Drei rote Tomaten sind im Close-up vor grünen Blättern zu sehen.  (Foto: Unsplash/ Jeremy Bezanger)

Bio-, Gewächshaus- oder eigene Tomaten?

Anbau und Umweltbilanz: Welche Tomaten sind am besten?

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Hanna Meßmann
Karolina Luttig
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Sabrina Reichert

Im Supermarkt gibt es Tomaten verschiedener Größen, Farben und Herkunftsregionen. Doch zu welcher sollte man greifen? Und wie lassen sich Tomaten am besten zu Hause pflanzen?

Tomaten aus dem Supermarkt 

Tomaten gehören in Deutschland zum beliebtesten Gemüse - auch wenn sie streng genommen ein Obst sind. 2019 und 2020 lag der deutsche Pro-Kopf-Verbrauch bei 28,2 Kilogramm. Vertreten sind im Supermarkt vor allem Tomaten der Klasse I, Klasse II und Klasse Extra. Tomaten der Klasse I sollten keine Schäden aufweisen und schön einheitlich aussehen. In Klasse II muss es hingegen nicht ganz so perfekt sein. Tomaten der Klasse Extra müssen wiederum makellos sein. Sie sind deshalb in der Regel auch etwas teurer.

Die meisten Supermarkt-Tomaten stammen aus den Niederlanden oder aus Spanien - teilweise auch direkt aus Deutschland. Der Großteil ist jedoch Importware, da wir mit den heimischen Tomaten gerade einmal drei Prozent des Bedarfs decken können. Weltweit werden die meisten Tomaten aus Mexiko exportiert. Diese landen allerdings hauptsächlich in den USA. Die meisten Tomaten, die es bei uns im Supermarkt gibt, kommen aus den Niederlanden.  

Tomaten aus den Niederlanden 

Die Anbaufläche in den Niederlanden ist insgesamt so groß wie 2.500 Fußballfelder. Ton Janssen ist Tomatengärtner in einem der niederländischen Gewächshäuser. In diesem gibt es laut ihm ungefähr fünf Millionen Tomaten, von denen jede Woche 100.000 geerntet werden. Ganze 40 Grad warm ist es im Sommer in dem Gewächshaus. Den Tomaten gefällt das, sie lieben Wärme. Deshalb muss das Gewächshaus im Winter auch auf mindestens 18 Grad geheizt werden.  

Tomaten-Anbau im Gewächshaus

Laut Janssen wachsen die Tomaten hier auf Steinwolle. Um Steinwolle herzustellen, werden Steine gemahlen und erhitzt. Die Steinschmelze wird anschließend zu Fasern versponnen. Der große Vorteil an Steinwolle: Das Material hält das Wasser fest, ähnlich wie ein Schwamm. Da die Steinwolle im Gegensatz zu normalem Boden von sich aus keine Nährstoffe enthält, wird Wasser mit Nährstoffen hinzugegeben, sodass alle Nährstoffwerte einfach zu kontrollieren sind. Überschüssiges Wasser wird hier wieder aufgefangen und erneut genutzt. 

Trotzdem ist Steinwolle aus ökologischer Sicht nicht unproblematisch, meint der Gartenbauwissenschaftler Dr. Thorsten Kraska von der Uni Bonn. Denn für das Einschmelzen von Steinen sind Temperaturen von über 1.500 Grad nötig und das erfordert eine enorme Menge an Energie. 

Für die Bestäubung der Tomaten im niederlädischen Gewächshaus werden Hummeln eingesetzt. Sie suchen nicht wie Bienen nach Nektar, sondern nach dem Blütenstaub der Tomaten. Mittel gegen Schädlinge werde hier nach Aussage des Betreibers nur minimal eingesetzt. Da die Tomaten in Gewächshäusern unter geschützten und kontrollierten Bedingungen wachsen sind allerdings auch nicht so viel Pestizide nötig wie im Freiland. 

Anforderungen an Bio-Tomaten 

Laut Ton Janssen sind die Tomaten in dem Gewächshaus, in dem er arbeitet, nicht bio-zertifiziert, da Bio-Tomaten ausschließlich in Erde angebaut werden dürfen. Das heißt, Tomaten, die aus einem solchen Hightech-Gewächshaus kommen, können per se nicht bio sein. Zudem muss im Bio-Bereich garantiert werden können, dass keine Chemie zum Düngen eingesetzt wird. Es darf nur mit Naturdünger gearbeitet werden. 

