Ein Wasserstrahl läuft in Wasser. (Foto: IMAGO, Imago)

Trinkwasser - sorgenfreier Genuss

So sauber und nachhaltig ist unser Leitungswasser wirklich

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Unser Trinkwasser ist gut und günstig, wenn es aus der Leitung kommt. Damit es so bleibt, sind immer mehr Anstrengungen nötig. Denn unser Grundwasser schwindet und verdreckt.

Leitungswasser ist hygienisch einwandfrei und günstig. Noch! Denn schon jetzt ist mehr als ein Drittel unseres Grundwassers nicht mehr sauber. Und die Reserven werden geringer. Diese Probleme sollte doch ein wasserreiches Land wie Deutschland gar nicht haben. Es wird also höchste Zeit, dass wir mit dem Wasser, das uns zur Verfügung steht, endlich sorgsamer umgehen. Schließlich wollen nicht nur wir, sondern auch unsere Kinder in Zukunft einfach den Wasserhahn aufdrehen können und trinken, was da raus kommt.

Ein altes, aus Sandstein gebautes Wasserhäuschen  (Foto: SWR, Sabine Schütze)
Dieser Wasserbehälter in Rheinhessen ist schon lange nicht mehr in Betrieb. Sabine Schütze

Trinkwasser - so entsteht es

In Deutschland gibt es mehr als 5.800 Wasserversorger. Sie bereiten das sogenannte Rohwasser auf, so dass es bei uns zuhause klar und sauber aus dem Hahn läuft und wir es unbesorgt trinken können. Das Rohwasser wird hierzulande zu 70 Prozent aus Grund- und Quellwasser gewonnen. Das restliche Wasser stammt hauptsächlich aus Uferfiltrat, See- und Talsperren.

In großen Versorgungsgebieten wird Rohwasser zur Trinkwasseraufbereitung oft aus verschiedenen Quellen vermischt. Das passiert beispielsweise, wenn ein Brunnen Wasser fördert, das aufgrund der landwirtschaftlichen Nutzung der Umgebung hoch mit Nitrat belastet ist. Durch Mischen mit nitratfreiem bzw. nitratarmem Wasser kann die Belastung verdünnt werden, so dass es in diesem Punkt den Vorgaben der Trinkwasserverordnung entspricht.

Die Trinkwasserverordnung legt fest, wie das Wasser beschaffen sein muss. Für mehr als 50 Stoffe gibt es entsprechende Grenzwerte - von Aluminium über Bakterien, Radon bis hin zu einem Gas wie Vinylchlorid. Die Wasserversorger müssen dafür sorgen, dass das Trinkwasser, das sie liefern, den Vorgaben entspricht. Werden dennoch Grenzwerte überschritten, muss die Bevölkerung informiert werden.

Die Qualität des Trinkwassers wird vom Wasserversorger regelmäßig, je nach Abnahmemenge sogar täglich, untersucht. Dazu werden Proben an unterschiedlichen Stellen entnommen. Um die erforderliche Trinkwasserqualität sicherzustellen, bereiten die Wasserversorger das Rohwasser entsprechend auf. Mit welchen Maßnahmen das möglich ist, steht ebenfalls in der Trinkwasserverordnung.

Eine Nahaufnahme von einem Tropfen Wasser über einer Wasseroberfläche (Foto: IMAGO, imago)
Trinkwasser hat durchweg eine sehr gute Qualität imago

Leitungswasser - so sauber ist es

Trinkwasser ist überall in Deutschland sorgenfrei trinkbar: Es wird deutlich öfter kontrolliert als Mineralwasser - teilweise täglich - und nach mehr Parametern als Mineralwasser. Das heißt, es unterliegt also auch strengeren Vorgaben. Außerdem gibt es Leitungswasser, das mehr Mineralstoffe enthält als viele Mineralwasser.

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Die Ergebnisse der Trinkwasserüberwachung zeigen, dass in über 99 Prozent der Untersuchungen die mikrobiologischen und chemischen Vorgaben eingehalten werden. Wird eine Grenzwertüberschreitung festgestellt, bedeutet das nicht automatisch eine Gesundheitsgefährdung. Nur wenn die nach Einschätzung des Gesundheitsamtes vorliegt, wird die Bevölkerung informiert. Ansonsten kümmert sich der Wasserversorger quasi im Stillen zügig um die Ursachenbeseitigung.

Wasser fließt aus einem Wasserhahn in ein Glas.  (Foto: IMAGO, imago)
Wasser ist das meist kontrollierte Lebensmittel überhaupt. imago

Trinkwasser ist nicht gleich Grundwasser. Aber je schlechter die Grundwasserqualität, desto mehr Aufwand muss der Wasserversorger betreiben, um eine sichere Trinkwasserqualität zu erreichen. Mehr als ein Drittel unseres Grundwassers ist in einem schlechten chemischen Zustand. Hauptursachen sind diffuse Belastungen durch Nitrat und Pflanzenschutzmittel aus der Landwirtschaft.

