Folge 1021

Kambodschas Bambusbahn – Unterwegs zwischen Reisfeldern

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AUTOR/IN
Carmen Butta

Seit mehreren Jahrzehnten verbindet die Bambusbahn die entlegenen Reisfelder Kambodschas miteinander - für viele Bauern ist sie das einzige Transportmittel.

Jede Draisine ist eine Miniaturbühne des Alltags: Auf der dreieinhalb mal zwei Meter großen Bambusfläche drängen sich Bauern, Schulkinder und Mönche, gackernde Hühner, Kühe, Säcke mit Reis. Mit bis zu 50 Stundenkilometern rattert die Bambusbahn, kurz Norry genannt, über geflickte Gleise und knarrende Holzbrücken, vorbei an Pfahlbauten, Tempeln und Reisfeldern. „Diese Trasse ist wie unser Land“, meint Draisinenführer Ly Tith, „geschunden, fast vergessen, aber unzerstörbar.“

Zehn Jahre schon lenkt Tith Ly seine Norry. (Foto: SWR, MedienKontor / Carmen Butta)
Zehn Jahre schon lenkt Tith Ly seine Norry. MedienKontor / Carmen Butta Bild in Detailansicht öffnen
Die Kambodschaner fahren mit der Bambusbahn zu ihren Feldern, zum Markt oder zum Arzt. MedienKontor / Carmen Butta Bild in Detailansicht öffnen
Norry kann sich jeder leisten: Nur umgerechnet ein paar Cent kostet die Fahrt zwischen den sechs Stationen. MedienKontor / Carmen Butta Bild in Detailansicht öffnen
Alle paar Tage repariert Tith Ly die Gleise, denn der Staat kümmert sich nicht. MedienKontor / Carmen Butta Bild in Detailansicht öffnen
Das Gewicht der Ladung und der Passagiere hält die Bambusbahn auf den ramponierten Gleisen. MedienKontor / Carmen Butta Bild in Detailansicht öffnen
Die 15jährige Chom Sok Cheat und ihre Schwester sammeln Reisspelzen, um zum Familienunterhalt beizutragen. MedienKontor / Carmen Butta Bild in Detailansicht öffnen
Tiths Ehefrau Savang Krem – sie haben sich im Arbeitslager der Roten Khmer kennengelernt. MedienKontor / Carmen Butta Bild in Detailansicht öffnen
Mao Tant führt im zerstörten Bahnhof von Thipadei erfolgreich einen Schönheitssalon. MedienKontor / Carmen Butta Bild in Detailansicht öffnen
Für die Bauern ist die Bambusbahn oft der einzige Weg, ihre Ernte und Saat oder auch ihr Vieh zu transportieren. MedienKontor / Carmen Butta Bild in Detailansicht öffnen
Für Verpflegung und ein Dach über dem Kopf sorgen die Passagiere der Bambusbahn selber. MedienKontor / Carmen Butta Bild in Detailansicht öffnen
Die 35 Kilometer lange Strecke der Bambusbahn verläuft durch die Reiskammer Kambodschas. MedienKontor / Carmen Butta Bild in Detailansicht öffnen
Tith Ly konzentriert sich, denn die Bremse der Draisine wirkt nur verzögert und bei hoher Geschwindigkeit passiert leicht ein Unfall. MedienKontor / Carmen Butta Bild in Detailansicht öffnen
Gerade in der Regenzeit müssen die Motorradfahrer oft auf die Bambusbahn umsatteln. MedienKontor / Carmen Butta Bild in Detailansicht öffnen
Mit bis zu 50 Kilometer pro Stunde jagt die Bambusbahn über die Gleise. MedienKontor / Carmen Butta Bild in Detailansicht öffnen
Kameramann René Dame filmt die Draisinenfahrer bei ihrer Pause. MedienKontor / Carmen Butta Bild in Detailansicht öffnen

Die Bambusbahn steht für den Überlebenswillen und die Improvisationskunst der Kambodschaner: Ein paar Dutzend Bauern haben hier auf der verrosteten Kolonialtrasse ihren eigenen Zug gebaut: aus Bambus, Motoren von gebrauchten Generatoren und Metallrädern aus Schrott-Panzern; einen Zug, der für wenig Geld jederzeit fährt und überall hält. Mittlerweile hat die improvisierte Bahn auch System. Die zwei Dutzend Draisinenführer haben Schichtpläne entworfen, Strecken aufgeteilt und Preise sowie Vorfahrtsregeln festgesetzt. Wie lange Norry noch durch die Reisfelder preschen wird, weiß niemand. Die staatliche Zuggesellschaft will die Bambusbahn gegen eine Entschädigung für die Draisinenführer bald aus dem Weg räumen.

Doch ob es wirklich dazu kommt? Ly Tith und seine Passagiere glauben noch nicht, dass ihre kleine Bambusbahn eines Tages tatsächlich verschwinden wird.

(ESD: 12.11.2021)

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