Ein mit Kleingeld gefülltes Glas mit zwei Keimlingen. Wo sollte man derzeit am besten Geld anlegen, um die Inflation auszugleichen? (Foto: Unsplash/Micheile.com)

Sparen nach der Zinswende

Größte Zinserhöhung in der Geschichte der EZB - was das für die Geldanlage 2022 bedeutet

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Sabine Geipel
SWR Wirtschaftsredakteurin Sabine Geipel (Foto: SWR)
Lutz Heyser
Petra Thiele
SWR-Wirtschaftsredakteurin Petra Thiele (Foto: Dirk Bannert)
Marcel Fehr

Die EZB erhöht den Leitzins auf 1,25 Prozent. Hoffnungsschimmer für Sparer? Wie sollte man derzeit am besten Geld anlegen, um die Inflation auszugleichen?

Die Europäische Zentralbank (EZB) erhöht den Leitzins so stark wie noch nie. Nach einem ersten Schritt von 0 auf 0,25 Prozentpunkte im Juli 2022, steigt der Leitzins jetzt auf 1,25 Prozent. Ziel ist es, gegen die Rekordinflation vorzugehen.

Wann gibt es wieder Zinsen auf dem Sparbuch?

Auch wenn der Zins-Trend nach oben geht: Bei den Sparzinsen auf dem Sparbuch sind vorerst keine großen Sprünge zu erwarten. Im Gegenteil: Die aktuellen Inflationsraten von sieben bis zehn Prozent lassen sich mit Geldanlagen in Zinspapieren nicht ansatzweise ausgleichen.

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Was tun, damit Guthaben durch die Inflation nicht aufgefressen wird?

Mit risikoarmen Investitionsstrategien lasse sich Geld derzeit nicht vor einem Wertverlust schützen, sagte Finanzexpertin Barbara Sternberger-Frey. Hohe Renditen, die die hohen Inflationsraten ausgleichen oder sogar übertreffen, sind nur an der Börse zu erzielen – mit den entsprechenden Risiken. Vor allem unerfahrene Anleger sollten hier jedoch vorsichtig sein: Die Börsenkurse schwanken derzeit stark. Wer sein Geld zum Beispiel in Fonds unter einer Laufzeit von 10 Jahren anlegen möchte, hat ein hohes Risiko für Verluste. Mit längeren Laufzeiten ab zehn Jahren ist die Chance höher, dass sich Schwankungen nivellieren.

Angesichts der momentanen politischen und wirtschaftlichen Situation rät Finanzexpertin Sternberger-Frey zu Produkten, die weltweit gestreut sind. Während in Deutschland und Europa eine Rezession droht, stehen beispielsweise amerikanische Unternehmen derzeit zum Teil deutlich besser da.

Wer nicht in Aktien investieren will, sollte bei der Geldanlage zumindest folgendes beachten, rät Barbara Sternberger Frey: Nicht von der Bank für mehrere Jahre auf einen festen Zinssatz festlegen lassen. Mit weiteren Leitzinserhöhungen seitens der EZB sei fest zu rechnen, so dass sich in wenigen Monaten schon weitaus bessere Konditionen ergeben könnten. Also: Lieber kurzfristiger anlegen und immer wieder die Konditionen prüfen.

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Soll ich als Geldanlage ETFs kaufen?

"Exchange Traded Funds" (ETFs) sind Aktienfonds - auch Indexfonds genannt - welche die Wertentwicklung eines Börsenindex' nachbilden. Sie gelten als relativ solide Geldanlage und sind derzeit extrem beliebt. Doch auch wenn diese Indexfonds ziemlich transparent sind: Börsenkurse gehen auf und ab. Daher sind auch ETFs nicht automatisch eine sichere Geldanlage. Auch hier sinkt das Risiko mit steigenden Laufzeiten: Für Laien ist es erst ab einer Dauer von 10 bis 15 Jahren empfehlenswert, in ETFs zu investieren.

