Mittig liegt eine ganze Kokosnuss und eine aufgeschnitte Kokosnuss. Davor steht ein kleiner Glasbehälter mit festes Kokosöl und daneben liegt ein Löffel aus Holz, auf dem das Kokosöl zu schmilzen beginnt. (Foto: Adobe Stock)

Pflanzliche Öle

Kokosöl vs. Palmöl: Welches Öl ist nachhaltiger?

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ONLINEFASSUNG
Anna Macho
AUTOR/IN
Julia Müller

Palmöl hat einen schlechten Ruf, während Kokosöl als gesundes Superfood gilt. Welches der beiden Öle ist nachhaltiger? Oder sollten wir lieber zu Raps- und Sonnenblumenöl greifen? 

  1. Warum sind Kokosöl und Palmöl so beliebt?
  2. Bewusster Konsum von Öl ist am nachhaltigsten
  3. Ist Kokosöl umweltfreundlicher als Palmöl?
  4. So viel Platz nimmt der Anbau ein
  5. Schlechte Anbaubedingungen für Kleinbauern
  6. Kokosöl als gesundes Superfood: Was hat es mit dem Mythos auf sich? 

Warum sind Kokosöl und Palmöl so beliebt?

Der weltweite Verbrauch von Ölen und Fetten ist in den letzten Jahren stark gestiegen. Einerseits liegt das an der wachsenden Bevölkerung. Zum anderen am wachsenden Wohlstand. So hat sich der globale Verbrauch der acht wichtigsten Pflanzenöle, Soja-, Raps-, Sonnenblumen-, Kokos- und Palmöl, sowie Erdnuss-, Palmkern- und Baumwollsaat-Öl, innerhalb der letzten zwanzig Jahre mehr als verdoppelt. Inzwischen liegt der globale Bedarf bei 200 Millionen Tonnen Öl pro Jahr. Kokosöl macht dabei nur etwa ein Prozent der weltweiten Pflanzenölproduktion aus, Palmöl dagegen ein Drittel – also etwa 33-mal so viel! Palmöl ist damit das meistgenutzte Pflanzenöl weltweit.

Das liegt an den vielseitigen Eigenschaften von Palmöl. Es ist günstig, geschmacksneutral und schmilzt schnell. Bei Kosmetika hat es eine rückfettende und hautglättende Wirkung. Kokosöl wird ebenfalls oft in Kosmetika verwendet, ist aber auch beim Kochen und Backen beliebt. Es ist besonders hitzestabil und wird wegen seines Kokosnussgeschmacks gerne bei asiatischen Gerichten verwendet. Kokosöl und Palmöl oxidieren zudem langsam und sind deshalb auch geöffnet lange haltbar: Palmöl hält sich etwa ein Jahr, Kokosöl bis zu zwei Jahren.


Bewusster Konsum von Öl ist am nachhaltigsten

Aus Umweltgesichtspunkten ist es sinnvoll eher heimische Öle wie Raps- und Sonnenblumenöl zu verwenden. Allerdings sind Raps und Sonnenblumen auf der Anbaufläche nicht so ertragsreich wie Ölpalmen, aus denen Palmöl hergestellt wird. Es lohnt sich daher, genau auf den eigenen Konsum zu schauen und darauf zu achten, wofür und wieviel Öl man verbraucht. Lebensmittelverschwendung sollte man, so gut es geht, vermeiden. Denn: Wenn wir Palmöl in Produkten wie Schokolade, Fertiggerichten und Kosmetika bewusster konsumieren würden und die Industrie sie weniger einsetzt, könnten wir den Palmölverbrauch in Deutschland auf die Hälfte reduzieren.


Ist Kokosöl umweltfreundlicher als Palmöl?

"Beim Palmölanbau wird weitaus mehr hingeschaut. Zumindest in Deutschland ist Palmöl ein Öl, das einfach in aller Munde ist."

 
Palmöl wird als sehr umweltschädlich wahrgenommen. Das liegt auch daran, dass zum Palmölanbau bisher viel mehr Daten erhoben wurden als zum Kokosölanbau. In Folge des öffentlichen Drucks haben viele Unternehmen, beispielweise Speiseeishersteller, in ihren Produkten Palmöl durch Kokosöl ersetzt. Aber: Kokosöl ist nicht nachhaltiger als Palmöl und sollte Palmöl auch nicht vollständig ersetzen.

 
Denn: Kokosnusspalmen, aus denen Kokosöl hergestellt wird, verbrauchen weitaus mehr Anbaufläche als Ölpalmen, aus denen Palmöl gewonnen wird. Das liegt am Ertrag der beiden Palmarten. Der Ertrag der Ölpalme liegt mit durchschnittlich etwa 3,8 Tonnen Öl pro Hektar weit über dem der Kokosnusspalme mit 0,7 Tonnen Öl pro Hektar. Sprich: Man bräuchte mehr als fünfmal so viele Kokosnusspalmen wie Ölpalmen und damit auch fünfmal so viel Platz, um auf die gleiche Ölmenge zu kommen.