Energieverbrauch im niederländischen Gewächshaus 

Damit das ganze Jahr über Tomaten wachsen können, brauchen die Pflanzen ständig Licht und Wärme. Entsprechend sind Gewächshäuser in unseren Breitengraden vor allem in den Wintermonaten ganz schön energieaufwendig. Die meisten Gewächshäuser werden über Erdgas mit Energie versorgt. Das ist nicht sonderlich klimafreundlich.

In dem Gewächshaus, dass wir uns anschauen, sind 18 Millionen Kubikmeter Gas pro Jahr nötig. Das entspricht dem jährlichen Gasverbrauch fürs Heizen und Warmwasser von circa 7.500 durchschnittlichen Einfamilienhäusern. Deshalb sieht auch Janssen das größte Problem im Energieverbrauch des Gewächshauses.

Trotzdem ist der niederländische Tomatengärtner überzeugt: Seine Tomaten sind nachhaltiger als Tomaten, die aus Spanien nach Deutschland importiert werden. Schon allein, da die Transportwege nach Deutschland deutlich geringer sind.  

Rote und noch grüne Tomaten hängen an Stauden in einem Gewächshaus.  (Foto: Unsplash/ Aleksandr Malofee)
Für Tomaten in deutschen oder niederländischen Gewächshäusern wird viel Energie benötigt. Unsplash/ Aleksandr Malofee

Sind Tomaten aus Spanien im Winter zu bevorzugen? 

In den nordeuropäischen Klimaten ist die Produktion von Tomaten laut dem Gartenbauwissenschaftler Kraska aufgrund der benötigten Energie im Winter nicht nachhaltig. Vor allem wenn hierfür fossile Energie eingesetzt wird, schränke das die Nachhaltigkeit deutlich ein. Weiter erklärt er, dass Tomaten aus Spanien trotz der Transportwege im Winter besser sind. Das liege daran, dass die CO2-Emissionen, die durch den Transport entstehen, deutlich geringer sind als die CO2-Emissionen, die durch den Energieeinsatz im Gewächshaus verursacht werden. Grundsätzlich sei die Energiebereitstellung mit Gas - also mit fossiler Energie - nicht als nachhaltig zu bewerten.

Das Heißt: Im Winter sind Tomaten aus Spanien oder aus Mittelmeer-Regionen aus CO2-Sicht nachhaltiger als Tomaten, die in Gewächshäusern in den Niederlanden oder auch in Deutschland gezüchtet werden.

Probleme spanischer Tomaten 

Im Sommer hat Spanien das Problem, dass die Tomaten die ganze Zeit bewässert werden müssen und dafür viel Wasser benötigt wird. In den südlichen Anbauländern herrscht jedoch enorme Wasserknappheit. Aus diesem Blickwinkel wären dann die Tomaten aus unseren Klimaten wesentlich nachhaltiger. Zudem ist mangelnder Arbeitsschutz in Spanien immer wieder ein Thema. Da wird in Deutschland oder den Niederlanden schon deutlich mehr kontrolliert. Hinzukommt, dass in regionalen Gewächshäusern Krankheiten und Schädlinge kaum ein Problem sind. Laut Dr. Kraska können hier klimatisch fast alle pilzlichen Erkrankungen ausgeschlossen werden

Gewächshaus vs. Bio-Tomaten 

In Sachen Pestizidfreiheit steht die Gewächshaustomate der Bio-Tomate daher in nichts nach. Aber egal wie nachhaltig ein Gewächshaus anbaut, die Tomaten können hier nicht Bio-zertifiziert werden, da alles, was bio ist, auf natürlichem Boden angebaut werden muss. Ob eine Bio-Tomate aber deswegen in der Gesamtbilanz wirklich besser dasteht, kann man pauschal nicht sagen. 

Welche Tomate ist also besser? 

Freiland oder Gewächshaus, Niederlande, Spanien oder Deutschland – alles hat sein Für und Wider. Dennoch können wir zum Beispiel auf die Jahreszeit achten. Solange Wärme und Licht draußen ausreichen, können Tomaten in Deutschland und auch in den Niederlanden recht nachhaltig produziert werden. Deshalb sind Tomaten aus Deutschland oder den Niederlanden in den Augen von Dr. Kraska im Sommer - von Juli bis September - zu bevorzugen. Selbst wenn sie aus dem Gewächshaus kommen, ist in diesen Monaten der Energieeinsatz gering.

