Neben der Maul- und Klauensuche kennen wir im Südwesten auch andere Seuchen: Wie die Afrikanische Schweinepest, die Blauzungenkrankheit oder die Vogelgrippe. Mit enormen Auswirkungen für die Landwirte.
Was der Ausbruch der Maul- und Klauenseuche für uns im Südwesten bedeutet
Sowohl die Landwirtschaftsministerien als auch die Bauernverbände in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz sind wachsam. Betriebe mit Rindern, Schweinen, Ziegen und Schafen sind sensibilisiert worden, sagen die Verbände. Die Maul- und Klauenseuche zählt zu den hochansteckenden Krankheiten. Das kann nicht nur mit viel Tierleid einhergehen. Erste Drittländer haben den Import aus Deutschland gestoppt, das heißt, es hat wirtschaftlichen Auswirkungen.
Die landwirtschaftlichen Betriebe im Südwesten sammeln und bewerten die aktuellen Informationen. Die Maul- und Klauenseuche gab es zuletzt 1988 in Deutschland. Sie müssen erst mal schauen: Was heißt das diesmal, mehr als 30 Jahre nach dem letzten Ausbruch hier.
Aber die Betriebe sind sowieso schon darauf gedrillt, die teils verschärften Hygienestandards einzuhalten. Denn die sind auch zum Eindämmen der anderen Seuchen wichtig, wie der Afrikanischen Schweinepest oder der Blauzungenkrankheit.
Die Fortschritte im Kampf gegen andere Tierseuchen
Im Vordergrund steht bei der Bekämpfung all dieser Seuchen, den wirtschaftlichen Schaden gering zu halten. Häufig werden die Seuchen bei Wildtieren festgestellt, dann wird es wichtig, die Betriebe frei davon zu halten. Und je weniger Wildtiere krank sind, desto geringer ist natürlich auch die Gefahr für eine Ansteckung der Tiere in Haltung.
Allerdings gibt es Unterschiede zwischen den verschiedenen Seuchen:
Afrikanische Schweinepest
Blauzungenkrankheit
Vogelgrippe
Afrikanische Schweinepest

Die Afrikanische Schweinepest ist seit vergangenem Sommer wieder bei uns im Südwesten aufgetreten. Der Südwesten ist neben Ostdeutschland der andere größere Hotspot für die Seuche. Erst hatte man ein infiziertes Wildschwein in Rheinland-Pfalz entdeckt. Vor allem der Kreis Alzey-Worms, die Städte Mainz, Worms, Frankenthal und Ludwigshafen waren betroffen. Und auch die benachbarten Kreise in Baden-Württemberg hat die Seuche erreicht. Im August 2024 wurde dann ein Wildschwein im Rhein-Neckar-Kreis mit der Seuche gefunden.
Das Virus ist für Schweine hochansteckend und die Infektion verläuft fast immer tödlich. Und weil es keine Impfung dagegen gibt, versucht man, die Wildschweine wortwörtlich im Zaum zu halten. Also wurden auch Elektrozäune aufgestellt bei uns im Südwesten.
Derzeit gibt es Sperrzonen. Seitdem gab es keinen weiteren Ausbruch. Trotzdem - sagt zum Beispiel das Landwirtschaftsministerium in Baden-Württemberg - sei das Risiko für die Ausbreitung der Schweinepest nach wie vor hoch.
Blauzungenkrankheit

Im August 2024 hatten sich Schafe im Rems-Murr-Kreis mit der Blauzungenkrankheit infiziert. Auch in Rheinland-Pfalz gab es Fälle im Rhein-Hunsrück-Kreis. Der entscheidende Vorteil im Kampf gegen die Blauzungenkrankheit ist ein Impfstoff. Die Betriebe sind also nach wie vor aufgerufen, ihre Tiere zu impfen, müssen sie aber bei einer Infektion nicht direkt schlachten.
Kann sich ein Mensch mit den Tierseuchen anstecken?
Für den Menschen seien Infektionen mit der Maul- und Klauenseuche sehr selten, zeigten milde Verläufe und seien das Ergebnis unmittelbaren und intensiven Kontakts mit erkrankten Tieren gewesen, so das Bundesinstitut für Risikobewertung. "Infektionen und Erkrankungen des Menschen über den Verzehr von Lebensmitteln sowie eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung sind nicht bekannt."
Die Afrikanische Schweinepest ist nach Angaben des Bundeslandwirtschaftsministeriums für den Menschen nicht gefährlich. "Das Virus befällt nur Schweine (Wildschweine und gehaltene Schweine) und ist nicht auf den Menschen übertragbar – weder durch den Verzehr von Schweinefleisch, noch über direkten Tierkontakt."
Die Blauzungenkrankheit ist nicht ansteckend und wird von stechenden Insekten übertragen. Das Virus ist für den Menschen nicht gefährlich. Fleisch- und Milchprodukte können bedenkenlos verzehrt werden. Von der Blauzungenkrankheit sind Schafe und Rinder, selten auch Ziegen betroffen. Quelle: Landesuntersuchungsamt Rheinland-Pfalz.
Vogelgrippe

