Kuscheln, einölen, aufplustern und viel essen

Tricks der Wintervögel: So schützen sich Profis vor Kälte

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Von Autor/in Margareta Holzreiter

Wenn es draußen kalt wird, flüchten Menschen schnell ins Warme. Wintervögel halten selbst die frostigsten Nächte in geschützten Ecken durch. Das schaffen sie mit einigen Tricks.

Dick aufgeplustert und ganz nah beieinander sitzen im Winter meist Haussperlinge im dicht verzweigten Gebüsch und trotzen der Kälte. Ganze Nächte verbringen die Tiere so zusammen. Mit 38 bis 42 Grad Celsius haben unsere heimischen Vogelarten eine höhere Körpertemperatur als wir Menschen. Die Temperatur müssen sie auch bei Kälte aufrechterhalten. 

  

Aufplustern und schön rund werden

Dabei hilft es allen Singvögeln, sich mit ihren Daunenfedern zu kleinen Kugeln aufzuplustern. Denn dann haben sie im Verhältnis zu ihrem Volumen eine möglichst kleine Körperoberfläche. So geben sie weniger Wärme an die eisige Winterluft ab.

Luft ist ein schlechter Wärmeleiter und dadurch ein sehr guter Isolator. Und so haben praktisch die Singvögel immer ihre Daunenjacke mit dabei und können sich so besser vor der Kälte schützen.

Deckfedern mit selbst produziertem Öl schützen

Um die Daunen bei Regen und Schnee trocken zu halten, pflegen Vögel ihr Gefieder sehr gewissenhaft. Viele haben dafür ihre ganz eigene Pflege parat: Ein öliges Sekret, das sie in der sogenannten Bürzeldrüse unterhalb ihrer Schwanzfedern produzieren. Alexandra Ickes vom NABU erklärt, dass sich die Tiere mithilfe des Schnabels sorgsam einschmieren und ihre Deckfedern so wasserabweisend machen. 

Ein Distelfink (Carduelis carduelis) frisst bei Frost Sonnenblumenkerne aus einer Kokosnuss. Wintervögel haben einige Tricks, um sich vor Kälte zu schützen. Sie essen mehr als sonst.
Wintervögel wie der Diestelfink essen bei Kälte mehr als sonst.

 Einzel- oder Mehrbettzimmer im Nistkasten

Einen trockenen und windgeschützten Schlafplatz finden Vögel im Winter zum Beispiel in Nistkästen: Dort schlüpfen sie nachts hinein - alleine oder mit mehreren Artgenossen. Dann kuscheln sie sich zusammen und isolieren sich so vor der Kälte. Besonders beliebt sind die Kästen laut NABU etwa bei Kohlmeisen, Kleibern oder Zaunkönigen. 

Tipp: Nistkästen kann man das ganze Jahr über aufhängen. 

Sollte man Vögel im Winter füttern?

Wer Vögel zufüttern will, der sollte sich entscheiden: Ganz oder gar nicht. Denn so eine Futterstelle muss immer schön gepflegt bleiben. Das gut gemeinte Angebot kann sonst eher schaden. Verdorbenes oder verschimmeltes Futter sollte möglichst rasch entfernt werden.

Starenkasten und Koloniekasten für Spatzen Bruthilfe für Vögel: Nistkästen selber bauen

Klassischerweise sollen Nistkästen bis Anfang März aufgehängt werden. Nutzen Sie doch die Zeit und bauen eine Bruthilfe für die Vögel.

Vogelhäuschen reinigen

Eine Futterstelle wird sehr häufig von vielen Vögeln genutzt, die häufig verschiedenen Arten angehören. Kot sollte kontinuierlich entfernt werden. Die Expertin vom NABU empfiehlt, Futterhilfen mindestens einmal pro Woche mit kochendem Wasser zu reinigen. 

Das fressen heimische Vögel im Winter

Vögel, die außerhalb unserer Wohngebiete überwintern, müssen im Winter selbst genug zu fressen finden. Viele greifen da auf Nüsse und Samen zurück. Der Eichelhäher geht auf Nummer sicher und legt sich im Wald Reserven an. Deshalb gilt der Vogel wegen seiner Vorratshaltung auch als fliegendes Eichhörnchen.  

Der Eichelhäher, der ist so ein bisschen das Eichhörnchen unter den Vögeln, der sammelt schon im Herbst sehr fleißig Eicheln und versteckt die in ganz, ganz vielen Nischen, Unterschlüpfe, überall.

Und weil er später im Winter nicht alle seine Verstecke wiederfindet, pflanzt er so auch neue Eichen und sorgt so auch für die nächsten Generationen vor.

 So überwintern exotische Vögel in Deutschland

Während viele heimische Singvögelarten das Überwintern in Deutschland perfektioniert haben, sind andere quasi noch Neulinge im Überwintern. Momentan ziehen einige exotische Vögel, die mittlerweile ganzjährig in Deutschland sind, vermehrt in die Städte um. Arten wie dem Halsbandsittich in Mainz oder die Gelbkopfamazone in Stuttgart gefällt es, dass es im Stadtgebiet oft ein bisschen wärmer ist.  

Diese Gelbkopfamazone (Amazona oratrix) lebt in Stuttgart statt Mexiko: Der Papagei ist eigentlich kein Wintervogel. Er ist trotzdem seit fast 40 Jahren in Baden-Württembergs Haupstadt heimisch geworden und schützt sich vor Kälte.
Stuttgart statt Mexiko: Die Gelbkopfamazone ist kein Wintervogel. Der Papagei schafft es aber sich in wärmeren Ecken der Stadt vor Kälte zu schützen.

Es sind Vogelarten, die es wahrscheinlich im Umland schwer hätten, durch den harten Winter zu kommen. Aber dadurch, dass die Temperaturen in den Städten milder sind, kommen sie so auch ganz gut zurecht. 

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Störche überwintern in Deutschland

Wegen der Klimaerwärmung testen auch Störche das Überwintern in Deutschland. Der NABU spricht dabei von sogenannten "Winter-Störchen". Es sei allerdings nicht sicher, ob sich diese neue Taktik bei den Tieren mittel- oder langfristig durchsetzen wird. Es könnte auch sein, dass die Störche demnächst einsehen, dass es vielleicht doch sinnvoller ist, weiterzuziehen. Das werde sich erst in den nächsten Jahren zeigen. 

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Margareta Holzreiter
Onlinefassung
Petra Thiele
SWR-Wirtschaftsredakteurin Petra Thiele