Ein Spülmaschinentab liegt im Fach einer Spülmaschine (Foto: Colourbox)

Keine einfache Antwort

Spülmaschinentabs in wasserlöslicher Folie - schlecht für die Umwelt?

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AUTOR/IN
Dominik Bartoschek

Die Spülmaschinentabs einiger Hersteller stecken in wasserlöslicher Folie, die nicht entfernt werden muss. Das Material gilt als biologisch abbaubar. Aber stimmt das auch?

Sie sind sehr praktisch und wirken umweltfreundlich: Spülmaschinentabs, die man samt Ummantelung in die Spülmaschine geben kann. Nach dem Spülgang ist das Geschirr sauber und die Folie weg, also alle Probleme gelöst?

Unsichtbar, aber nicht verschwunden

Es ist keine Zauberei, sondern schlichte Chemie: Dass von der Folie nach dem Spülgang in der Spülmaschine nichts mehr zu sehen ist, liegt am Material: Polyvinylalkohol (PVOH) heißt es und zählt zu den löslichen Polymeren. Die Folie zerfällt in der Spülmaschine, sobald sie mit Wasser in Kontakt kommt. Verschwunden ist das PVOH damit allerdings nicht. Die Substanz liegt jetzt lediglich gelöst vor und gelangt mitsamt dem Spülwasser in die Kläranlage. Erst dort soll beginnen, was man als biologischen Abbau bezeichnet: Mikroorganismen und Enzyme zersetzen das Material, übrig bleiben lediglich für die Umwelt unproblematisches Kohlendioxid und Wasser.

Ist die wasserlösliche Folie umweltschädlich?

Viele Verbraucherinnen und Verbraucher finden die Folien eine saubere Sache. Und auch die Hersteller, die ihre Tabs in diesen wasserlöslichen Folien anbieten, sind der Ansicht. Beim Haushaltsreinigerhersteller Werner & Mertz, der unter anderem die Marke "Frosch" produziert, zum Beispiel heißt es, die Folien verhinderten ein Zusammenkleben der Tabs. Das österreichische Unternehmen Claro sagt, viele Verbraucherinnen und Verbraucher wollten den Tab nicht anfassen, deshalb die Folie.

Daneben gibt es aber auch Kritik an den selbstauflösenden Folien. Grund sind Zweifel an der biologischen Abbaubarkeit des PVOH. Die ist zwar von den Herstellern nachgewiesen, und zwar mit standardisierten und anerkannten Testverfahren im Labor, doch an deren Aussagekraft zweifeln Umweltexpertinnen und -experten sowie Konkurrenz-Unternehmen. So schreibt zum Beispiel die europäische Chemikalienagentur (ECHA) in einem Dokument zu einem Testverfahren, dass zum Beispiel der Hersteller Claro anwendet: "Im Labor herrschen optimale Bedingungen, sodass positive Testergebnisse nicht als Beleg für eine rasche Abbaubarkeit in der Umwelt interpretiert werden sollten."

Viele mit Plastikfolie überzogene Spülmaschinentabs liegen auf einem Tisch (Foto: Colourbox)
Viele Verbraucher finden Spülmaschinentabs, die mit Folie überzogen sind, praktisch.

Labor und Realität klaffen auseinander

Ganz ähnlich sieht das der Reinigungsmittel-Hersteller Everdrop, der Folien ablehnt und daher seine Spülmaschinentabs ohne Folie verkauft. Laborbedingungen seien "in der Realität … nur selten oder gar nicht vorzufinden". Auch das Umweltbundesamt (UBA) verweist auf die "sehr spezifischen Bedingungen" bei den Labortests und schreibt auf Anfrage: "Daher kann von unserer Seite keine allgemeingültige, universal anwendbare Aussage zum Abbauverhalten in der Umwelt (…) getroffen werden. Dem UBA liegen dazu keine eigenen Arbeiten/Erkenntnisse insbesondere zum Verhalten und Verbleib von Polyvinylalkohol im Kläranlagenbereich vor."

Verunreinigen die Folien das Wasser?

Stefan Bröker, Pressesprecher der "Deutschen Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall", hält Polyvinylalkohol in der Praxis für "relativ schlecht abbaubar". Allerdings werde die Substanz gefällt, also aus dem Abwasser entfernt und lande im Klärschlamm, sei also für die Gewässer "relativ unproblematisch".

Aus dem Abwasser entfernt und unproblematisch? Ob das wirklich stimmt, darüber könnten nur Analysen des Abwassers Auskunft geben, die gezielt nach PVOH suchen. Doch die gibt es im Kläranlagen-Alltag nicht. Allerdings gibt es eine Studie aus dem Jahr 2014, die das gereinigte Wasser von Kläranlagen in Niedersachsen untersucht hat. Damals wurde PVOH nachgewiesen. Die Vermutung der Forschenden damals war, diese Rückstände könnten "durch die Verwendung in Damenhygieneprodukten und Kontaktlinsen erklärt werden", von Tab-Folien war nicht die Rede.

Das Klärwerk in Andernach: Das Abwasser wird jetzt regelmäßig auf Corona-Viren untersucht - um Daten für die Entwicklung der Corona-Pandemie in Rheinland-Pfalz zu liefern.  (Foto: SWR)
In Kläranlagen wie hier in Andernach werden Substanzrückstände aus dem Wasser gefiltert.

Folie entfernen schadet nicht

Was also heißt das nun für Verbraucherinnen und Verbraucher? Die Tabs mit Folie weiter benutzen, weil es nicht belegt ist, dass sie Schaden in der Umwelt anrichten? Oder sie künftig vermeiden, weil es nicht belegt ist, dass sie keinen Schaden in der Umwelt anrichten? "Im besten Fall vermeidet man den Einsatz der Folien bereits bei der Produktion, so dass das Problem erst gar nicht bei den Verbraucher:innen auftaucht", sagt Katrin Schuhen, die Geschäftsführerin von "Wasser 3.0", einem gemeinnützigem Unternehmen aus Karlsruhe, das sich mit Mikroplastik und Mikroschadstoffen im Abwasser beschäftigt. Sie bestätigt, "dass neben vielen anderen Mikroschadstoffen, wie Medikamente und Pestizide auch lösliche Polymere ein globales Umweltproblem mit hohen gesundheitlichen Risiken darstellen können. Wie in vielen Bereichen gilt auch hier: Die Dosis macht das Gift und nur weil man noch keine umfangreichen Daten zur Bewertung vorliegen kann, kann man dennoch heute schon proaktiv auf Verhinderung von Schadstoffeinträgen setzen."

Und auch das UBA schreibt in einer Empfehlung: "Grundsätzlich sind wir dafür, den Eintrag anthropogener (Anm.: menschengemachter) Stoffe so weit wie möglich zu minimieren und vorsorglich zu handeln". Bedeutet: Solange man nicht genau weiß, was mit einem Stoff in der Umwelt passiert, sollte man ihn auch nicht in die Umwelt gelangen lassen.

Das Gute ist: Eine Funktion für den Spülerfolg haben die Folien ohnehin nicht. Wer sie also künftig vor dem Spülen entfernt und in den Müll wirft, wird dennoch sauberes Geschirr bekommen.

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