Verspätungen, Diebstahl, Erstattungen Diese Rechte haben Sie als Bahnfahrer

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Bei einer Bahnfahrt läuft nicht immer alles rund. Müssen Bahnreisende trotz eines gültigen Tickets den Zug verlassen? Rechtsexperte Karl-Dieter Möller gibt Tipps und Hinweise.

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20:15 Uhr
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SWR Fernsehen

Wann muss die Bahn Taxi- oder Hotelkosten übernehmen?

Die Bahn muss unter bestimmten Bedingungen Taxi- und Hotelkosten übernehmen. Dazu muss der Zug mehr als eine Stunde verspätet und nach Mitternacht am Zielbahnhof ankommen. Zudem darf es keine anderen Verbindungen mehr geben. Auch wenn der planmäßige Zug ausgefallen ist und keine Ankunft mehr vor Mitternacht möglich ist, muss die Bahn die Kosten übernehmen. Dabei gilt: Die Bahn erstattet maximal 80 Euro.

Teilweise bietet die Bahn auch von sich aus Sammeltaxis oder Hotelübernachtungen an. Diese sollte der Reisende nutzen, sonst wird es mit der Entschädigung schwierig.

Entschädigungen bei Verspätungen

Ist die Bahn verspätet, so erhalten Bahnfahrer ab einer Verspätung von 60 Minuten ein Viertel des Fahrpreises zurück, ab zwei Stunden wird ihnen die Hälfte erstattet. Fällt der Zug komplett aus, können Reisende den kompletten Fahrpreis zurückverlangen. Außerdem kann, wenn man am Bahnsteig steht und der Zug bereits mehr als 60 Minuten Verspätung hat, vom Vertrag zurücktreten, den Fahrpreis zurückverlangen und ein anderes Verkehrsmittel wählen. Bei ICE-Sprintern erhalten Reisende schon bei Verspätungen ab 30 Minuten eine Entschädigung.

Auch bei höherer Gewalt wie Sturm, Streik oder Unfällen muss die Bahn diese Entschädigungen leisten. Das hatte der Europäische Gerichtshof (Urteil vom 26. September 2013, C-509/11) entschieden. Außerdem muss die Bahn ihren Passagieren bei Verspätungen von mehr als einer Stunde Speisen und Getränke anbieten.

Wichtig: Die Bahn haftet bei Verspätungen nicht für Folgeschäden. Wer also wegen einer verspäteten Zugfahrt seinen Flug verpasst, erhält dafür keine Entschädigung. Gerichte haben entschieden, dass Urlauber einen Zug wählen müssen, der mindestens drei Stunden vor Abflug am Flughafen ankommt (Amtsgericht Frankfurt, Urteil vom 20. Februar 2018, 32 C 1966/17).

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Tipps für den Verspätungsfall

Sollte Ihr Zug eine Verspätung von mehr als einer Stunde haben, sollten Sie sich vom Schaffner ein Fahrgastrechteformular aushändigen und die Verspätung bestätigen lassen. Alternativ können Sie nach der Ankunft auch zum Schalter am Bahnhof gehen. Dies macht es später einfacher, die Entschädigung schnell zu erhalten. Das Fahrgastrechteformular finden Sie auch online auf der Webseite der Deutschen Bahn. Sie können es downloaden, ausfüllen und per Post an das Fahrgastrechtecenter schicken oder an einem Bahnhofsschalter abgeben.

Tipps der Verbraucherzentrale, was zu bei Verspätungen zu tun ist, finden Sie hier.

Wochen- Monats- und Jahreskarten

Wer eine Zeitkarte im Fernverkehr hat, erhält bei Verspätungen pauschal eine Entschädigung in Höhe von fünf Euro, bzw. 7,50 Euro für Reisende der 1. Klasse. Bahnfahrer mit Bahncard 100 erhalten zehn, bzw. 15 Euro. Im Nahverkehr erhalten Bahnfahrer mit Zeitkarten in der 2. Klasse pauschal 1,50 Euro, in der 1. Klasse 2,25 Euro. Da die Bahn Entschädigungen erst ab einer Summe von vier Euro auszahlt, sollten Inhaber von Zeitkarten mehrere Verspätungen gesammelt einreichen.

Darf die Bahn Passagiere aus dem Zug werfen, obwohl sie ein gültiges Ticket haben?

Die Bahn darf, wenn der Zug überfüllt ist, Reisende aus dem Zug werfen, auch wenn diese ein gültiges Ticket haben. Dies muss sie tun, da Wagons ein Höchstgewicht haben, das nicht überschritten werden darf, und Notausstiege gesichert sein müssen. Wer einen Sitzplatz reserviert hat, ist sicherer, aber nicht gänzlich davor bewahrt. Es kann passieren, dass Sie für Schwangere, Eltern mit kleinen Kindern, Berhinderte, etc. Ihren Sitzplatz aufgeben müssen.

Unterschiedliche Urteile zu defekten Zugtoiletten

Sind Zugtoiletten kaputt und leiden Bahnfahrer dadurch Schmerzen oder machen sich in die Hose, haben sie nicht generell einen Anspruch auf Entschädigung. Das Landgericht Trier hat zuletzt entschieden, dass Reisende im Zweifelsfall aussteigen und den nächsten Zug nehmen müssen. Das Amtsgericht Frankfurt hatte hingegen einem Mann eine Entschädigung in Höhe von 400 Euro zugesprochen (Urteil vom 25. April 2002, 32 C 261/01).

Defekte Heizungen und Klimaanlagen

Auch bei kaputten Klimaanlagen oder Heizungen muss die Bahn dafür sorgen, dass ihre Reisenden keine gesundheitlichen Schäden davontragen. Fahrgäste, die unter der sengenden Hitze oder klirrenden Kälte leiden, sollten sich dies durch ein ärztliches Attest bestätigen lassen. Bisher gibt es dazu noch kein Urteil. Im Sommer 2018 zahlte die Bahn wegen defekter Klimaanlagen aber freiwillig eine Entschädigung in Höhe von 500 Euro pro Fahrgast.

Ticketautomat kaputt, was nun?

Ist der Ticketautomat defekt, so dürfen Bahnfahrer auch ohne Ticket fahren. Sie müssen aber nachweisen, dass der Automat tatsächlich defekt war. Fotos vom defekten Automaten oder Zeugen können hilfreich sein. Es kann sein, dass der Schaffner zunächst den erhöhten Ticketpreis von 60 Euro verlangt. Zahlen Sie möglichst nicht vor Ort, sondern warten Sie auf die Zahlungsaufforderung per Post und widersprechen Sie. Dann sollten Sie die Beweise vorlegen.

Wer sich zu Unrecht wegen Schwarzfahrens angeklagt sieht oder bei Entschädigungsforderungen nicht weiterkommt, kann sich an die Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr e.V. (SöP) wenden.

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Wer haftet bei Gepäckdiebstahl?

Der Reisende ist dazu verpflichtet, sein Gepäck gut zu bewachen, denn der Transport geht auf sein eigenes Risiko. Auch Gepäckversicherungen zahlen in der Regel nur dann, wenn man das Gepäck die ganze Zeit bei sich hatte. Gepäckstücke können auch mit einem Schloss gesichert werden.

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