Teuer von Apple oder günstig: Uhren für die Fitness sind im Trend. Smartwatches zählen Schritte, dokumentieren Training, setzen Notrufe ab, zeichnen EKG auf. Was taugen die Daten?

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Smartwatch: Sind die Gesundheitsdaten verlässlich?

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Autor/in
Stefanie Waldschmidt
Andreas Reinhardt
Bild von Wirtschaftsredakteur Andreas Reinhardt

Teuer von Apple oder günstig: Uhren für die Fitness sind im Trend. Smartwatches zählen Schritte, dokumentieren Training, setzen Notrufe ab, zeichnen EKG auf. Was taugen die Daten?

Wir haben vier Smartwatches unter die Lupe genommen - zwei teure und zwei günstige Modelle. Mit allen Modellen kann man auch telefonieren sowie Nachrichten wie SMS, Whatsapp und Emails direkt auf der Uhr empfangen – ohne dafür das Smartphone aus der Tasche holen zu müssen. Damit haben sie mehr Funktionen als reine Fitness-Tracker.

Aber wie gut lassen sich die Uhren bedienen? Wie genau sind die Messergebnisse der vier Modelle? Ist ihr EKG wirklich seriös? Was leistet das Schlaftracking - und was nicht? Wie sieht es aus mit dem Datenschutz? Technikexperte Andreas Reinhardt klärt über die Handhabung und die Datensicherheit auf.

Im Check sind vier Smartwatches:

  • die Apple Watch Series 9 für 449 Euro
  • um einiges günstiger, die Samsung Galaxy Watch 6 für 319 Euro
  • die Fitbit Sense 2 für 255 Euro und
  • die Huawai Watch GT 4 für 219 Euro, die günstigste in unserem Vergleich

Auch kontaktlos Bezahlen ist mit den Uhren möglich - außer mit der Huawai, der günstigsten Smartwatch im Check. Ihr fehlt auch die eingebaute EKG-Funktion. Dafür haben Huawai und Fitbit die längste Akkulaufzeit.

Teure Smartwatches im Praxistest

Zwei sportliche Studenten checken für uns mit einer Treppen-Challenge in der Praxis die Funktionen der Uhren. Niko beginnt mit der Samsung Watch, Caro legt die Uhr von Apple an. Nach sieben Stockwerken spuckt die Uhr von Samsung Niko schon einige Infos über sein Workout aus: die Laufzeit, verbrauchte Kalorien, den Durchschnitts- und den Maximalpuls. „Ganz gut dargestellt, die Anzeige find ich ziemlich cool.“

Auch Caro ist mit ihrer Apple Smartwatch zufrieden. Sie zeigt: die Laufzeit, den Kalorienverbrauch, Puls und Herzfrequenz. Apple und Samsung können punkten, sie sind bedienungsfreundlich und übersichtlich.

Praxistest mit günstigeren Modellen

Als nächstes checken die beiden die zwei preisgünstigeren Modelle in der Treppen-Challenge: die Fitbit und die Huawai-Watch. Niko ist von der Fitbit angenehm überrascht. Auch sie zeigt die Zeit, Puls, Kalorien, Schritte, Höhenmeter. „Super simpel. Mir würde das schon reichen.“

Auch die günstigste Uhr von Huawai punktet bei Caro. Sie hat alle für sie relevanten Daten übersichtlich aufgelistet – Distanz, Tempo pro Kilometer, Dauer, Schritte. "Ich finde gut, dass sehr viele Funktionen angezeigt werden."

Was Smartwatches können - digitale Grundfunktionen

Anrufe, Sms, Emails, Whatsapp direkt auf die Uhr - mit allen Uhren im Check kann man Anrufe starten und annehmen, wenn die Uhr per Bluetooth mit einem Handy gekoppelt ist, das in der Nähe ist. In diesem Fall kann man über das WLAN-Netz Daten empfangen und beispielsweise mit der Smartwatch über WhatsApp telefonieren, solange sie sich im WLAN befindet.

Welche Smartwatch arbeitet mit welchem Smartphone zusammen?

Wichtig ist, dass das Smartwatch-Modell mit dem Betriebssystem des Smartphones kompatibel ist. Das ist nicht selbstverständlich. Eine Uhr von Samsung funktioniert zum Beispiel nur mit einem Smartphone von Samsung, eine Apple Watch nur mit einem Apple Handy.

Dagegen können die Google Watch, Uhren von Garmin, Huawei, Polar oder etwa von Pearl mit Smartphones von unterschiedlichen Herstellern zusammenarbeiten.

Direkt mit der Uhr telefonieren – möglich, aber teurer

Wer telefonieren möchte, ohne dass das Handy an die Smartwatch gekoppelt ist, benötigt eine Uhr mit einer sogenannten Cellular-Funktion. Mit integriertem Cellular ist die Smartwatch in der Lage, sich eigenständig mit einem Mobilfunknetzwerk zu verbinden und einzuwählen. Möglich ist das durch eine integrierte eSIM, die fest im Gerät verbaut ist.

