Dentalphobie

Die Angst vorm Zahnarzt

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Wer sich mit seinen Ängsten auseinandersetzt und sich auf seinen Zahnarzt einlässt hat gute Chancen, mit ihm zusammen so weit zu kommen, dass eine Behandlung möglich wird.

Woher kommt eigentlich die Angst beim Zahnarzt und wie stark kann sie sein?

Dr. David Engels (Foto: Dr. David Engels -)
Dr. med. dent. David Engels Dr. David Engels -

Dr. David Engels: Der Mund ist ein intimer und sehr empfindlicher Teil des Körpers: Schon Kinder schützen ihn instinktiv. Aus diesem Schutzreflex, häufig auch nach unangenehmen Behandlungserlebnissen, entsteht eine manchmal sehr ausgeprägte Behandlungsangst.

Man geht davon aus, dass drei von vier Patienten eine mehr oder weniger starke Angst im Zusammenhang mit Terminen beim Zahnarzt haben. Bis zu 20% beschreiben diese Angst als so stark, das sie Behandlungstermine nach Möglichkeit vermeiden. Das kann bis zu phobischen Symptomen reichen, dass Patienten also unter Panikreaktionen wie Ohnmacht, starkem Zittern und Ähnlichem leiden.

Hat die Zahnarzt-Phobie mit Schmerzempfindlichkeit zu tun?

Dass bei der Behandlung etwas weh tut, möchte eigentlich keiner. Aber jeder empfindet Schmerzen anders, deswegen zählt im Ernstfall nur die Aussage des Patienten: Wenn etwas schmerzhaft ist, muss die lokale Betäubung verstärkt werden, oder im Zweifel auf eine Behandlung verzichtet werden. Viele Angstpatienten geben an, sich vor allem vor möglichen Schmerzen zu fürchten.

Es ist allerdings auch so, dass Angst und Unruhe ihrerseits die Empfindlichkeit nachweislich steigern. Damit eröffnet sich die Chance, durch ein behutsames Vorgehen und eine grundlegende Beruhigung des Patienten die Schmerzempfindlichkeit und damit auch einen Teil der Angst zu senken.

Was kann man alles tun?

Eine möglichst vollkommen schmerzfreie Behandlung ist die Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Behandlung von Angstpatienten, eigentlich von Patienten allgemein.

Je nach Ausprägung der Phobie ist ein leidender Angstpatient im akuten Notfall allerdings kaum zu einer regulären Behandlung fähig. Dann kann, eben als Notfallmaßnahme, eine Behandlung unter Sedierung bzw. Dämmerschlaf oder sogar Vollnarkose angezeigt sein.

Allerdings konnte in vielen Studien gezeigt werden, dass eine solche Behandlung nur als kurzfristige Lösung dient - die Patienten hatten nach dem Eingriff genauso viel Angst vor einer Zahnbehandlung, wie vorher. Dabei ist eine regelmäßige Kontrolle beim Zahnarzt und eine Reinigung der Zähne durch Fachkräfte gerade für Angstpatienten unerlässlich!

Also bekämpft die Sedierung nicht die Phobie, sondern lässt lediglich zu, dass die Behandlung ausgeführt werden kann?

Genau. Nach aktuellem Stand der Zahnmedizin hilft zur nachhaltigen Besserung einer Behandlungsangst nur eine therapeutische Arbeit mit dem Patienten.

Dies kann im Rahmen einer Psychotherapie erfolgen, häufig ist aber auch ein (möglichst entsprechend ausgebildeter) Zahnarzt in der Lage, mit einem Angstpatienten behutsam einen tolerierbaren Behandlungsrahmen zu erarbeiten.

Wer übernimmt Kosten für Anti-Angst-Therapien?

Ein Zahnarztspiegel beleuchtet Geldscheine, die in einem Gebiss stecken. (Foto: Getty Images, Thinkstock -)
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Eine eine nachhaltige Behandlung der Behandlungsphobie durch den Psychologen ist als Kassenleistung möglich.

Wenn die therapeutische Arbeit von einem Zahnarzt durchgeführt wird, sind die Kosten in der Regel vom Patienten zu tragen. Die Höhe dieser Kosten sollte im Vorfeld genau vereinbart sein.

Wie finden Angstpatienten den richtigen Arzt? Um nicht vom Regen in der Traufe zu landen?

Einige Zahnärzte weisen in ihren Tätigkeitsbereichen ausdrücklich die Behandlung von Angstpatienten aus. Fachgesellschaften wie die Deutsche Gesellschaft für Hypnose (DGH) hat auf ihrer Website eine Therapeutenliste für Zahnärzte, die mit hypnotherapeutischen Methoden Angstpatienten nachhaltig helfen können.

Darüber hinaus ist man auf die Empfehlung durch Dritte und die mehr oder weniger anonymen Kommentare in diversen Internetforen angewiesen. Am Ende ist es sicherlich vor allem wichtig, den Behandler selbst kennenzulernen und festzustellen, ob man sich überhaupt sympathisch ist.

Wie bereite ich mich denn optimal auf den Besuch beim Zahnarzt vor?

Nahaufnahme einer zahnärztlichen Untersuchung. (Foto: Getty Images, Thinkstock -)
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Natürlich hat da wieder jeder Patient unterschiedliche Bedürfnisse. Grundsätzlich halte ich es für hilfreich, sich schon vor einem Zahnarztbesuch gedanklich mit der Situation auseinanderzusetzen. Dabei kann es ein Ansatz sein, alle Dinge, die im Zusammenhang mit der Zahnarztbesuch wichtig sind und auch alle Fragen, die man vielleicht dem Zahnarzt stellen möchte, kurz zu notieren. So hat man, auch wenn man in der Behandlungssituation vielleicht etwas „kopflos“ wird, eine Art Leitfaden, auf den man zurückgreifen kann.

Dabei können auch selbst aufgestellte Regeln helfen: Vielleicht sollte im ersten Termin nur ein Gespräch stattfinden, vielleicht aber auch eine Untersuchung. Unter welchen Umständen wäre für mich eine Behandlung in Ordnung? Zusätzlich sind Beruhigungstechniken wie autogenes Training, Selbsthypnose oder ähnliches hilfreich.

Irgendwelche Beruhigungsmedikamente sollten ohne Absprache mit dem (und Verordnung durch den) Zahnarzt keinesfalls eingenommen werden!

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SWR Fernsehen