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Im Herbst beginnt die Grippesaison. Impfungen werden empfohlen - aber für wen eigentlich? Und warum ist eine Grippeimpfung in diesem Jahr mit Blick auf Corona besonders sinnvoll?

Inhaltsverzeichnis:

Corona und Grippe: Ein riskantes Doppel

In diesem Jahr wird die saisonale Grippeschutzimpfung von Experten besonders empfohlen. Das hat mehrere Gründe. Durch die Corona-Pandemie wird das Gesundheitssystem bereits strapaziert, durch eine Grippewelle würde es zu einer Doppelbelastung kommen, die die Kapazitäten des Systems überlasten könnte. Deshalb wird versucht, diesem Szenario durch Grippeschutzimpfungen entgegen zu wirken. Außerdem haben Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie herausgefunden, dass die Grippe die Übertragungsrate von Corona um das 2,5-fache erhöhen kann. Aus diesem Grund ist es ebenfalls sehr wichtig, die Grippefallzahlen in diesem Jahr möglichst gering zu halten, um eine verstärkte Ausbreitung des Corona-Virus zu verhindern.

Wie funktioniert eine Grippeimpfung?

Der Wirkstoff der Grippeimpfung ist ein sogenannter Totimpfstoff, der inaktive Vieren enthält. Seit 2018 wird bei allen Impfungen ein Vierfach-Impfstoff verwendet. Da sich der Erreger jede Saison ein wenig verändert, kann ein vollständiger Schutz nicht garantiert werde. Trotzdem kann die Impfung auch im Fall einer doch auftretenden Infektion helfen, da sie in der Regel für einen leichteren Verlauf sorgt.

Wann sollte ich mich impfen lassen?

Die jährliche Grippewelle beginnt in Deutschland meist im Neuen Jahr. Laut dem Robert Koch Institut liegt der ideale Impfzeitpunkt aber schon in den Monaten Oktober und November. Da es nach der Impfung bis zu 14 Tage dauert, bis der Impfschutz seine volle Wirkung entfaltet, ist es wichtig, ausreichend früh zu impfen. Falls dieser Zeitpunkt verpasst wurde, kann die Impfung aber nachgeholt werden. Sie ist auch noch im Dezember oder sogar zu Beginn der Grippewelle noch sinnvoll, da nicht vorhersehbar ist, wie lange die Grippewelle anhält und man dann zumindest den restlichen Zeitraum über geschützt ist.

Wer sollte sich impfen lassen?

Grundsätzlich kann jeder von der Grippeschutzimpfung profitieren. Das Gesundheitsministerium hat in diesem Jahr 26 Millionen Impfdosen bestellt, das heißt, mehr als jeder Vierte hierzulande kann sich impfen lassen. Für alle reicht der Impfstoff jedoch nicht. Deshalb sollten Personen, die ein höheres Risiko haben schwer zu erkranken, priorisiert werden. Gesetzlich verankert ist diese Empfehlung aber nicht. Abseits dieser Risikogruppe wird die Impfung ebenfalls besonders für Menschen mit viel Personenkontakt, also für Personen in Pflegeberufen, Verkaufspersonal, Lehrer und Erzieher empfohlen, aber auch für Personen, die regelmäßig öffentliche Verkehrsmittel nutzen.

Wer gehört zu der Risikogruppe?

Die Ständige Impfkommission empfiehlt die Impfung allen Personen, die ein erhöhtes Risiko haben, besonders schwer an Grippe zu erkranken. Zu dieser Gruppe gehören:

  • Personen jenseits von 60 Jahren
  • Schwangere ab der 14. Schwangerschaftswoche
  • Personen, die unter chronischen Erkrankungen wie Herz-, Leber oder Nierenerkrankungen, hohem Blutdruck, Diabetes, Lungenkrankheiten oder Immunschwäche leiden

Was muss ich beachten?

Die saisonale Grippeimpfung ist normalerweise gut verträglich. Es kann zu leichten Nebenwirkungen wie lokalen Rötungen und Schwellungen der Impfstelle kommen. Außerdem treten gelegentlich leichte Erkältungssymptome, wie Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen auf. Diese Beschwerden klingen für gewöhnlich nach ein bis zwei Tagen wieder ab.

Da im Herstellungsprozess von Influenzaimpfstoffen Hühnereier eine Rolle spielen, ist es wichtig, dass Personen, die unter einer Hühnereiweiß-Allergie leiden, mit einem speziell für Allergiker geeigneten Impfstoff behandelt werden. Dies gilt aber nur für besonders schwerwiegende Ausprägungen der Allergie. Patienten, die lediglich mit leichten Symptomen auf Hühnereiweiß reagieren, können auch mit den herkömmlichen Impfstoffen behandelt werden.

Wie wichtig ist die Impfung gegen Pneumokokken?

Pneumokokken sind Bakterien, die sich im Nasenrachenraum ansiedeln. Sie können zu Erkrankungen der Atemwege, Lungen- und Hirnhautentzündungen führen. Besonders gefährdet sind Säuglinge und Kleinkinder, Menschen ab 60 Jahren und Personen mit Vorerkrankungen. Da es im Rahmen einer Grippeerkrankung häufig zu einer Sekundärinfektion mit Pneumokokken kommt, sollten Personen, die zu beiden Risikogruppen gehören auch Impfungen erhalten. So kann verhindert werden, dass es zu einer doppelten Infektion kommt. Falls keine Impfungen vorgenommen werden, könnten es im Falle einer Corona-Erkrankung zu weiteren Infektionen mit Influenzaviren und Pneumokokken kommen, was für den Körper eine enorme Belastung darstellt.

Wo kann ich mich impfen lassen?

Die Grippeimpfung kann beim Hausarzt durchgeführt werden. Trotzdem sollte man sich dort rechtzeitig vorher erkundigen und eventuell auf die Warteliste für Grippeimpfungen setzen lassen, sofern es eine gibt. Privatversicherte Patienten müssen außerdem beachten, dass sie den Impfstoff selbst in der Apotheke besorgen müssen. Hier kann es ebenfalls zu Wartezeiten kommen. Manche Arbeitgeber bieten den Mitarbeitern auch eine Impfung durch den Betriebsarzt an. In diesem Fall ist es ebenfalls wichtig, sich rechtzeitig dafür anzumelden.

Wer zahlt die Impfung?

Die Regelungen bezüglich der Kostenübernahme unterscheiden sich je nach Bundesland. In Baden-Württemberg übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen für alle Versicherten die Kosten. In anderen Ländern kommt es auf die jeweilige Krankenkasse an. Immer übernommen werden die Impfkosten für Personen, die der Risikogruppe angehören oder die ein erhöhtes berufsbedingtes Risiko aufweisen.

Grippeimpfung in Zeiten von Corona

Eine Grippeimpfung kann helfen, das Gesundheitssystem zu entlasten und vor doppelten Infektionen schützen. Momentan muss bei jeder Erkältung und jedem Grippesymptom mit einer etwaigen Corona-Infektion gerechnet werden. Umso besser ist es, wenn diese Fälle möglichst gering bleiben und nicht für weitere Unsicherheiten sorgen. Deshalb ist es ratsam, alle derzeit verfügbaren Optionen zu nutzen. Trotzdem muss nicht jede triefende Nase eine Grippeinfektion sein. Auffällig an Grippeinfektionen ist, dass das Krankheitsgefühl sehr plötzlich auftritt, während eine Erkältung oder auch das Corona-Virus sich meist mit immer stärker werdenden Symptomen ankündigen.

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