Brokkoli, Tomaten, Orange, Apfel, Karotte liegen auf einem Holzteller, daneben Ananas und Apfel. Hohe Cholesterinwerte sind ein Risikofaktor für Herzinfarkt und Schlaganfall - gefährlicher als HDL ist der LDL-Wert. (Foto: Colourbox, 56940209)

Gesundheitsrisiko

Cholesterin – wie viel ist zu viel und wie bekommt man es in den Griff?

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AUTOR/IN
Nina Rathfelder

Hohe Cholesterin-Werte sind ein großer Risikofaktor für Herzinfarkt und Schlaganfall. Viele von uns haben zu hohe Werte – insbesondere vom gefährlichen LDL-Cholesterin. Besonders problematisch ist, dass wir das nicht selbst erkennen können.

Inhaltsverzeichnis:

Was ist Cholesterin?

Cholesterin ist ein Lipid, also ein Fett, das in der Leber produziert wird. Es ist unter anderem Bestandteil der Zellmembran und spielt auch bei der Bildung von Hormonen eine Rolle. Damit das Cholesterin aus der Leber dorthin gelangt, wo es benötigt wird, braucht es Transportproteine, auch Lipoproteine genannt. Die bekanntesten sind LDL und HDL.

Das LDL ist das schädlichere Protein von beiden. Ist zu viel davon im Blut, können die Zellen es nicht mehr aufnehmen. Das Lipoprotein lagert sich deshalb an den Gefäßwänden ab und kann zu Verengungen der Arterien führen, der sogenannten Arteriosklerose. Durch diese Gefäßverengungen steigt das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall oder Thrombosen.

Computergrafik: In der Blutbahn angesammeltes Cholesterin verstopft das Blutgefäss, die Blutkörperchen können nicht mehr fließen (Foto: SWR, SWR-Grafik)
Cholesterin kann Blutgefäße verstopfen und erhöht das Herzinfarkt-Risiko. SWR-Grafik

Wie bemerke ich, ob ich betroffen bin?

Ohne medizinische Untersuchungen findet man erhöhte Cholesterinwerte nicht heraus. Denn hohe Werte sind nicht spürbar und verursachen beispielsweise auch keine Schmerzen. Oft merken Betroffene erst im Nachhinein, dass sie einen zu hohen Cholesterinspiegel im Blut haben - nach einem Schlaganfall oder Herzinfarkt. Äußerliche Hinweise - wie gefüllte Fettknötchen - sind eher selten. Zur Vorsorge sollten Männer ab 40 Jahren und Frauen ab 50 Jahren bei einem internistischen Check-up ihre Cholesterinwerte untersuchen lassen.

Durch ein Blutbild lässt sich feststellen, ob man zu hohe Cholesterin-Werte hat. Neben dem Blutbild bewertet der Mediziner weitere Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Übergewicht, Diabetes oder Rauchen. Mit einem Onlinerisikorechner kann das Risiko für ein kardiovaskuläres Ereignis beispielsweise für die nächsten zehn Jahre bestimmt werden. Ausschlaggebender Wert ist dabei das LDL-Cholesterin.

Bei Personen mit einem hohen errechneten Risiko können weitere Untersuchungen sinnvoll sein. So können mithilfe einer koronaren Computertomografie (CT) bereits bestehende Verengungen in den Blutgefäßen festgestellt werden. In Extremfällen können verengte Blutgefäße im Herzen, sogenannte Herzkranz-Gefäße, dann mit einem medizinischem Implantat, dem "Stent", offen gehalten werden.

Welche Cholesterinwerte sind normal?

Cholesterin wird in der Einheit Milligramm pro Deziliter gemessen. Ein Grenzwert von 116 ist nur ein erster Anhaltspunkt, jedoch müssen immer weitere persönliche Faktoren berücksichtigt werden.

Einen einheitlichen Grenzwert gibt es daher nicht, denn es spielen auch singuläre Werte und persönliche Krankheitsrisiken eine Rolle, wie etwa Diabetes, Bluthochdruck oder Rauchen. Deshalb müssen Cholesterin-Werte, ab denen es kritisch wird, für jeden Patienten spezifiziert werden.

Behandlung von zu hohen Cholesterinwerten

Betroffene können Cholesterinhemmer einnehmen, um den hohen LDL-Cholesterinspiegel zu senken. Das Ziel ist, die Gefäße der Patienten, gegebenenfalls auch die vorhandenen Bypässe, verkalkungsfrei zu halten.

Die häufigsten verwendeten Wirkstoffe sind Statine. Sie hemmen ein Enzym in der Leber, das für die Produktion von Cholesterin zuständig ist. Dadurch gelangt weniger LDL-Cholesterin in die Blutbahnen.

Die Leber bildet dadurch zudem mehr sogenannte LDL-Rezeptoren. Diese nehmen LDL-Cholesterin aus dem Blut in die Zelle auf. Die Folge: Der LDL-Spiegel im Blut sinkt und damit auch das Risiko der Zunahme von einer Verengung der Gefäße.

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Nebenwirkungen einer Statintherapie

Häufige Nebenwirkungen von Statinen sind Magen-Darm-Probleme, Kopfschmerzen, allergische Reaktionen und Muskelbeschwerden. Bei 10 bis 15 Prozent der Patientinnen und Patienten treten Muskelschmerzen und Krämpfe auf. Zu schweren Nebenwirkungen kommt es lediglich bei 0,1 Prozent der Betroffenen.