Allerdings sind Uhren mit Cellular-Funktion teurer als die Uhren in unserem Test. Bei der Apple Watch Series 9 zum Beispiel müsste man für eine Cellular-Funktion nochmal etwa 100 Euro drauflegen. Dazu kommen die Kosten für die eSim, die sich auf etwa 5 Euro monatlich belaufen.

Wer sich für eine Uhr mit Cellular entscheidet, hat dann die Möglichkeit, jederzeit Notrufe abzusetzen – unabhängig davon, wo das Handy gerade liegt. Das funktioniert also auch, wenn man sich im Freien aufhält.

Notrufe absetzen mit Smartwatches – so funktioniert es

Notrufe absetzen ist für manche Nutzer eine wichtige Funktion. Welche Uhren können das? Auch Smartwatches ohne Cellular-Funktion haben eine sogenannte Sturzerkennung. Wenn das Handy gekoppelt in der Nähe ist, können die meisten Uhren im Falle eines Sturzes automatisch einen Notruf absetzen oder Benachrichtigungen an vordefinierte Kontakte senden.

Registriert die Uhr einen Sturz, wartet sie zuerst einen Moment ab, ob der Träger sich bewegt und reagiert. Dann fragt die Uhr nach, ob sie einen Notruf absetzen soll. Gibt es keine Reaktion, löst die Smartwatch den Alarm aus und schickt den Rettungskräften ihre aktuelle Position.

Es gibt bei vielen Uhren auch die Funktion, dass man drei Mal zum Beispiel auf einen Knopf an der Uhr drückt und die Uhr dann einen vorher eingespeicherten Notfallkontakt benachrichtigt. Die Position des Verunglückten wissen die Uhren, weil sie GPS integriert haben - im Zweifel auch für den Notarzt.

Was GPS in der Smartwatch bringt

Eine GPS-Funktion in der Smartwatch ermöglicht die Navigation ohne ein mitgeführtes Handy. Man kann also GPS-basierte Kartendienste nutzen und auch ohne Smartphone die Laufrouten und die Geschwindigkeit beim Sport tracken. Außerdem kann eine Smartwatch mit GPS den Standort des Nutzers ermitteln – und eben bei Bedarf auch weitergeben.

Mit Smartwatches Musik hören

Alle Uhren im Check zeigen die Uhrzeit an, sind wasserdicht bis zu 50 Meter Tiefe, haben Fitness-Apps und können wie erwähnt Schritte zählen. Beim Abspielen von Musik unterscheiden sich die Uhren: Hier sollte man darauf achten, ob die Uhren Musik und Playlists auf die lokalen Speicher der Uhr downloaden können.

Seit der Übernahme von Fitbit durch Google zum Beispiel werden die Musikstreaming-Angebote eingeschränkt. Für die Fitbit Sense 2 in unserem Test fehlt zum Beispiel die Möglichkeit, Musik zu downloaden. Man kann damit also nur die auf dem Handy gespeicherte Musik abspielen. Dadurch ist man dauerhaft auf ein Smartphone angewiesen, dessen Musikwiedergabe auch weiterhin mit Fitbit-Geräten gesteuert werden kann.

Wie gut ist ein EKG von der Smartwatch?

Im Robert Bosch Krankenhaus in Stuttgart vergleicht der Kardiologe Professor Peter Ong das EKG der Smartwatches aus unserem Test mit den Werten einer professionellen Messung, einem 12-Kanal-EKG.

Das Einkanal-EKG der Apple Watch misst die Herzstromkurve, den Unterschied des elektrischen Potenzials zwischen zwei Punkten. Dafür muss der Sportler seinen Finger an den Knopf seiner Uhr halten. Der Sensor braucht dabei 30 Sekunden ununterbrochenen Kontakt zur Haut. Die Sensoren zeichnen die Stärke und den Rhythmus des elektrischen Signals des Herzes auf.

Die Smartwatch meldet in unserem Beispiel: Sinusrhythmus und eine durchschnittliche BPM von 60. BPM bedeutet Beats per Minute - also Herzschläge pro Minute. Sinusrhythmus heißt, der Puls ist regelmäßig. Der Mediziner vergleicht mit dem professionellen EKG. „Die Herzfrequenz, also der Puls, hier [ist] sehr gut vergleichbar - 59 in unserem EKG und 60 im Handy-EKG.“ Eine Herzfrequenz von 60 ist normal.

Die beiden wesentlichen Funktionen sind die Messung der Herzfrequenz, das heißt, ob der Puls hoch oder niedrig ist, und, ob der Puls regelmäßig oder unregelmäßig ist. Bei unregelmäßigem Puls könnte man Vorhofflimmern vermuten, eine wichtige Herzrhythmusstörung.

Auch bei der Smartwatch von Samsung liegen die Werte nahe am professionellen EKG. Selbst das günstigere Modell von Fitbit kann mithalten. Alle drei Uhren liefern ein vergleichbar gutes EKG ab und könnten ein Vorhofflimmern erkennen. Wichtig: Wird ein unregelmäßiger Herzrhythmus angezeigt, sollte man unbedingt einen Arzt aufsuchen.

