Person zahlt mit einem 50-Euro-Schein an der Kasser eines Supermarkts. Auf dem Kassenband liegt ein Salat und eine Lauchzwiebel, sowie weitere Produkte in der Unschräfe im Hintergrund. (Foto: Colourbox)

Krisenbedingt oder Herstellerkalkulation?

Steigende Preise im Supermarkt – sind sie gerechtfertigt?

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AUTOR/IN
Barbara Hirl
ONLINEFASSUNG
Leon Kerner

In diesem Jahr hat sich der Preis vieler Lebensmittel bereits zum dritten Mal erhöht. Doch sind die Preiserhöhungen überhaupt gerechtfertigt? Und was sind die Gründe dafür?

Seit Anfang dieses Jahres sind die Preise für Lebensmittel im Supermarkt signifikant angestiegen - im Mittel um etwa 31,5 Prozent. So sind Milch- und Getreideprodukte um knapp 40 Prozent im Preis gestiegen, Salz um 50 Prozent, Rapsöl gar um 400 Prozent.

Gestiegene Energie- und Rohstoffkosten

Hauptgrund für diese Preisexplosion ist der Krieg in der Ukraine. Einerseits sind die Rohstoffpreise deutlich angestiegen, beispielsweise von Getreide das großteils aus der Ukraine stammt. Anderseits haben die Sanktionen gegen Russland und die damit verbundene Drosselung der Gasliefermengen die Energiekosten deutlich in die Höhe getrieben - einige Energieversorger haben Preissteigerungen von bis zu 90 Prozent angekündigt.

Mitnahmeeffekt

Außerdem geben die Hersteller von Supermarktprodukten gestiegene Transportkosten, höhere Löhne und teurere Verpackungen als Gründe an. Doch nicht alle Preiserhöhungen seien unbedingt nachvollziehbar, so der Preisanalyst Sven Reuter. Vielmehr handele es sich bei manchen um einen "Mitnahmeeffekt" einiger Hersteller, die trotz wenig gestiegener Produktionskosten mitziehen und die Preise zum Teil unverhältnismäßig erhöhen.

Es gibt Drogerieartikel, wo man es nicht unbedingt nachvollziehen kann. Da sind z.B. Produkte wie eine Seife um 90% Prozent gestiegen. Das ist ganz klar ein Mitnahmeffekt.

Auf Nachfrage teilt der Hersteller der Nivea-Seife Beiersdorfer AG mit, man habe die Produktformel umgestellt. Die Preissteigerung käme also durch die bessere Produktqualität zustande und bilde außerdem die für die ganze Industrie gestiegenen Rohstoffkosten ab. Inwiefern die für das Produkt benötigten Rohstoffe teurer geworden sind, bleibt offen.

Supermärkte klagen über überproportionale Preiserhöhungen

Zuletzt verhandelten Hersteller und Händler erneut über Preise. Dabei klagen auch die Supermärkte über die hohen Preisvorstellungen der Hersteller. Die Einkaufschefs von Rewe und Edeka werfen Herstellern vor, sie würden die Teuerungswelle nutzen, um überproportionale Preiserhöhungen durchzusetzen und so satte Margen einzustecken.

Verhandlungsexperte René Schumann hält die Preissteigerungen für tatsächlich notwendig, weil die Kosten für Transport oder Energie wirklich gestiegen seien. Allerdings entsprächen wohl nicht alle Anstiege den tatsächlichen Preissteigerungen in der Produktion. Daher sei davon auszugehen, dass einige Hersteller die Krise tatsächlich nutzen, um ihre Margen zu optimieren.

Eigenmarken deutlich teurer geworden

Um den horrenden Preisvorstellungen der Hersteller zu entkommen, bauen einige Supermärkte nun verstärkt auf ihre Eigenmarken und erweitern das Sortiment. Obwohl die Preise für Eigenmarkenprodukte im Schnitt deutlicher gestiegen sind als die der Markenprodukte, kosten sie immer noch signifikant weniger.

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