So viel Platz nimmt der Anbau ein

Weltweit wird die Kokosnusspalme auf ungefähr zwölf Millionen Hektar angebaut. Eine Fläche so groß wie ein Drittel Deutschlands. Die größten Produzenten von Kokosöl sind die Philippinen, Indien und Indonesien, gefolgt von Brasilien und Vietnam. Beim Palmöl sind es Indonesien und Malaysia, die den Großteil des Bedarfs decken. Ölpalmen werden weltweit auf 24 Millionen Hektar angebaut, also auf einer Fläche, die so groß ist wie 2/3 Deutschlands. Das Problem bei beiden Öle: Um die Palmenplantagen zu vergrößern, wird im tropischen Regenwald gerodet. Dadurch werden Treibhausgase freigesetzt, die zuvor in den Pflanzen und in der Erde gebunden waren. Zusätzlich zur Entwaldung bringen Düngemittel, Pestizideinsatz und der Anbau in Monokulturen die Artenvielfalt in Gefahr und bedrohen die Lebensräume vieler Tiere.  

Aus der Vogelperspektive sieht man eine Ölpalmen Plantage, in der sich die Palmen angebaut in einer Monokulur aneinanderreihen. Durch die Palmölplantage ziht sich ein Landwirtschaftlicher Weg. Die geringe Artenvielfalt ist schlecht für die Umwelt. Aus dem palmen wird Palmöl gewonnen. (Foto: Adobe Stock)


Schlechte Anbaubedingungen für Kleinbauern

Die sozialen Bedingungen der Bauern, die Kokosnusspalmen anbauen, verschlechtern sich. Eines der Hauptanbauländer sind die Philippinen. Dort leben 60 Prozent der Kleinbauern, die Kokosnusspalmen anbauen, unter der Armutsgrenze. Die Bauern besitzen meist nur kleine Anbauflächen mit alten Plantagen, aus deren Palmen sich nur noch wenig Öl gewinnen lässt. Dementsprechend verdienen sie nur wenig am Anbau und haben nicht genug Geld, um neues Saatgut oder neue Setzlinge zu kaufen. Außerdem wird Menschen immer wieder ihr Land weggenommen und auch Kinderarbeit ist ein Problem.

Die Probleme beim Anbau von Kokospalmen sind also die gleichen wie die beim Anbau von Ölpalmen: Schlechte soziale Bedingungen und Umweltzerstörung. Für Fachleute nicht überraschend, da in vielen Regionen sowohl Öl- als auch Kokospalmen angebaut werden.


Kokosöl als gesundes Superfood: Was hat es mit dem Mythos auf sich? 

"Maximal sollte man ungefähr 30 Prozent Fett am Tag aufnehmen, zehn Prozent davon wären gesättigte Fettsäuren. Umgerechnet auf Kokosöl wären das maximal zwei bis drei Esslöffel."

Kokosöl zählt zu den pflanzlichen Fetten und hat deshalb mit Blick auf die Gesundheit einen guten Ruf. Aber: Kokosöl enthält im Gegensatz zu anderen pflanzlichen Ölen viel mehr gesättigte Fettsäuren. Erkennen kann man das bei Ölen an der Beschaffenheit: Flüssige Fette bestehen aus vielen ungesättigten Fettsäuren. Feste Fette wiederum aus vielen gesättigten Fettsäuren. Und unter die fallen auch Kokosöl und Palmöl. 

Die Graphik zeigt einen Querschnitt durch eine Blutbahn. Ein Komplex aus gelben Cholersterinmolekülen und den blauen LDL-Transportproteinen hat sich an der Gefäßwand abgesetzt und verkleinert den Durchgang für die Blutkörperchen. Dadurch steigt das Risiko an einer Herzkreislaufkrankheit zu erkanken. (Foto: SWR)
Hier lagert sich das LDL-Transportprotein mit dem Cholesterin drin an den Blutgefäßen ab. Das kann das Risko von Herzkreislauferkrankungen erhöhen.

 
Das Problem mit den gesättigten Fettsäuren: Nehmen wir zu viele gesättigte Fettsäuren zu uns, wird mehr von dem schlechten LDL-Transportprotein im Körper produziert. Es ist dafür zuständig, dass das in der Leber produzierte Cholesterin im Körper zu verteilten. Ist zu viel LDL im Blut, lagert es sich zusammen mit dem Cholesterin an den Gefäßwänden ab und das Risiko für Herzkreislauferkrankungen steigt. Kokosöl sollte man daher nicht als Standard-Öl verwenden. Dafür eigenen sich Raps- und Sonnenblumenöl besser. Diese heimischen Öle enthalten viele ungesättigte Fettsäuren und sind besser für die Gesundheit.

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