„Es gibt gute wissenschaftliche Studien, die gezeigt haben, dass die EKG-Uhren zu über 90 Prozent übereinstimmen mit dem herkömmlichen EKG. Es gibt darüber hinaus natürlich viele medizinische Fragen, die die Uhren nicht beantworten können - wie zum Beispiel einen Herzinfarkt zu erkennen.“

Wichtig: Ein Ruhepuls unter 50 pro Minute bzw. über 100 pro Minute, auch Schwindel oder Herzrasen, sollte mit dem Arzt besprochen werden. Ein Alarm oder eine Herzrhythmusstörung auf der Uhr sollte mit einem professionellen EKG beim Arzt verifiziert werden.

Was die Smartwatch bei Herzproblemen nicht erkennen kann

Darüber hinaus sind die Uhren nicht geeignet für die Erkennung von Sauerstoffmangel im Sinne einer Durchblutungsstörung des Herzens, die bei der EKG-Diagnostik bei Verdacht auf Herzinfarkt wichtig sind.

Das heißt, man sollte die Grenzen der EKG-Funktion einer Smartwatch kennen. Studien zeigen zudem: Fitbit ist nicht ganz so gut in der EKG-Funktion.

Schlaftracking mit der Smartwatch

Eine weitere interessante Funktion von Smartwatches ist für viele das Schlaftracking. Man trägt die Uhr über Nacht, und sie berichtet morgens über bestimmte Schlafphasen und -zyklen - wann man einen leichten Schlaf hatte, wann man im Tiefschlaf war, und zu welchen Uhrzeiten man in der REM-Schlaf-Phase war. Die Uhr bezieht auch die Herzfrequenz in das Schlaftracking mit ein. Ein gesunder Schläfer sollte ein bis zwei Stunden Tiefschlaf pro Nacht bekommen.

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Studien zeigen: Menschen schlafen immer weniger und immer schlechter. Auf einer Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Schlafmedizin diskutierten Fachleute auch über Schlaftherapie per App und neue Medikamente.

Wie steht es um die Datensicherheit für die Gesundheitsdaten bei Smartwatches?

Eine Smartwatch sammelt viele Daten über seine Trägerin oder seinen Träger, sensible persönliche Informationen und Gesundheitsdaten. Ob die Daten sicher sind, kommt auch auf den Hersteller an – also die Datenschutzbestimmungen des jeweiligen Unternehmens und der Modelle.

Wearables wie Smart Watches oder auch intelligente Kleidung sind noch relativ neu und damit anfälliger für IT-Sicherheitslücken. Gleichzeitig stellt die Verarbeitung teils hochsensibler persönlicher Daten erhöhte Anforderungen an Sicherheit und Datenschutz.

Meist sind Nutzerinnen und Nutzer bei der Einrichtung des Geräts gezwungen, in der Hersteller-App ein Konto anzulegen. Dort geben sie Name, Alter, Gewicht, Körpergröße und E-Mail-Adresse an und akzeptieren die allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) und Datenschutzbedingungen. Ohne diesen Account geht im Grunde nichts.

Später laufen Gesundheitsdaten wie Herzfrequenz, Schlaf- und Ortungsdaten in diese App ein. In Deutschland unterliegen diese Informationen dem strengen Schutz der europäischen Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO). Doch nicht alle Hersteller halten sich daran. Smartwatches leiten die personalisierten Informationen über Verbindungen wie Bluetooth ins Internet weiter - beispielsweise den GPS-Standort, die Bewegungsverfolgung.

Verstöße gegen die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO)

Etwa beim Hersteller Xiaomi gab es immer wieder Probleme: Die Datenschutz- und Nutzungsbedingungen der Fitness-App Mi Fitness enthalten verbraucherunfreundliche und unwirksame Klauseln. Xiaomi hält sich durchweg nicht an die Regeln des europäischen Datenschutzes. Das Unternehmen überträgt Daten in andere Länder und ignoriert auch geltende Regeln zur regelmäßigen Löschung von Gesundheitsdaten.

Anbieter müssen auf Basis der DSGVO auf Anfrage Auskunft darüber erteilen, welche Daten des Nutzers zu welchem Zweck gespeichert sind und wie diese weitergeben werden. Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen hat einen Check gemacht und festgestellt: Die wenigsten Anbieter beantworten die Fragen dazu, was sie mit den Daten machen.

Gesetze gegen Cyberkriminelle

Die EU-Kommission, der Rat und das EU-Parlament arbeiten gerade an einer Änderung, da besonders Smartwatches und Fitness-Tracker ein Einfallstor für Kriminelle sind, um Daten abzugreifen oder Identitätsmissbrauch zu betreiben. Auch der Verbraucherzentrale Bundesverband fordert, dass Hersteller mehr Sicherheit schaffen und Sicherheitslücken schließen.

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