Restless-Legs-Syndrom – was kann Betroffenen helfen?

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Vor allem abends und nachts haben Betroffene einen Bewegungsdrang, Kribbeln und Schmerzen in den Beinen. Was kann man tun beim Restless-Legs-Syndrom?

Was ist das Restless Legs-Syndrom?

Unnatürlicher Bewegungsdrang, Kribbeln und Schmerzen in den Beinen - etwa acht Millionen Menschen leiden in Deutschland am sogenannten Restless-Legs-Syndrom (RLS). Dabei handelt es sich um eine chronische Erkrankung des Nervensystems, bei der es zu Bewegungsunruhe und Missempfindungen in den Beinen kommt, vorwiegend abends und nachts.

“Es fing langsam an mit einem Kribbeln, mit dem Stechen, mit einem Ziehen und dann die letzte Situation der Schmerzen war gewesen, dass ich wirklich dachte, mir zieht jemand die Knochen aus dem Körper raus. Das ist wie eine Folter.” Andreas Dürrstein, Betroffener

Wenn es losgeht und die Beine anfangen zu schmerzen und zu ziehen, hilft Betroffenen oft nur eins: ständig in Bewegung bleiben.

Ursachen des Restless-Legs-Syndroms

Die Ursachen für RLS sind bislang zwar ungeklärt, doch drei Faktoren spielen häufig eine Rolle.

  1. Genetische Veranlagung: Bei mehr als der Hälfte der Patienten ist in der Familie bereits ein Fall von RLS bekannt. Sechs Gene stehen im Verdacht, das RLS-Risiko zu erhöhen.
  2. Eisenmangel: Studien zeigen einen erniedrigten Eisenanteil bei den Erkrankten. Man geht von einer Eisenregulationsstörung aus.
  3. Dopamin: Vermutlich spielt eine Störung im Dopamin-Haushalt eine Rolle.

Doch oft tritt das RLS auch ganz ohne Ursache auf, als "isoliertes RLS".

Wichtig zu wissen: Personen, die von Diabetes, Polyneuropathie (eine Nervenschädigung in den Füßen), Niereninsuffizienz, Parkinson oder Multipler Sklerose betroffen sind, haben ein erhöhtes Risiko, RLS-Beschwerden zu entwickeln.

Tritt RLS mit einer weiteren Krankheit auf, spricht man von einem komorbiden RLS, "was wir genauso diagnostizieren und behandeln wie das isolierte RLS. Aber wir berücksichtigen auch diese Komorbiditäten und versuchen, durch Beeinflussung der entsprechenden Begleiterkrankungen auch die RLS-Beschwerden zu lindern”, so Neurologe Dr. Christian Dresel.

Als wichtige Komorbitäten bei RLS gelten Eisenmangel, Urämie und Lebererkrankungen, Angststörungen, Depression und Demenz sowie Polyneuropathie.

Was tun beim Restless Legs-Syndrom?

Viele Betroffene bekommen unterschiedlichste Tabletten verschrieben, die jedoch nicht immer helfen. Laut Neurologe Dr. Christian Dresel kommen viele RLS-Patienten dabei auch an den Punkt, dass sie bei stärkeren Beschwerden eine höhere Dosis der Medikamente einnehmen. Jedoch führe das beim RLS in vielen Fällen dazu, dass die Medikamente mit der Zeit nicht mehr so gut anschlagen und die Beschwerden früher am Tag auftreten.

Eine medikamentöse Therapie des RLS sollte daher so spät wie möglich erfolgen und abhängig von der Beeinträchtigung der Lebensqualität. Bei leichten RLS-Beschwerden und Eisenmangel empfiehlt die ärztliche Leitlinie eine Eisenzufuhr. Mangelt es an Dopamin, können Dopaminagonisten - also Medikamente, die wie Dopamin wirken - eingesetzt werden. In besonders schweren Fällen werden auch Opiate gegeben.

Außerdem empfiehlt Dresel seinen Patienten eine gewisse körperliche Aktivität tagsüber, um den Schlaf zu verbessern. "Und wenn sie sagen, dass es das RLS nicht unbedingt verbessert oder sogar verschlechtert, dann würde ich darauf achten, dass sie die körperliche Bewegung möglichst früh am Tage machen." Auch der ärztlichen Leitlinie zufolge helfen Bewegungstraining wie Fahrradfahren oder Yoga sowie Gleichstromstimulation mit Elektroden oder Infrarot-Therapie. Ob Akupunktur oder Therapien in der Kältekammer helfen, ist noch nicht klar. Die Deutsche Restless Legs Vereinigung empfiehlt, die Entscheidung für eine komplementäre Therapie vorab mit dem behandelnden Arzt zu besprechen.

Der Neurologe Christian Dresel rät den Betroffenen außerdem, auszuprobieren, was ihnen guttut. Darüber hinaus sei ein gesunder Lebensstil mit gesunder Ernährung und weitgehendem Verzicht auf Kaffee, Alkohol und Nikotin hilfreich.

Kann RLS geheilt werden?

Dem Betroffenen Andreas Dürrstein helfen zum Beispiel Gartenarbeit und Wechselbäder, allerdings ist die positive Wirkung schnell verflogen: “Das hilft alles 15 Minuten.”

Eine Heilung des Restless-Legs-Syndroms ist noch nicht möglich. Mit den richtigen medikamentösen und therapeutischen Maßnahmen lassen sich die Beschwerden aber oft gut lindern.

Experte:

Neurologe PD Dr. med. Christian Dresel, Universitätsmedizin Mainz

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SWR Fernsehen