß und der natürliche Körpergeruch, die beide Stechmücken anlocken, sind durch das Duschen zumindest eine Zeit lang weniger intensiv.
  • Wählen Sie die richtige Kleidung: Bestimmte Mückenarten haben eine Vorliebe für dunkle Farben. Schwarz und marineblau kommen besonders gut an. Greifen Sie also zu hellen Farben, aber auch zu langärmeligen Pullis, langen Hosen und Socken - am besten aus dickeren Stoffen wie Leinen, durch die der Stechrüssel der Mücke nicht durchkommt.
  • Meiden Sie ab der Dämmerung im Sommer die Nähe von stillen Gewässern: Hier wachsen die Mückenlarven heran. Schon bald nach dem Schlüpfen paaren sich die Mücken. Ab diesem Moment steigt das Risiko für Mückenstiche rapide, denn die Weibchen brauchen für die Entwicklung ihrer Eier Proteine und Eisen aus dem menschlichen Blut.
  • Ködern Sie Mücken durch getragene Socken: Mücken finden kaum etwas so unwiderstehlich wie getragene Socken. Diese können Sie als Ablenkungsmanöver etwa in der Nähe des Bettes platzieren.
  • Mückenschutzmittel flächendeckend auftragen oder aufsprühen: Mücken lassen sich nicht grundsätzlich durch eine Duftwolke aus Mückenschutzmittel abschrecken. Mit ihren ausgezeichneten Sinnen finden Mücken die kleinste Lücke auf der Haut, die nicht besprüht wurde - und stechen dort.

Welche Mittel helfen als Insektenschutz?

Mehrfach wurde in den vergangenen Jahren untersucht, womit man sich am besten einreibt oder einsprüht, um möglichst wenige Stiche davonzutragen. Getestet wurden dabei meist Mittel mit den Wirkstoffen Diethyltoluamid (DEET), Icaridin und PMD (pflanzenbasiert). Auch Produkte nur auf der Basis von ätherischen Ölen wurden unter die Lupe genommen. Die Ergebnisse ähneln sich:

  • Am wirksamsten erwiesen sich meist die Produkte mit DEET, allerdings ist der Wirkstoff nicht unumstritten und Produkte, die ihn enthalten, sind für Kinder unter drei Jahren nicht empfohlen.
  • Als etwas weniger wirksam erweisen sich Produkte mit Icaridin, allerdings sind dafür auch die möglichen Nebenwirkungen durch diesen Wirkstoff geringer.
  • An dritter Stelle bezüglich der Wirksamkeit folgen die Mittel mit dem pflanzenbasierten Wirkstoff PMD.
  • Weit abgeschlagen landen meist Produkte, die nur ätherische Öle enthalten.

Selbst zuhause vorbeugen: Insekten-Nachwuchs vermeiden

Mücken reicht die kleinste Pfütze, um darin Unmengen an Nachwuchs abzulegen. So können Sie das verhindern:

  • Eimer, Grillschalen oder Schubkarren leeren: Drehen Sie alles im Garten oder auf der Terrasse um, in dem sich Wasser angesammelt hat.
  • Bodenabläufe auf dem Balkon oder der Terrasse: Sind sie mit Blättern oder Ähnlichem verstopft, kann sich auch dort Wasser sammeln – also regelmäßig kontrollieren.
  • Unterteller von Pflanztöpfen: Einmal pro Woche sollten sie gesäubert werden.
  • Vogeltränken: Einmal pro Woche sollte das Wasser getauscht und das Gefäß gesäubert werden.
  • Regentonne: Mit einem Insektenschutzgitter aus Kunststoff abdecken, denn sie ist bei Mücken besonders beliebt für die Eiablage.

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