Lebensbeeinträchtigende Regelschmerzen

Endometriose – warum sehr starke Perioden-Schmerzen nicht normal sind

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Vielen Mädchen wird gesagt: Schmerzen bei der Periode sind normal, auch sehr starke. Doch häufig steckt auch die Krankheit Endometriose dahinter. Alles Wissenswerte im Überblick.

„Ach, das sind doch nur Regelschmerzen.“ Ein Satz, wie ihn viele Frauen in ihrem Leben zu hören bekommen. Insbesondere Menschen mit besonders starken, lebenseinschränkenden Regelschmerzen trifft solch ein Kleinmachen ihres Leidens besonders hart.

Dabei handelt es nicht immer nur um „normale“ Regelschmerzen. Endometriose ist eine Erkrankung, die erst in jüngster Vergangenheit bekannter wurde und deren Diagnose immer noch sehr lange dauert – im Schnitt etwa zehn Jahre nach Auftreten der ersten Beschwerden. Dabei könnte mit einer rechtzeitigen Intervention Betroffenen sehr geholfen werden.

Junge Frau Portrait (Foto: Foto: privat)
Sarah aus Offenburg:
„Ich habe Endo und Adenomyose und mache alles dafür, dass es mir gut geht, jeden einzelnen Tag. Ich mache unglaublich gerne Yoga, aber ich gucke da auf die Zyklusphasen und wie es mir gerade geht und entscheide dann ganz intuitiv, was für Bewegung ansteht. Bewegung hilft mir wieder zurück in meinen Körper zu finden und meinen Geist wieder zu fokussieren.“
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Marion aus Esslingen:
„Bei mir hat es 17 Jahre bis zur Diagnose gebraucht. Der Hausarzt dachte, es sei ein Krebstumor. Ich bin von Arzt zu Arzt gerannt mit den Schmerzen. Bei mir fing es auch mit elf an. Mit 35 OP, Endometriose Grad 4, Herde bis hoch zum Zwerchfell. Die Schäden sind bleibend, die Schmerzen auch. Das verursachte seelische Leid durch die fehlende Diagnose war und ist fast schlimmer. Mit der Diagnose kommt wenigstens die Seele zur Ruhe.“
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Melanie aus Walzbachtal-Wössingen:
„Ich habe Endometriose und musste erst bei fünf Frauenärzten vorsprechen bis mich die sechste Ärztin ernst nahm. Alle sagen einem immer, dass es normal ist dass man bei der Regel Schmerzen hat und man sich nicht so anstellen soll. Acht Schmerztabletten am Tag, meinte ein Frauenarzt, wären schon mal ok. Ich war auch so erleichtert nach Diagnose. Nein, ich habe mir das nicht eingebildet. Ich bin nicht verrückt oder empfindlich.“
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Hilal aus Stuttgart:
"Ich habe jahrelang unter starken Schmerzen gelitten. Zum Teil hatte ich Schwindel und Übelkeit während der Periode. Irgendwann hatten, glaube ich, die Ärzte keine Nerven mehr und haben mir den Blinddarm raus operiert. Während der OP hat man die Zyste gesehen. Insgesamt hatte ich 3 Zysten-OPs. In dieser Zeit habe ich 3 Ausbildungsplätze verloren, weil ich durch die starken Schmerzen nicht zur Arbeit konnte."
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Sandra aus Pleidelsheim:
„Ich bin dann wohl eine, die richtig Glück hatte. Mit Ende 20 fingen die Schmerzen an. Frauenarzt und diverse andere Ärzte haben mir nicht geholfen. Dann bin ich umgezogen und mein neuer Hausarzt wusste sofort was ich hatte. Dann OP und Hormontherapie. Eigentlich hätte ich keine Kinder bekommen können da alles verwachsen, verklebt war. Aber ich hatte unfassbares Glück, denn meine Tochter ist mittlerweile 16 Jahre alt.“
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Nicole aus Bretten:
„Es soll keine wie ich 32 Jahre auf ihre Diagnose warten müssen. Das ist so unmenschlich! Ich möchte einfach mehr Aufmerksamkeit, Respekt und Beachtung für diese Krankheit haben, das kann doch nicht so weitergehen, dass wir einfach nicht gehört werden und somit völlig verstört durchs Leben gehen.“
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Was ist Endometriose?

