Sieben Flaschen verschiedener Mineralwasser-Hersteller stehen auf einem Tisch. Welches Mineralwasser ist das Beste? Wie gut ist Mineralwasser im Vergleich zu Leitungswasser? (Foto: SWR)

Flasche oder Wasserhahn

Lohnt sich der Kauf von Mineralwasser?

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AUTOR/IN
Janika Müller

Die Trinkwasserqualität in Deutschland zählt zu den besten weltweit. Trotzdem kaufen viele Mineralwasser in Flaschen. Ist es wirklich gesünder als Leitungswasser?

Egal ob mit Kohlensäure oder ohne - viele kaufen Mineralwasser in der Flasche. Es wird oft angenommen, dass Mineralwasser gesünder als Leitungswasser ist. Immerhin zahlt man auch deutlich mehr Geld dafür. Die Unterschiede sind in Wahrheit aber gar nicht so deutlich, einige sprechen sogar eher für das Leitungswasser.

Was genau ist Mineralwasser?

Magnesium, Kalzium, Natrium, Fluoride... - die Liste der Inhaltsstoffe bei Mineralwasser ist lang und unterscheidet sich je nach Marke stark. Eine vorgeschriebene Mindestmenge an Mineralstoffen, die in einem Mineralwasser stecken muss, gibt es nicht. Deswegen sollte man beim Kauf genau auf die Mineralstoffangaben auf dem Etikett achten.

Was macht ein Mineralwasser also gesund? Dr. Johannes Naumann, Facharzt für Innere Medizin und Balneologie, hat mehrere Jahre am Uniklinikum Freiburg zu Mineralwasser geforscht.

"Wer gut und gesundheitsbewusst lebt, kann sich über die Nahrung versorgen. Aber sonst kann Mineralwasser eine sehr gute Ergänzung sein. Das betrifft vor allem das Magnesium, aber auch Kalzium."

Kalzium und Magnesium

  • Ein Mineralwasser darf kalziumhaltig heißen, sobald 150 Milligramm Kalzium pro Liter drin sind. Von einer medizinischen Wirksamkeit gehen Forschende ab einer Menge von etwa 250 Milligramm aus. Dr. Johannes Naumann erklärt, dass Kalzium für den Knochenaufbau wichtig ist, aber auch für die Muskeln und viele Stoffwechselvorgänge im Körper. Gerade bei Schwangeren oder Laktose-Intoleranten tritt Kalziummangel häufig auf.
  • Damit ein Mineralwasser als magnesiumhaltig gilt, braucht es 50 Milligramm Magnesium pro Liter. Für eine medizinische Wirksamkeit empfehlen Experten Wasser mit mindestens 100 Milligramm Magnesium. So wie Kalzium ist auch Magnesium an vielen Stoffwechselvorgängen beteiligt - mit am Wichtigsten bei den Mitochondrien, den Kraftzellen des Körpers.

Unterschiede zwischen verschiedenen Mineralwasser-Marken

Ein Blick auf beliebte Marken-Mineralwässer im Südwesten zeigt jedoch, dass nur wenige diese medizinisch empfohlenen Werte erreichen. Die vergleichsweise teuren Mineralwässer von Evian und Volvic sowie die deutschen Wässer von Teinacher und Black Forest beispielsweise liegen bei beiden Mineralstoffen deutlich darunter.

"Ein Großteil, gerade französische Mineralwässer, sind traditionell meistens sehr mineralstoffarm, während deutsche Mineralwässer traditionell eher mineralstoffreich waren. Aber im Rahmen der Globalisierung kommen bei uns auch mineralstoffarme Wässer immer mehr in Mode."

Mit einem sehr hohen Kalzium-Gehalt kann Aqua Römer punkten. Besonders gut ist das Mineralwasser von Gerolsteiner und die Sport-Variante von Ensinger. Sie enthalten sowohl Magnesium als auch Kalzium in großer Menge.

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Vorteile von Leitungswasser

Auch im Leitungswasser sind Mineralien enthalten. Das Leitungswasser der Bodensee-Wasserversorgung zum Beispiel enthält in Stuttgart in einem Liter 8 Milligramm Magnesium und 50 Milligramm Kalzium. Damit enthält es mehr Kalzium als etwa die Markenwässer von Black Forest oder Volvic.

"Das ist ein Image-Problem. Im Leitungswasser heißen die Mineralien Kalk - im Mineralwasser sind es die guten Mineralien. Aber das ist genau das gleiche - das sind Ionen, also geladene Teilchen, die im Wasser natürlicherweise vorkommen."

Leitungswasser wird bei uns generell auch deutlich strenger kontrolliert als Mineralwasser - Trinkwasser fast täglich, Mineralwasser oft nur einmal im Jahr. Deshalb kann man sicher sein, dass unser Wasser aus dem Wasserhahn qualitativ hochwertig ist. Eine genauere Erklärung über das Leitungswasser in Deutschland gibt es hier:

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Fazit

Mineralwasser ist nicht zwangsläufig gesünder als Leitungswasser. Bei Mangelerscheinungen kann es jedoch sinnvoll sein, zu Mineralwasser zu greifen.

Beim Kauf von Flaschenwasser sollte man genau auf die Mineralstoffgehalte schauen, damit sich die finanzielle Investition auch positiv auf die Gesundheit auswirken kann.

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