Hyaluron-Säure in einer Spritze  (Foto: Adobe Stock/Yuliia)

Orthopädische Behandlung

Helfen Spritzen mit Hyaluronsäure bei Arthrose?

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Julia Schwenn
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Gesa Marx
Bild von Gesa Marx (Foto: G. Marx)

Bei stechenden oder langanhaltenden Schmerzen in den Gelenken soll Hyaluron helfen. Was bringt das gegen den Verschleiß?

Viele Menschen leiden an einer Arthrose, also an Gelenkverschleiß. Arthrosen können an verschiedenen Stellen am Körper auftreten, wie zum Beispiel im Knie, Finger oder auch in der Hüfte. Um Schmerzen zu lindern, verordnen viele Orthopäden zur Behandlung die klassischen Bausteine der Arthrose-Therapie: Gewicht verlieren, Ernährung umstellen und gelenkschonende Bewegung. Ergänzend ist eine Therapie mit Hyaluronsäure möglich.

Hilft Hyaluronsäure als Nahrungsergänzungsmittel bei Gelenkbeschwerden?

Eine Vielzahl an Patienten versucht, Gelenkprobleme mit Nahrungsergänzungsmitteln in den Griff zu kriegen. Für Gelenke gibt es sogar spezielle Nahrungsergänzungsmittel, die oft auch Hyaluronsäure enthalten. Doch für die Wirksamkeit gibt es keine Beweise:

"Hyaluronsäure ist praktisch im ganzen Körper vorhanden. Unser Körper kann sie auch selbst herstellen. Sie ist vornehmlich im Bindegewebe und sorgt dafür, dass Muskeln und Gelenke reibungslos gleiten können. Es gibt aber keinerlei Beweise dafür, dass diese Hyaluronsäure, die man schluckt, tatsächlich irgendwie wirkt und in die Gelenke kommt."

Gesundheitsberaterin Inge Hammerschmidt beim Interview, im Hintergrund sind Teilnehmende ihres Arthrose-Kochkurses zu sehen.  (Foto: SWR)
Inge Hammerschmidt ist Leiterin einer Arthrose-Selbsthilfe-Gruppe und Gesundheitsberaterin.

Hyaluronsäure-Spritze bei Arthrose

Damit die Hyaluronsäure dorthin gelangt, wo sie im Körper benötigt wird, bieten manche Orthopäden ihren Arthrose-Patienten an, Hyaluronsäure direkt in das betroffene Gelenk zu spritzen. Allerdings: Dies ist eine IGeL-Leistung, und somit müssen Patienten die Kosten von 200 bis 400 Euro für drei bis fünf Spritzen selbst tragen.

Professor und Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie Tobias Renkawitz rät dazu, Hyaluronsäure-Spritzen mit Bedacht einzusetzen. Denn je nach Stadium der Arthrose können solche Spritzen mehr oder weniger Beschwerden lindern.

Solche Injektionen können zudem allergische Reaktionen auslösen und Nebenwirkungen haben. Diese können in Form von kurzzeitigen Rötungen oder schmerzend als unangenehmes Gefühl auftreten, das 24 bis 48 Stunden anhalten kann. Und auch Infektionen sind nicht ausgeschlossen. Denn: Mit der Spritze können Bakterien von der Haut in das Gelenk verschleppt werden und dort eine Entzündung verursachen. Je häufiger man die Behandlung wiederholt, umso größer das Risiko.

Professor und Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie Tobias Renkawitz sitzend am Schreibtisch im Gespräch. (Foto: SWR)
Tobias Renkawitz, Spezialist für Orthopädische Chirurgie, weiß, wann sich der Einsatz von Hyaluronsäure-Spritzen ins Gelenk lohnen.

"So eine Spritze ins Gelenk macht Sinn in einer ganz frühen Phase, wenn die Arthrose noch nicht so weit fortgeschritten ist. Dann kann man es als einen der Bausteine der Arthrose-Therapie versuchsweise einsetzen, aber es ist kein Zaubermittel."

Klassische Behandlungsmethoden für Arthrose im frühen Stadium

Bei einer Arthrose im Frühstadium hilft oft schon die Entlastung der Gelenke durch Gewichtsreduktion und die Kräftigung der Muskulatur.

Um das Training zu erleichtern, können hierbei Injektionen mit Hyaluronsäure sinnvoll sein. Gerade für Patienten, die beispielsweise entzündungshemmende Medikamente schlecht vertragen, kann Hyaluronsäure in einer frühen Phase der Arthrose helfen, die Gelenkbeweglichkeit zu verbessern und so die Physiotherapie wirksam unterstützen.

Allerdings: Der Experte rät von sogenannten Hyaluronsäure-Kuren ab, bei denen Betroffene zwischen 10 bis 20 Spritzen erhalten. Denn bereits nach zwei bis vier Spritzen ist in der Regel ersichtlich, ob die Behandlung anschlägt. Zudem kann bereits eine gezielte Ernährung der Arthrose entgegenwirken.

Gelenkersatz und Hyaluron-Behandlung

Ist die Arthrose so weit fortgeschritten, dass nur ein Gelenkersatz hilft, muss sich der Patient nach einer Hyaluron-Spritzen-Therapie in Geduld üben. Damit Infektionen ausgeschlossenen werden können, ist bis zur Operation eine Übergangszeit von bis zu drei Monaten möglich. Währenddessen leiden viele Betroffene weiterhin unter der Arthrose.

Deshalb sollten sich Patienten in Anbetracht ihres Arthrose-Stadiums die Behandlung mit Hyaluron-Spritzen genau überlegen.  

"Wenn die Indikation zum künstlichen Knie oder Hüftgelenk gesetzt ist, sollte man keine [Hyaluron-]Spritze ins Gelenk durchführen, denn die Gefahr für eine Gelenkinfektion ist viel zu hoch. Wenn man dann Kunstgelenke einbaut und sich das Gelenk infiziert, hat man eine schwerwiegende Komplikation - und das sollte man vermeiden."

Tipps für die konservative Behandlung

Insgesamt gilt: Regelmäßige Bewegung und die richtigen Nahrungsmittel können Gelenkbeschwerden wie Arthrose vorbeugen und mildern. Im besten Fall braucht man dann weder eine Prothesen-OP noch Spritzen oder Nahrungsergänzungsmittel mit Hyaluron.

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