Jede Gebärmutter ist ausgekleidet mit Gebärmutterschleimhaut. Der Fachbegriff dafür ist: Endometrium. Bei einer Endometriose-Erkrankung wandern Teile der Gebärmutterschleimhaut auch in andere Körperregionen. Am häufigsten sind diese Endometriose-Herde bei Betroffenen im Bauchraum und in den Eierstöcken zu finden. Je nach Ausprägung wandern sie aber auch bis in Darm, Blase, Lunge und selten auch bis an Stellen unter der Haut.

Die Ursache ist noch nicht abschließend erforscht. Laut Fachkreisen ist am wahrscheinlichsten, dass während der Periode kleine Mengen der Gebärmutterschleimhaut über die Eileiter in den Bauchraum gelangen. Von dort können sie sich dann im Körper ausbreiten.

Endometriose-Herde im Körper (Foto: SWR)
Endometriose-Herde können fast überall im Körper zu finden sein.

Was sind Endometriose-Herde?

Professorin Silvia Mechsner von der Berliner Charité forscht an der Krankheit und gilt als eine der weltweit führenden Expertinnen für Endometriose. Ihre Forschungserkenntnisse legen nah, dass die gewanderte Gebärmutterschleimhaut an Nervenzellen im Körper andockt. Diese Endometriose-Herde sorgen dann für Schmerzen. Die Nervenzellen ähneln laut der Expertin dem Gewebe der Gebärmutter und unterliegen genauso den hormonellen Einflüssen wie die Gebärmutterschleimhaut und Gebärmutter auch.

Professor Silvia Mechsner (Foto: SWR)
Prof. Silvia Mechsner gilt als eine der weltweit führenden Expertinnen in der Endometriose-Forschung.

„Wenn es dann zur Blutung kommt, werden genau dort auch Schmerzbotenstoffe freigesetzt. Das würden wir als typischen Endometriose-Regelschmerz bezeichnen.“

Zusätzlich reagiert das Immunsystem auf diese Herde, wodurch chronische Entzündungen im Körper der Patientinnen entstehen können. Schmerzmittel können aber nur einen Teil der Symptome lindern.

Symptome der Endometriose

  • Bauch- und Rückenschmerzen
  • starke Monatsblutungen
  • Schmerzen beim Geschlechtsverkehr
  • Schmerzen beim Stuhlgang oder urinieren
  • Blutungen, beispielsweise aus Blase oder Darm
  • ungewollte Kinderlosigkeit
  • Übelkeit und Erbrechen
  • allgemeine Erschöpfung

Diagnose und Therapie der Endometriose

Erste Anlaufstelle für auffällig starke Regelschmerzen ist der Besuch einer gynäkologischen Praxis. Übrigens: Fühlen sich Frauen hier nicht hinreichend beraten, so sind in größeren Städten zunehmend spezielle Endometriose-Zentren zu finden. Hier gibt es Endometriose-Sprechstunden.

In einem ausführlichen, ärztlichen Beratungsgespräch sollten Betroffene genau die Symptome beschreiben:

  • Wann treten sie auf?
  • In welchen Situationen häufen sie sich?
  • Wie stark ist die eigene Lebensqualität davon beeinträchtigt?

Bei einer Untersuchung werden dann vor allem der Bereich hinter der Gebärmutter und rund um die Gebärmutterbänder inspiziert. Hierbei kann das leichte Bewegen der Gebärmutter bei der Diagnose helfen. Eine hundertprozentige Sicherheit für die Diagnose einer Endometriose bietet aber nur eine Bauchspiegelung, also eine Operation unter Vollnarkose. Gleichzeitig können bei diesem Eingriff aber Endometriose-Herde auch entfernt und das Leiden der Betroffenen zumindest vorübergehend gelindert werden.

Generell sind die Therapiemöglichkeiten begrenzt: eine Hormonbehandlung, die die Patientinnen in die Wechseljahre versetzt oder den Zyklus aussetzt, kann helfen. Doch nicht immer ist dies genug.

Wann sollte Endometriose operativ behandelt werden?

Wenn leichte Medikamente, beispielsweise mit einer hormonellen Pille und/oder auch Schmerztabletten nicht ausreichen, hilft nur die operative Entfernung. Dies wird ebenso bei einer Bauchspiegelung gemacht und muss je nach Ausprägung auch regelmäßig wiederholt werden.

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