Hand zeigt auf Zellen-Wucherung durch Hautkrebs auf Computerbildschirm (Foto: dpa Bildfunk, Bernd Wüstneck)

Wenn zu viel Sonnenbaden krank macht

Schwarzer und weißer Hautkrebs: vorsorgen, erkennen & behandeln

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Heike Scherbel
Sola Hülsewig
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Gesa Marx
Bild von Gesa Marx (Foto: G. Marx)

Wie kann man Hautkrebs am besten erkennen und vorbeugen? Was sind die Unterschiede zwischen schwarzem und weißem Hautkrebs?

Zu lange Aufenthalte in der Sonne verursachen bis zu 100.000 Schäden in der DNA, also in der Erbsubstanz. Sie müssen entweder alle repariert werden oder die Zelle stirbt ab. Mit immer mehr Sonnenstrahlung und mit dem Alter nimmt die Reparaturfähigkeit von Zellen ab. Die Folge: Das Erbgut der Zellen ist geschädigt, die Zellen entarten und beginnen zu wuchern. Sowohl schwarzer Hautkrebs als auch weißer Hautkrebs sind solche bösartige Wucherungen der Hautzellen.

Rund 270.000 Menschen erkranken in Deutschland insgesamt jedes Jahr an Hautkrebs. Der helle Hautkrebs macht im Vergleich einen viel größeren Anteil der Erkrankungen aus:

  • Weißer Hautkrebs: circa 250.000 Erkrankte pro Jahr
  • Schwarzer Hautkrebs: circa 20.000 Erkrankte pro Jahr

Was ist der Unterschied zwischen schwarzem Hautkrebs und weißem Hautkrebs?

Während schwarzer Hautkrebs an jeder Stelle des Körpers auftreten kann, wie z. B. an den Augen, zwischen den Zehen oder im Genitalbereich, also auch an Stellen, wo die Sonne nicht hinkommt, tritt weißer Hautkrebs vermehrt an Körperstellen auf, die starker UV-Strahlung ausgesetzt sind.

Ein weiterer Unterschied zwischen schwarzem Hautkrebs und weißem Hautkrebs ist die bereits erwähnte Häufigkeit. Schwarzer Hautkrebs tritt viel seltener auf: Der Krebs macht weniger als 10 Prozent aller Hautkrebsdiagnosen aus.

Ein weiterer Unterschied ist der Gefährlichkeitsgrad: Schwarzer Hautkrebs gilt als viel aggressiver als weißer Hautkrebs. Frühzeitiges Erkennen und schnelles Behandeln sind daher sehr wichtig.

Schwarzer Hautkrebs

Der schwarze Hautkrebs (medizinischer Fachbegriff: malignes Melanom) ist im direkten Vergleich viel gefährlicher als der weiße. Er kann sich entweder aus einem bestehenden Leberfleck entwickeln oder aber sich auch spontan auf gesunder Haut bilden.

Melanome können überall am Körper entstehen, auch an sonnengeschützten Stellen. Das Gefährliche: Die Tumorzellen können sich im Körper verteilen und Metastasen bilden. Damit verschlechtern sich die Heilungschancen. Es ist daher besonders wichtig, dass Hautkrebs möglichst früh erkannt wird.

Immer wieder werden Melanome auch von erfahrenen Hautärzten nicht richtig erkannt, berichtet Professor Claus Garbe von der Universitäts-Hautklinik Tübingen.

"Grundsätzlich gilt, dass etwa 10 bis 15 Prozent aller Melanome nicht sicher erkannt werden können, weil sie zum Beispiel nicht pigmentiert sind oder aussehen wie ein Blutschwamm."

Der Hautkrebsexperte rät Patienten mit beunruhigenden Läsionen deshalb dazu, diese herausschneiden und feingeweblich untersuchen zu lassen.

