Ältere Dame wird geimpft (Foto: Colourbox)

Corona, Grippe, Pneumokokken, Gürtelrose

Impfen - was jetzt im Herbst sinnvoll ist

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AUTOR/IN
Anne Wieland

Welche Imfpung ist jetzt im Herbst sinnvoll - eine 4. Corona-Impfung, eine Impfung gegen Grippe, Pneumokokken und/oder Gürtelrose? Dazu Hausärztin Dr. Manuela Auer-Rebmann.

Corona: Der neue Omikron angepasste Impfstoff ist da - wer soll sich damit impfen lassen?

  • Es gibt jetzt zwei neue Impfstoffe von Biontech BA.1 und den Kombinationsimpfstoff BA.4/5 und von Moderna ebenfalls BA.1. Diese Impfstoffe sind derzeit nur zur Auffrischung zugelassen.
  • Die Stiko empfiehlt diese als 3. Impfung für alle ab 12 Jahren mit einem neuen Impfstoff von Biontech, ab 30 Jahren kann auch der von Moderna verwendet werden.
  • Als 4. Impfung alle ab 60 Jahren oder Personen ab 12 Jahren mit erhöhtem Risiko für schwere Verläufe, Personal in medizinischen Einrichtungen und Pflegeeinrichtungen, Bewohner*innern in Einrichtungen der Pflege oder Personen in Einrichtungen der Eingliederungshilfe, sofern diese ein erhöhtes Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf haben. Hier sollte der angepasste Impfstoff verwendet werden, egal ob BA.1 oder BA.4/5.
  • Bei Kindern im Alter von 5-12, denen eine Auffrischung empfohlen wird, soll der "alte" Impfstoff verwendet werden - zu den neuen Impfstoffen liegen nur geringe Daten zur Verträglichkeit vor.

Wie gut schützt der Impfstoff, wenn sich das Covid-Virus weiterentwickelt?

Es kommt darauf an, wie stark sich das Virus verändern wird. Bisher geht man davon aus, dass die Impfstoffe vor einem schweren Verlauf sehr gut schützen.

Kommt dieses Jahr eine Grippewelle?

Letztes Jahr hatten wir durch die Maskenpflicht und Einschränkungen bei Veranstaltungen in Innenräumen eine geringe Grippewelle. Die Hygienemaßnahmen haben auch die Grippe ausgebremst.

Durch den weitestgehenden Wegfall der Maskenpflicht werden wieder vermehrt Aerosole, also Spucketröpfchen, ausgetauscht und der Grippevirus kann sich wieder leichter verbreiten. Wir merken in den Arztpraxen einen Anstieg von Erkältungskrankheiten.

Wem empfehlen Sie die Grippeimpfung?

  • Allen ab 60 Jahren
  • Patienten mit Vorerkrankungen (Asthma/COPD/KHK/Krebserkrankungen) und Patienten im Pflegeheim

Wie wirksam ist der neue Grippe-Impfstoff?

  • Der Impfstoff baut auf den Erfahrungen und den Veränderungen der einzelnen Subtypen des Vorjahres auf. Da die Erkrankungen gering waren, ist es schwieriger, den Impfstoff optimal anzupassen.
  • Im Impfstoff sind jedoch vier verschiedene Variationen (Subtypen) enthalten, die natürlich trotzdem das Immunsystem anschubsen und es auf den Grippevirus vorbereiten, so dass die Impfung vor schweren Verläufen schützen wird.
  • Auch in vergangenen Jahren konnte eine Grippeschutzimpfung nicht immer vor einer Ansteckung schützen, aber eben gut vor einem schweren Verlauf.
  • Außerdem haben wir natürlich keinen eigenen Schutz aufgebaut, da wir keinen Kontakt zum Grippevirus hatten, so dass die Impfung hilfreich ist.

Es gibt jetzt auch sogenannte Hoch-Dosis-Impfstoffe. Was heißt das?

Im Alter lässt das Immunsystem nach, daher ist in dem Hoch-Dosis Impfstoff die vierfache Menge des Wirkstoffes (des Antigens) enthalten.