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Nitrat - so belastet ist unser Trinkwasser

Für Trinkwasser gelten 50 mg Nitrat je Liter als Grenzwert. Damit schützt die Trinkwasserverordnung auch besonders empfindliche Gruppen wie Säuglinge. Denn Babys, die jünger als sechs Monate sind, reagieren empfindlicher auf Nitrat, eigentlich auf das daraus abgebaute Nitrit. Sie können die sogenannte Säuglings-Blausucht, eine Zyanose, bekommen. Das ist ein erschwerter Sauerstofftransport im Blut mit Atemnot, blauen Lippen und blauer Haut. Erst ab dem sechsten Lebensmonat ist die Toleranz gegenüber Nitrat größer. Deswegen soll auch dann erst mit dem Zufüttern bzw. Selbstkochen begonnen werden. Denn auch im Gemüse, hauptsächlich im Wintergemüse, ist natürlicherweise Nitrat. Eine weitere Aufnahmequelle also.

Auch jüngste Säuglinge sind erst gefährdet, wenn der Grenzwert für Nitrat im Trinkwasser überschritten ist. Außerdem zeigen Studien, dass eine echte Gefährdung nur dann vorliegt, wenn der Säugling gleichzeitig eine bakterielle Infektion hat. Im Klartext: Das Umweltbundesamt hält auch Säuglinge bis zum sechsten Lebensmonat für nicht gefährdet, wenn ihr Fläschchen mit Trinkwasser zubereitet wird, das den Nitrat-Grenzwert einhält. Wer es genau wissen will, fragt bei seinem Wasserwerk nach. Meist stehen die Analysedaten sowieso online. Und wer besonders sicher gehen will, stillt die ersten sechs Monate oder kauft nitratarmes Wasser für die Milchflasche. Das enthält maximal 10 mg Nitrat pro Liter. Und es berücksichtigt auch einen niedrigen Natriumwert von maximal 20 mg.

Für ältere Kinder und Erwachsene ist Nitrat übrigens kein gesundheitliches Problem, eher im Gegenteil. Es kann die Durchblutung fördern.

ein verkalkter Duschkopf von unten (Foto: IMAGO, imago)
Hartes Wasser sorgt für verkalkte Badarmaturen. imago

Trinkwasser - zwischen weich und hart

Weiches Wasser schmeckt manchen Menschen besser als hartes. Andere wiederum stehen auf den ausgeprägteren Geschmack des harten Wassers - reine Geschmackssache.

  • Weiches Wasser: 0 bis 7 Grad deutscher Härte (dH), Härtebereich I
  • Mittelweiches Wasser: 8 bis 13 Grad dH, Härtebereich II
  • Hartes Wasser: 14 bis 21 Grad dH, Härtebereich III

Regenwasser ist von Natur aus weich. Während es durch den Boden versickert, nimmt es je nach Region verschiedene und unterschiedlich viele Mineralien auf, wird so zu hartem Wasser. Es entsteht, indem Calcium und Magnesium sich mit dem im Wasser gelösten Kohlendioxid verbinden. Je härter also das Wasser, desto mehr Calcium und Magnesium ist drin. Beides kann unser Körper gut gebrauchen und aus Wasser auch gut aufnehmen. Die Mineralstoffe im Trinkwasser können allerdings nicht unseren Mineralstoffbedarf decken. Das schaffen auch viele Mineralwässer nicht. Unser Essen hat dafür alles, was wir brauchen.

Hartes Wasser lässt Kaffee und Tee anders schmecken. Wer das nicht mag, kann mit einem Tischfilter für weicheres Wasser sorgen. Damit der aber das Wasser nicht verkeimt, muss er regelmäßig gewechselt werden.

Wasserenthärtungsanlagen fürs Haus sorgen zwar dafür, dass sich an den Armaturen in Bad und Küche weniger Kalkflecken bilden und die Leitungen nicht verkalken. Das so enthärtete Wasser enthält aber meist mehr Natrium als Rückstand vom Enthärtungssalz. Das Wasser schmeckt deshalb nicht gut. Und auch wenn es angenehm ist, dass bei weichem Wasser weniger Seife und Waschmittel benötigt wird, so ist es dennoch nicht nötig, das Trinkwasser zu behandeln. Denn eigentlich können wir es genau so genießen, wie es aus dem Wasserhahn kommt.

Leitungswasser und Mineralwasser - die Ökobilanz

Dazu kommt noch, dass unser Leitungswasser wesentlich nachhaltiger und umweltschonender ist als Mineralwasser. Das hat nämlich, unter anderem wegen der Reinigung der Flaschen und der oft langen Transportwege, eine um mehr als das 500-fach höhere CO2-Bilanz und keine bessere Qualität.

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