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Im Herbst locken uns wilde Früchte raus in die Landschaft: Es ist Erntezeit! Was es in der Natur zu entdecken gibt, erfahren Sie von Gärtnerin und Biologin Martina Gräßer.

Kornelkirsche (Foto: © Colourbox.com -)
Kornelkirsche © Colourbox.com -

Die Kornelkirsche (Cornus mas) zählt zur Familie der Hartriegelgewächse und ist somit nicht verwandt mit den Kirschen aus der Familie der Rosengewächse. Der Strauch hat viele Funktionen: Pollen- und Nektarspender im zeitigen Frühjahr, Früchte zu Herbstbeginn, Nutzholz und Bodenbefestiger in Hanglagen. Für den Anbau im eigenen Garten gibt es neben der Wildform Züchtungen mit größeren Früchten. Auch Anfänger kommen mit der anspruchslosen Kornelkirsche zurecht, sie benötigt weder Dünger noch Pflanzenschutzmittel.

Vogelbeere (Foto: Colourbox, Foto: Colourbox.de -)
Foto: Colourbox.de -

Die Eberesche oder Vogelbeere (Sorbus aucuparia) kann bis zu 15 Meter Höhe erreichen. Das natürliche Verbreitungsgebiet erstreckt sich auf fast ganz Europa und die Kaukasus-Region, wobei sie zu den Gehölzen gehört, die bei uns relativ häufig in Anlagen und Parks angepflanzt werden. Die orangeroten Früchte enthalten im rohen Zustand viel Parasorbinsäure, die beim Kochen in für Menschen gut verträgliche Sorbinsäure gewandelt wird. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts fand man in Mähren eine Eberesche, deren Früchte fast frei von Bitterstoffen war, weshalb Menschen und Vögel diese Süße bzw. Mährische Eberesche (Sorbus aucuparia var. edulis) besonders schätzen. Inzwischen bemühten sich Obstzüchter weitere bitterstofffreie, großfruchtige und ertragreiche Sorten auszulesen. Da diese Sorten veredelt sind, bleiben sie niedriger und die Früchte sind somit leichter zu ernten. Die Mährische Eberesche ist selbstfruchtbar und enthält neben Vitamin C auch reichlich Carotine. Sie reifen, je nach Höhenlage, ab August.

Die Früchte des Weißdorns (Crataegus) hängen jetzt leuchtend rot in den stachelig bedornten Sträuchern. Sie sind leicht von Hand zu pflücken, nur die spitzen bis zu 3 cm langen Dornen wird man nicht so schnell vergessen. Weißdorn gehört in die Familie der Rosengewächse! Das Fruchtfleisch ist mehlig und schmeckt roh kaum süß. Man kocht sie mit Wasser oder Apfelsaft zu Mus und gewinnt durch Passieren ein leckeres Püree ohne Kerne. Aufgrund des hohen Pektingehaltes dient es als Gelierhilfe für pektinarme Früchte, wie Brombeere, Himbeere und Holunder. Das Püree eignet sich auch zum Backen von Brot, Kuchen und Pfannkuchen. Die Früchte enthalten verschiedenen Flavonoide, die Blätter jedoch viel mehr. Weißdornpräparate aus Blättern und Blüten sind von der Schulmedizin als Phytotherapeutika anerkannt. Früchtetees mit getrockneten Früchten ergänzen! Der Weißdorn ist einer unserer schönsten Sträucher in Wildhecken und während der Blüte im Frühjahr von weiten als weiße Blütenwolke zu erkennen. Er ist ideal für den Nistbau und bei einigen Vögeln sehr beliebt. Außer den europäischen Wildformen gibt es einige asiatische Weißdornarten als Zierpflanze in Parks und Gärten.

Gewöhnlicher Schneeball (Viburnum opulus) galt bisher als schwach giftig und die roten Früchte wurden nicht verzehrt. Dabei verhält es sich wie bei der Vogelbeere und dem Schwarzen Holunder: roh sind Beeren nicht für den Verzehr geeignet, das gekochte Fruchtmus ist jedoch bekömmlich und enthält wichtige Inhaltsstoffe für eine gesunde Ernährung.

Am Waldrand, in Ufernähe und in Parks leuchten uns jetzt die roten Früchte entgegen. Ist der Winter arm an Frost, hängt der Fruchtschmuck bis ins Frühjahr an den Zweigen.

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