Hier sollten eure Tomaten herkommen

Im Winter wiederum haben niederländische oder deutsche Tomaten einen zehn Mal so großen CO2-Fußabdruck wie die Tomaten aus dem Süden. Von Oktober bis Dezember lohnt sich mit Blick auf die CO2-Werte daher eher der Griff zu Tomaten aus Spanien. Aber es spielt eben nicht nur die CO2-Bilanz eine Rolle in Sachen Nachhaltigkeit. Spanische Tomaten benötigen beim Anbau enorme Mengen an Wasser und schwierige Arbeitsbedingungen sind je nach Region auch ein Thema. 

Zusatztipp: Nicht nur der Anbau, sondern auch die Verpackung ist beim Thema Nachhaltigkeit relevant. Die Faustregel ist hier: Je weniger Material, desto besser. Und lieber zur Papp- als zur Plastikschale greifen. 

Tomaten selbst anpflanzen 

Will man sich wirklich gar keine Gedanken um Herkunft und Verpackung machen, dann bleibt noch die Möglichkeit Tomaten selbst anzupflanzen. Nadja Gülpen-Klubert betreibt einen YouTube-Kanal rund um den Anbau von Tomaten. Sie verrät uns, dass der beste Standort auch im Garten ein kleines Gewächshaus wäre. Dieses schützt die Pflanzen vor Regen und weniger robuste Sorten werden nicht so schnell krank. Wenn Balkon oder Terrasse überdacht sind, können Tomaten aber auch gut in Kübeln angepflanzt werden.   

Drei rote Tomaten hängen an einem Stock in beinem Garten. (Foto: Unsplash/ Lianne W M)
Tomaten können auch gut zu Hause selbst angepflanzt werden. Unsplash/ Lianne W M

Tomaten richtig aufziehen 

Laut Nadja ist es eine Sache der Vorliebe, ob zum Anpflanzen Samen oder Jungpflanzen gewählt werden. Bei Jungpflanzen habe man jedoch weniger Auswahl als bei Saatgut. Mit der Anzucht beginnt man am besten im Februar. Sind dann einmal kleine Pflänzchen gewachsen, werden diese in größere Töpfe umgetopft und bleiben bis nach den Eisheiligen - also bis zum 15. Mai - im Haus. Statt gekauftem Saatgut kann man auch einfach Tomatensamen aus der Frucht nehmen und trocknen lassen. Wenn die Pflänzchen dann ihren endgültigen Topf bekommen, brauchen sie Platz und Erde. Der Topf sollte idealerweise um die 20 Liter fassen.  

Tomaten richtig pflegen 

Die Tomatenpflanze mag es generell lieber trocken. Sobald sie aber die Blätter hängen lässt, sollte man sie gießen. Um die Feuchtigkeit zu halten, legt Nadja immer noch etwas Mulch (Rasenschnitt) darauf. Bei besonders buschigen Pflanzen kann man laut Nadja unten auch ein paar Blätter wegnehmen, damit die Luft zirkulieren und zur Pflanze kommen kann.  Das beugt Pilzkrankheiten vor. Gerade bei einer Buschtomate sollte man darauf verstärkt achten. 

Stabtomaten wachsen hingegen an einem Trieb nach oben. Daher der Name. Hier werden ganze, seitlich wachsende Triebe abgebrochen. Das nennt man auch ausgeizen. So wird die Pflanze wieder auf einen Trieb reduziert.  

Gelbe Blätter können ein Anzeichen von Stickstoffmangel sein, hier kann man mit organischem Pflanzendünger etwas nachhelfen. 

Auch Freilandtomaten können zu Hause angebaut werden. Hierfür sollten robustere Sorten gewählt werden, die ungeschützt im Regen stehen können und nicht so schnell krank werden.  

Nadjas Tipp für Anfänger: Sorten wählen, die für den jeweiligen Standort geeignet sind. Außerdem nicht überwässern und nicht überdüngen. Denn auch zu viel Liebe ist bei Tomaten nicht immer gut. 

Fazit:  

Es kann nicht pauschal gesagt werden, ob Tomaten aus Deutschland, den Niederlanden oder Spanien nachhaltiger sind. Es spielen zu viele Faktoren eine Rolle, die beim Kauf nicht immer ersichtlich sind. Was man aber sicher sagen kann: Tomaten sind vor allem dann nachhaltig, wenn sie Saison haben.

Kleiner Geheim-Tipp von Ton Janssen: Die oberste Tomate an der Rispe ist immer die süßeste. Außerdem sollten sie außerhalb des Kühlschranks aufbewahrt werden, dann schmecken sie besser. 

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