Wenn der Toaster nicht mehr toastet oder der Eierkocher nicht mehr kocht - dann ab damit zum Elektroschrott. Das handhaben viele so, denn meistens ist es günstiger, ein neues Gerät zu kaufen als ein altes zu reparieren. Berlin will solche Reparaturen jetzt aber fördern, und zwar mit einem Reparaturbonus für Elektrogeräte. Diese Förderung können Privatpersonen ab dem 17. September 2024 online beantragen.
Wie funktioniert der Reparaturbonus?
Es gibt zwei Szenarien. Wer seinen kaputten Toaster zu einem Fachbetrieb für Elektronik bringt, kann sich die Kosten für die Reparatur zur Hälfte erstatten lassen. Voraussetzung dafür ist, dass die Reparatur inklusive Mehrwertsteuer mindestens 75 Euro kostet. Die maximale Förderung beträgt 200 Euro.
Wer sein Gerät lieber selbst in einem sogenannten Repaircafé instand setzen will, erhält dafür ebenfalls eine Förderung. In diesem Fall übernimmt Berlin die Kosten für alle Ersatzteile ab einem Wert von 25 Euro inklusive Mehrwertsteuer.
Bonus nur für Berliner
Die Stadt hat ein Portal freigeschaltet, auf dem man die Rechnung hochladen und den Bonus beantragen kann. Die Förderung gilt allerdings nur für Privatpersonen mit Hauptwohnsitz in Berlin. Wer woanders wohnt und nur sein defektes Gerät in Berlin reparieren lässt, bekommt keinen Zuschuss. Auch Schulen, Vereine oder Unternehmen können das Geld nicht beantragen. Insgesamt stehen nach Angaben des Berliner Senats 1,25 Millionen Euro Fördergeld zur Verfügung. Das Förderprogramm läuft zunächst bis Ende 2024, ob es danach verlängert wird, steht noch nicht fest.
Auch andere Länder fördern Reparaturen
Berlin ist nicht das erste Bundesland, das einen solchen Reparaturbonus eingeführt hat. Die Landesregierung in Thüringen hatte schon 2021 gemeinsam mit der Verbraucherzentrale ein solches Projekt ausgesetzt, inzwischen geht es in die vierte Runde. Im Jahr 2023 ist Sachsen diesem Beispiel gefolgt. In beiden Bundesländern funktioniert das System genau wie in Berlin, teilweise sogar schon ab einem Rechnungsbetrag von 50 Euro.
In Österreich und Frankreich gilt der Reparaturbonus für Elektrogeräte sogar landesweit und wurde nach der Einführung noch ausgeweitet. In Österreich kann man sich inzwischen auch die Fahrradreparatur bezuschussen lassen und in Frankreich werden Kosten für die Reparatur von Schuhen und Textilien übernommen.

Reparaturbonus zu teuer für Deutschland
In Deutschland ist derzeit kein bundesweiter Reparaturbonus geplant. Zu teuer, heißt es vonseiten der Bundesregierung. Denn ein solches Förderprogramm würde mindestens 34 Millionen Euro kosten, bei der aktuellen Haushaltslage könne sich Deutschland das nicht leisten. Auch Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz planen bislang keine entsprechende Förderung.
Dabei könnte sich Deutschland ein Vorbild an Frankreich nehmen. Dort werden die Kosten für den Reparaturbonus bei Kleidung und Schuhen nicht vom Staat, sondern von der Privatwirtschaft getragen. Wenn Absätze oder Reißverschlüsse erneuert werden müssen, werden dafür die großen Textilhersteller in die Verantwortung genommen. Marken wie Zara oder Le Bon Marché müssen per Gesetz einen Öko-Beitrag zahlen und dieser wird über den Reparaturbonus an die Verbraucherinnen und Verbraucher weitergereicht.
Was bringt ein Reparaturbonus?
Um den Nutzen einschätzen zu können, hat Thüringen das Fraunhofer-Institut beauftragt, eine Bilanz zu ziehen. Diese zeigt, dass die Menschen den Bonus tatsächlich nutzen. Seit Beginn der Förderung im Jahr 2021 wurden laut Fraunhofer-Institut knapp 33.300 Reparaturen durchgeführt. Das sei auch gut für die Umwelt und das Klima: Insgesamt seien rund 3.000 Tonnen CO2 eingespart und fast 400 Tonnen Elektroschrott vermieden worden. Das entspricht 17 großen LKW-Ladungen voll mit Schrott - allein in Thüringen.
Neben der Umwelt profitiert auch die Wirtschaft vom Reparaturbonus, weil das Geld bei den örtlichen Fachbetrieben landet. Auch Repaircafés, die in der Regel nicht gewinnorientiert arbeiten, profitieren von der Unterstützung.