Bei der Vogelgrippe kam es in den USA im Frühjahr 2024 in Geflügel- und Milchviehbetrieben auch immer wieder zu Infektionen beim Menschen, meist mit mildem Verlauf. Und dann auch mal mit schweren Verläufen. Auch wenn es immer wieder zu sporadischen Infektionen bei Menschen kommt, schätzt das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) das Risiko für die allgemeine Bevölkerung in der EU als gering ein. Auch das Robert-Koch-Institut sagt das. Wer mit den Tieren arbeitet, bei dem ist das Risiko aber zumindest moderat.
Im Südwesten ist die Vogelgrippe immer wieder aufgetreten – vor allem bei Wildvögeln. Zum Beispiel mussten in Baden-Württemberg Ende 2024 133 Vögel in einem Tierpark in Forst getötet werden. In Rheinland-Pfalz wurde jetzt auch ein Fall in einer Kleinsthaltung festgestellt. Also: Das Infektionsgeschehen ist im Gange und es gilt weiter Vorsicht, vor allem für Geflügelhaltende-Betriebe.
Auswirkungen der Ausbrüche auf die Landwirtschaft
Für die Betriebe bedeuten die Seuchen zunächst Handelsbeschränkungen. Mit EU-Staaten gibt es bestimmte Regionalabkommen, dass sie uns weiterhin Fleisch und Milchprodukte sowie Tiere abnehmen. Aber Drittländer wie Südkorea haben bereits angekündigt, dass sie aus Deutschland keine Schweine und Rinder mehr nehmen wollen. Immerhin exportieren wir 20 Prozent unseres Schweinefleischs in Drittländer. Und der Umsatz allein in den Drittländern beläuft sich im Jahr auf rund eine Milliarde Euro. Das ist nicht unerheblich.
Für einzelne Betriebe kann es teuer werden, wenn sie zum Beispiel die Tiere töten müssen. Deshalb sind die Vogelgrippe, die Maul- und Klauenseuche sowie die Afrikanische Schweinepest so gefährlich. Bei der Blauzungenkrankheit ist es wegen der Impfung anders, hier kann sich das Tier wieder erholen. Aber auch Impfungen und Schutzmaßnahmen kosten den Betrieb Geld.
Höhere Preise für Verbraucher
Es gibt unterschiedliche Effekte. Beim Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest kann kurzfristig zu viel Schweinefleisch auf den Markt kommen, weil alle Tiere ja getötet werden müssen. Dann würde der Preis sinken. Ähnlich ist das bei der Maul- und Klauenseuche. Auch weil damit ja Exporte schwieriger werden und mehr im Land verbleibt.
Aber es ist eher unwahrscheinlich, dass sich das schnell auf die Preise für uns Verbraucher auswirkt. Denn es kommt durch eine Seuche zu Produktionsausfällen und daher auch zu damit verbundenen Kosten für die Betriebe durch Impfmaßnahmen oder Vorsorge. Manche Betriebe müssen schließen. Dann könnte es dazu führen, dass Fleisch teurer wird.
Vorbereitungen auf Seuchenausbrüche in Deutschland
Die Behörden geben an, das Seuchengeschehen zu beobachten. Nach dem Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest sind sowohl in Rheinland-Pfalz als auch in Baden-Württemberg Krisenstäbe gebildet worden. Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir geht davon aus, dass Tierseuchen zunehmen werden, auch wegen des Klimawandels.
Deshalb forscht zum Beispiel auch das Friedrich-Löffler Institut weiter an möglichen Impfstoffen. Und: Internationale Zusammenarbeit ist ebenso relevant, grade weil diese Seuchen vor Ländergrenzen nicht Halt machen.