Während es früher nach einer Schwarzer-Hautkrebs-Diagnose oftmals nur wenige Heilungschancen gab, gibt es heute verschiedene Behandlungsmöglichkeiten. Eine neue Therapieform hat die Heilungschancen bei schwarzem Hautkrebs drastisch verbessert:

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Weißer Hautkrebs

Der weiße Hautkrebs entsteht dort, wo Sonne häufig auf die Haut trifft, zum Beispiel im Gesicht oder an den Händen. Heller Hautkrebs lässt sich gut behandeln und verläuft selten tödlich, sollte aber trotzdem nicht auf die leichte Schulter genommen werden.

Hautkrebs (Foto: dpa Bildfunk, Patrick Pleul)
Intensives Sonnenbaden gilt als Hauptursache für Hautkrebs. Patrick Pleul

Zu Beginn kann man weißen Hautkrebs an einer Rötung oder einer pickelartigen Entzündung erkennen. Das sollte man beobachten. Die Stelle kann sich zu einer Form des weißen Hautkrebses namens Plattenepithelkarzinom entwickeln. Geht der "Pickel" nach einer längeren Zeit nicht weg, sollte man einen Hautarzt aufsuchen.

Solch ein Karzinom entwickelt sich aus der Plattenepithelschicht der Haut, einem Teil der Epidermis. Durch viel Sonnenlicht kommt es hier zu einer Schädigung der Zellen. Das Gefährliche dabei: Der Krebs kann streuen und in die Tiefe wachsen. Erste Anzeichen zu erkennen ist deshalb besonders wichtig. Dann können schon Vorstufen, sogenannte Aktinische Keratosen, behandelt werden. Die Vorstufe kann man noch mit Salbe behandeln. Ein Plattenepithelkarzinom muss dann aber herausgeschnitten werden.

Die zweite und noch häufigere Form des weißen Hautkrebses nennt sich Basaliome. Diese Form entsteht am unteren Ende der Epidermis, in der Basalzellschicht. Sie wächst im Vergleich zum Plattenepithelkarzinom langsam und bildet eigentlich keine Metastasen. Aber sie ist noch schwerer zu erkennen. Aussehen kann sie wie ein schwarzer Leberfleck oder eine Narbe.

Hautkrebsrisiko: Wer ist besonders gefährdet?

Studien zeigen, wer besonders gefährdet ist, an Hautkrebs zu erkranken. So hat ein Mensch mit dunklerem Hauttyp, braunen Haaren und Augen, wenigen Leberflecken und einer Familie, in der es nie Hautkrebs gab, ein geringes Hautkrebsrisiko.

Vier Piktogramme von Menschen unterschiedlich, heller Hautfarbe und unterschiedlich vielen Muttermalen stehen nebeneinander. Darüber stehen die Risikoerhöhung geschrieben: 7-fach erhöht, 20-fach erhöht. 120-fach erhöht.  (Foto: SWR)
Je heller der Hauttyp und je mehr Muttermale vorhanden sind, desto höher ist das Hautkrebsrisiko. Bei Menschen mit familiärer Vorbelastung ist es nochmal um ein Vielfaches höher.

Das Hautkrebsrisiko steigt bei Menschen mit hellem Hauttyp und unter bestimmten Umständen:

  • 7-faches Erkrankungsrisiko: bei Menschen mit über 100 kleinen Leberflecken.
  • 20-faches Erkrankungsrisiko: bei Menschen mit über 100 kleinen Leberflecken und fünf großen Leberflecken.
  • 120-faches Erkrankungsrisiko: bei Menschen mit über 100 kleinen Leberflecken und fünf großen Leberflecken und familiärer Vorbelastung.

Früherkennung bei Hautkrebs besonders wichtig

Für alle Hautkrebsarten gilt: Je früher sie erkannt werden, desto höher sind die Heilungschancen. Um zu erkennen, ob man einzelne Flecken, Muttermale oder braune Stellen vom Arzt untersuchen lassen sollte, gibt es die sogenannte ABCDE-Regel:

  • A – Asymmetrie: Hat der Fleck eine unrunde, asymmetrische Form?
  • B – Begrenzung: Hat der Fleck einen "unscharfen" Rand?
  • C – Colour: Hat der Fleck eine ungewöhnliche oder unregelmäßige Farbe? Sind also manche Stellen heller oder dunkler als der Rest?
  • D – Durchmesser: Hat der Fleck einen ungewöhnlich großen Durchmesser, also über 5 mm?
  • E – Erhabenheit/Evolution: Hebt sich der Fleck aus dem Hautniveau empor? Ist er tastbar?