Alternativen zu Statinen

Wenn unterschiedliche Statine immer wieder zu Beschwerden führen, sollte sich der Arzt gemeinsam mit dem Patienten über Alternativen Gedanken machen. Wichtig ist dabei immer eine zusätzliche Veränderung des Lebensstils.

Außerdem gibt es unterschiedliche Medikamente, etwa solche, die das Cholesterin im Darm halten. Auch gibt es teure Alternativen wie die PCSK9-Inhibitoren und die siRNA, um das LDL zu senken.

Gibt es natürliche Cholesterinsenker?

Eine weitere Möglichkeit, über die viel gesprochen wird, ist roter, fermentierter Reis. Das Extrakt aus roter Reishefe enthält Monacolin-K und ähnelt dem Wirkstoff Lovastatin. Es ist somit eine natürliche Form eines Cholesterinsenkers. Diese rote Reishefe enthält jedoch auch andere Bestandteile, von denen wir nicht wissen, wie sie wirken und die erhebliche Nebenwirkungen verursachen können. Zudem kann sie verunreinigt sein und ist schwierig zu dosieren.

In den USA ist der Vertrieb bereits verboten, in der EU eingeschränkt. Deshalb ist es besser, ein Statin als Medikament einzunehmen, da seine Dosierung klar steuerbar ist und das Arzneimittel strengen Kontrollen unterliegt.

Roter fermentierter Reis in Schälchen aus Holz. Alternative als natürlicher Cholesterinsenker. (Foto: Colourbox, 8402334)
Roter, fermentierter Reis als natürlicher Cholesterinsenker 8402334

Senkt eine gesunde Ernährung den Cholesterinwert?

Cholesterin ist ein wichtiger Baustein für unsere Zellen. 80 bis 85 Prozent davon werden im Körper selbst hergestellt. Wenn wir bei unserer Ernährung komplett auf Cholesterin verzichten würden, könnten damit also maximal 15 bis 20 Prozent des Cholesterinwertes verringert werden. Eine kalorische Restriktion empfehlen Ärzte grundsätzlich, da diese positive Effekte auf das Herz-Kreislauf-System hat.

Außerdem kann eine mediterrane Ernährung hilfreich sein, um den Cholesterinwert zu senken. Nüsse, viel Obst, Gemüse und Fisch, dafür aber wenig Fleisch und Fett - eine gesunde und ausgewogene Ernährung kann helfen. Die Ernährung allein ist dennoch nicht ausschlaggebend für eine deutliche Senkung des Cholesterinwertes.

Positiver Effekt von Bewegung

Cholesterin ist ein Energieträger. Das heißt, es wird beim Sport vermehrt verbraucht und kann somit durch Bewegung gesenkt werden. Das ist für das Herz-Kreislauf-System und die Organe zudem hilfreich und gut, um Gewicht zu reduzieren.

Regelmäßige moderate Bewegung ist dabei entscheidend. Je nach Alter reichen auch schon Spaziergänge.

Erhöht Stress den Cholesterinspiegel im Blut?

Stress kann eine Vielzahl von schädlichen Erkrankungen hervorrufen wie beispielsweise Übergewicht oder Bluthochdruck. Das Lifestyle-Management ist deshalb ausschlaggebend: Es muss ein Lebensstil gefunden werden, der sich positiv auf die Gesundheit auswirkt.

Stress hat zwar keine direkte Auswirkung auf das Cholesterin, aber erhöht dennoch das Risiko für Herzkreislauferkrankungen.

Uneinigkeit bei der Einnahme von Cholesterinsenkern

Schätzungen zufolge nehmen etwa fünf Millionen Menschen in Deutschland Statine ein. Darunter auch Menschen, die zwar einen erhöhten LDL-Cholesterinspiegel haben, aber noch keinen Herzinfarkt oder Schlaganfall hatten. Selbst wenn sie keine Risikofaktoren wie Diabetes oder Bluthochdruck mitbringen oder rauchen, empfiehlt die Leitlinie der Europäischen Kardiologengesellschaft (ESC) die Einnahme von Statinen.

Die Leitlinie empfiehlt zudem eine Absenkung des LDL-Cholesterinspiegels auf feste Zielwerte. Diese wurden in den vergangen Jahren immer weiter gesenkt. Die niedrigen Zielwerte sorgen dafür, dass immer mehr Statine und andere Cholesterinsenker verschrieben werden - das kurbelt den Umsatz der Pharmaindustrie an. Kritik kommt unter anderem von Leitlinienwatch - einer Initiative, die die Unabhängigkeit von Autoren und Fachgesellschaften überprüft.

Es gibt also Uneinigkeit zwischen Medizinern, ab welchem Cholesterinwert und bei welchen Risikofaktoren man Medikamente an Patienten verschreibt, die noch keinen Herzinfarkt oder Schlaganfall hatten.

Eines ist sicher: Statine senken das Risiko von Schlaganfall und Herzinfarkt. Ob ihr Einsatz auch präventiv nötig und sinnvoll ist, sollten Arzt und Patient kritisch prüfen.

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