Vorteile von ETFs

Bei einem gemanagten Fond werden in der Regel 1,5 bis 2,5 Prozent Verwaltungsgebühren verlangt. Diese Gebühren muss der Fonds erstmal mit seiner Rendite erwirtschaften. ETFs sind mit Kosten unterhalb von einem halben Prozent wesentlich günstiger und - im Falle von beispielsweise dem MSCI World, der Anlagen von rund 1.600 Unternehmen bündelt - auch weltweit gestreut.

Gold als Geldanlage?

Der Goldpreis schwankt teilweise erheblich. Derzeit notiert er um die 1.720 Euro pro Feinunze sehr hoch. Goldkäufer würden mittel- und langfristig betrachtet unter Umständen eher draufzahlen, weil der Preis viel zu hoch ist, um aktuell einzusteigen.

Grundsätzlich aber kann man sich mit einem Investment in Gold breiter aufstellen und ist so besser gegen Risiken geschützt, räumt Finanzexpertin Sternberger-Frey ein. Mehr als 5 bis maximal 10 Prozent seines Vermögens sollte man aber nicht in das Edelmetall investieren.

Sind teure Uhren eine gute Wertanlage?

In Zeiten, in denen dicke Autos immer mehr als Ressourcenfresser und CO2-Schleudern gelten, passen Uhren für viele perfekt zum Zeitgeist: Sie sind sparsam, weil lange haltbar, dezent und dazu im Idealfall eine stabile Wertanlage. Für heißbegehrte, limitierte Modelle sind die Preise astronomisch hoch geworden, erst recht die Wiederverkaufspreise. Doch das Risiko ist auch bei den edlen Zeitmessern groß: Ihr Wert kann ebenfalls stagnieren oder wieder abstürzen.

Sollte man in Kryptowährungen investieren?

Kryptowährungen sollte man wirklich nur kaufen, wenn man das Konzept dahinter komplett verstanden hat. Denn sie sind hochspekulativ. Die Kursschwankungen sind extrem - was sich derzeit wieder zeigt.

Kryptowährungen sind nicht an eine bestehende, echte Währung gekoppelt, wie etwa an den Euro oder den Dollar. Sie werden deshalb auch nicht von einer Zentralbank verwaltet. Deshalb sind sie auch so riskant. Beispielsweise reicht ein Tweet von Tesla-Chef Elon Musk aus und der Kurs explodiert oder rutscht ab. So geschah es bereits mehrfach mit der bekanntesten Kryptowährung Bitcoin.

Was sind eigentlich NFTs?

Ende des Jahres 2021 wurde die erste SMS der Welt als NFT versteigert. Meist sind NFTs aber Bilder oder Videos. Die Abkürzung NFT steht für "Non Fungible Token" - frei übersetzt: nicht ersetzbare Wertmarken. NFTs sind digitale Unikate, eine Art digitaler Eigentums- oder Echtheitsnachweis. Sie basieren, ähnlich wie Kryptowährungen, auf der Blockchain-Technologie.

Sind NFTs eher etwas für technik-begeisterte Sparer?

Wer sich für Kryptowährungen interessiert, wird auch automatisch bei NFTs landen. Doch ähnlich wie bei Kryptowährungen - beispielsweise Bitcoin und Ethereum - sind auch NFTs sehr riskant. Die Preise können stark schwanken. Ein NFT kann innerhalb kurzer Zeit Millionen Dollar wert sein.

Die Zeitschrift "Wirtschaftswoche" warnt deshalb: "Allein die Tatsache, dass es einen NFT gibt, garantiert im Zweifel weder, dass dahinter wirklich das angebliche Eigentumsrecht steckt, noch, dass dieses werthaltig sein muss. Der Boom im NFT-Markt lockt teils auch zwielichtige Geschäftemacher und Betrüger an." Der Kauf von NFTs ist also grundsätzlich eher für risikobereite Anleger interessant, die sich vorab gut informieren sollten.

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