Je mehr dieser Kriterien erfüllt sind, desto eher sollte man die Stelle vom Arzt untersuchen lassen. Denn Hautkrebs wirklich zu erkennen, ist nicht ganz einfach. Aber keine Panik: Auch wenn alle Kriterien erfüllt sind, kann der Fleck harmlos sein.

Hautkrebs-Screening zur Vorsorge

Gesetzlich Krankenversicherte ab 35 Jahren können außerdem alle zwei Jahre eine kostenlose Hautkrebs-Vorsorgeuntersuchung wahrnehmen: Das sogenannte Hautkrebs-Screening beim Arzt. Inzwischen ist auch die Untersuchung per Auflicht-Mikroskop, dem sogenannten Dermatoskop, in der Kassenleistung inbegriffen. Dennoch bieten viele Praxen sie nicht an.

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Digitale Dermatoskopie

Hochrisikopatienten sollten laut Experten mindestens jährlich kontrolliert werden – am besten mittels digitaler Dermatoskopie. Dabei wird der Patient mit einem Ganzkörperscanner abfotografiert. Diese Fotos werden gespeichert und eine Software markiert Veränderungen zu früheren Aufnahmen. Pigmentmale, die sich verändern, sind verdächtig. Anhand dieser Verlaufskontrolle können bösartige Veränderungen früher erkannt werden.

Doch die Untersuchung ist teuer und wird nicht von den gesetzlichen Krankenkassen gezahlt. Je nach Aufwand und Zahl der Leberflecke kann die Untersuchung weit über 100 Euro kosten.

Apps zur Hautkrebs-Diagnose?

Bestimmte, kostenpflichtige Apps sollen helfen, Hautkrebs zu erkennen. Als Nutzer fotografiert man verdächtig erscheinende Leberflecke und die App analysiert, ob es sich um Hautkrebs handeln könnte.

Diese Technik scheint jedoch noch nicht ausgereift zu sein: In bisherigen Studien schnitten die Apps nicht besonders zuverlässig ab, auch, wenn die Muttermale von Hautärzten mit der richtigen Belichtung fotografiert wurden. Den Besuch beim Arzt ersetzen sie also keinesfalls.

Wie kann ich Hautkrebs vorbeugen?

Wer in die Sonne geht, sollte sich eincremen. Sonnencremes sind dabei jedoch nicht immer unproblematisch: Einige Substanzen in konventionellen Cremes stehen im Verdacht, hormonell zu wirken und Meerestiere zu schädigen. Hawaii und die Insel Palau etwa haben deshalb Sonnencreme mit bestimmten UV-Filtern verboten. Eine Alternative zu konventionellen Sonnencremes sind Produkte aus der Naturkosmetik mit mineralischen Filtern. Diese hinterlassen jedoch einen weißen Film auf der Haut.

Ein weiterer wichtiger Punkt: Sonnencremes schützen zwar vor Sonnenbrand, nicht jedoch vor Hautkrebs, da sie einen Teil der schädlichen UV-Strahlung durchlassen. Besonders wichtig ist es, beim Kauf der Sonnencreme darauf zu achten, dass sie sowohl vor UVA- als auch UVB-Strahlung schützt.

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Grundsätzlich gilt zur Vorbeugung von schwarzem Hautkrebs und weißem Hautkrebs

  • Mittagssonne zwischen 11 und 15 Uhr vermeiden
  • Lange Kleidung und Kopfbedeckung tragen, besonders bei schütterem Haar
  • Für Menschen, die beruflich viel draußen sind, etwa in Gärten, auf Baustellen oder auf dem Fahrrad, kann die Anschaffung von UV-Schutzkleidung empfehlenswert sein. Teilweise wird die Anschaffung von Berufsgenossenschaften, wie der BG Bau, gefördert.

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