Sind dann stärkere Nebenwirkungen nach der Grippe-Impfung zu erwarten?

Leider ja, die lokalen Reaktionen mit Rötung, Schwellung, Schmerzen sind etwas höher als beim anderen. Bei uns in der Praxis wurde der Impfstoff letztes Jahr trotzdem gut angenommen, wir haben die Patienten darüber aufgeklärt und dann war es kein Problem.

Kann man gegen Influenza und Corona gleichzeitig impfen?

Grundsätzlich ja - wir machen es nicht, da die Patienten doch immer wieder mit Nebenwirkungen reagieren und wir dann besser im nächsten Jahr beraten können und wir uns durch eine Nebenwirkung eines Impfstoffes nicht zwei Impfungen verbauen.

Wie groß sollte der Abstand zwischen der Corona- und Grippe-Impfung sein?

Wir empfehlen wenigstens 14 Tage.

Auch die Pneumokokken-Impfung ist empfohlen. Wie schaden die uns?

Diese Bakterien können Nasennebenhöhlenentzündungen, Ohrenentzündungen, aber auch Lungenentzündungen, Hirnhautentzündungen oder eine Sepsis auslösen. Eine Sepsis ist eine schwere Erkrankung, bei der wir die Bakterien im Blut finden und es zu sehr hohem Fieber mit Veränderungen im Blut kommen kann. Eine Sepsis kann lebensbedrohlich sein und immer versterben noch ein großer Teil der Erkrankten daran.

Sind Herbst und Winter die Hochzeit?

Pneumokokken kommen ganzjährig vor.

Wer sollte geimpft sein?

  • Personen ab 60 Jahren
  • Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit angeborenem oder erworbenem Immundefekt, Herzkreislauferkrankungen oder Zuckererkrankungen oder auch Patienten mit einem Cochlea-Implantat
  • Säuglinge, die werden jedoch mit einem anderen Impfstoff geimpft

Muss man die Pneumokokken-Impfung auch jährlich auffrischen?

Nein, zunächst reicht eine Impfung. Bei besonderen Personengruppen wird öfter geimpft.

Kann man gegen Grippe Pneumokokken kombiniert impfen?

Es gibt bisher keinen Kombinationsimpfstoff. Man kann grundsätzlich gleichzeitig impfen, aber wir trennen auch diese beiden Impfstoffe lieber.

Für Personen ab 60 Jahren wird Werbung für die Gürtelroseimpfung gemacht. Warum ist diese plötzlich so wichtig?

  • Gürtelrose kann jeder bekommen, der in der Vergangenheit Windpocken hatte.
  • Das Virus (Varizella-Zoster) verbleibt nach dem Durchmachen von Windpocken im Körper und tritt dann wieder in Erscheinung, wenn das Immunsystem geschwächt ist. Das Immunsystem lässt im Alter nach, so dass es im höheren Alter häufiger zur Gürtelrose kommen kann.
  • Die Gürtelrose kann überall am Körper auftreten und ist sehr schmerzhaft. Die Schmerzen können bleiben, auch wenn der bläschenartige Ausschlag wieder weg ist. Die Schmerzen beeinträchtigen natürlich die Lebensqualität.
  • Die Impfung schützt vor einem Auftreten der Gürtelrose (92%) und zusätzlich auch vor den Schmerzen (82%), falls trotz Impfung doch eine Gürtelrose entstanden ist.
  • Nebenwirkungen können Schmerzen und Abgeschlagenheit für 2-3 Tage sein, manchmal tritt auch ein bläschenartiger Ausschlag auf.

Betroffene berichten, dass nach einer Corona-Impfung Gürtelrose ausgebrochen ist. Gibt es da tatsächlich einen Zusammenhang?

Ein Zusammenhang der beiden Erkrankungen gibt es insofern, dass das Covid-Virus das Immunsystem beschäftig und das Gürtelrosevirus die Chance nutzt, aus seinem Versteck kommt und die Gürtelrose auslösen kann. Es kann also auch bei anderen Erkrankungen zu einem Ausbruch der Gürtelrose kommen.

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