Eine Hand krazt sich am Knie: Ein geröteter, fleckiger Hautausschlag ist zu sehen. Es handelt sich um Nesselsucht.

Urtikaria

Nesselsucht – wenn ein Hautausschlag das Leben zur Hölle macht 

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AUTOR/IN
Nina Rathfelder
ONLINEFASSUNG
Anna Macho

Eine der häufigsten Hautkrankheiten ist Nesselsucht. Der oft großflächige Ausschlag mit starkem Juckreiz sollte schnell behandelt werden, sonst kann er chronisch werden.  

Bei der spontanen Nesselsucht, lateinisch Urtikaria, werden in der Haut liegende Entzündungszellen, sogenannte Mastzellen, aktiviert und schütten den entzündungsfördernden Botenstoff Histamin aus.

Dadurch erweitern sich die Gefäße - heftige Ausschläge mit Schwellungen und Juckreiz entstehen. Die Quaddeln sind unregelmäßig über den ganzen Körper verteilt, an manchen Stellen treten sie auf und verschwinden wieder. Der Ausschlag sieht aus wie die typischen Schwellungen, die sich nach dem Kontakt mit einer Brennnessel auf der Haut bilden - daher der Name Nesselsucht.

So entsteht Nesselsucht

Neben der spontanen Urtikaria gibt es auch noch die sogenannte induzierbare Urtikaria. Bei ihr entstehen die Quaddeln, wenn ein äußerlicher Reiz auf die Haut einwirkt, beispielsweise Druck, Wärme, Kälte oder Licht. Der Ausschlag entsteht dann dort, wo der Reiz wirkt, und verschwindet mit der Wegnahme des Reizes auch wieder. 

Eine Frau mit dunklen Haare steht mit dem Rücken zur Kamera. Sie kratzt sich mit der rechten Hand am rechten Schulterblatt. Ein geschwollender Hautausschlag ist dort zu sehen.
Frauen sind doppelt so häufig wie Männer von Nesselsucht betroffen.

Chronische Nesselsucht

Heilen die Quaddeln nicht innerhalb von sechs Wochen aus, kann die Nesselsucht chronisch werden. Für die Patienten ist das oft sehr belastend, weil der Juckreiz stark ausgeprägt ist. Zudem ist der nächste Ausbruch der Urtikaria nicht vorhersehbar. Die Patienten können nicht einschätzen, wann der nächste Schub kommt. Viele entwickeln dadurch auch Depressionen oder Angstzustände.

Ursachen für den Ausbruch des Hautausschlags

Nesselsucht kann verschiedene Ursachen haben. Meist werden zahlreiche Tests durchgeführt. Es werden die Blutwerte gecheckt und die Patienten auf Nahrungsunverträglichkeiten und Allergien getestet. Olga Jennert, Dermatologin an der Hautklinik Stuttgart, erklärt:

  • Auch chronische Infekte können Nesselsucht auslösen - beispielsweise eine Infektion mit dem Bakterium Helicobacter pylori im Magen oder Streptokokken-Erkrankungen und andere bakterielle Infekte.
  • Erkrankungen der Schilddrüse können ebenfalls eine Rolle spielen.
  • Trigger-Faktoren können bestimmte Medikamente sein, vor allem Schmerzmittel -
  • oder auch Stress.

Behandlung mit Antihistaminika

Sowohl die spontane als auch die induzierbare Urtikaria bilden sich in der Regel von selbst zurück. Meistens wird die Behandlung des Ausschlags und des Juckreizes mit einem Antihistaminikum, also einem Medikament, das den Botenstoff Histamin blockiert, unterstützt. Schlägt das Antihistaminikum nicht an, kann man zunächst ein anderes ausprobieren. 

Gehen die Quaddeln auch dann nicht weg, gibt es die Möglichkeit einer Spritzenkur mit dem Antikörper Ovalizumab, der in die allergische Reaktion des Körpers eingreift, indem er den Auslöser der Allergie blockiert. Wenn auch das nicht hilft, ist noch Cyclosporin a., ein Immunsuppressivum, eine Möglichkeit. Üblicherweise wirkt es sehr gut, kann aber starke Nebenwirkungen haben. Daher ist es nicht für jede Patientin oder jeden Patienten geeignet.

Von einer dauerhaften Behandlung mit Kortison rät die Dermatologin Olga Jennert ab: "Wenn man Kortison dauerhaft einnimmt, vor allem in höheren Dosen, ist es so, dass man zum Beispiel Blutdruckerhöhungen bekommen kann, Probleme mit Zuckerkrankheit, Osteoporose oder eine dünne Haut." Kurzzeitig und hoch dosiert sei es einsetzbar, wenn man einen schweren Urtikaria-Schub hat. Als langfristige Therapie sind Antihistaminika sicherer und effektiver.  

Stressabbau bei Hautproblemen 

In Fällen, in denen die Nesselsucht durch Stress kommt, hilft nur Stressreduktion, erklärt die Fachärztin. "Also zum Beispiel indem Sie autogenes Training erlernen oder ein anderes Entspannungsverfahren. Soweit es geht, den Stress reduzieren." 

Die Dermatologin sagt: "Wir wissen alle: Hautprobleme - Spiegel der Seele. Runterkommen, Ausgleich, Achtsamkeit, was man da alles nennen möchte - das glaube ich wirklich, dass das sehr erholsam ist und dem Stress entgegenwirkt."

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