Stürzen vorbeugen

Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust im Alter: Was tun?

Stand

Von Autor/in Daniel Güldner

Appetitlosigkeit im Alter führt häufig zu Gewichtsverlust. Kraft, Mobilität und Selbstständigkeit können damit erheblich eingeschränkt werden.

In der Fachklinik für Geriatrie in Ulm hat es Chefarzt Prof. Michael Denkinger mit den unterschiedlichsten Krankheitsbildern zu tun. Gewichtsverlust ist bei vielen Patienten hier ein Problem. Denn fast jeder Mensch verliert im hohen Alter Kilos. Dies das kann bei älteren Menschen zu ernsthaften gesundheitlichen Problemen führen.

Gewichtsverlust im Alter: Das sind die Probleme

Kraft und Beweglichkeit werden eingeschränkt: „Die sind natürlich wackelig auf den Beinen, um das ganz salopp zu sagen. Sie stürzen deutlich häufiger“, erklärt Professor Denkinger.

Ob man allein aus dem Bett und auf Toilette kommt, bestimmt wesentlich, ob man noch selbstständig zuhause wohnen kann. Eine Treppe kann dabei zum unüberwindbaren Hindernis werden, sagt Professor Denkinger. „Das sind unglaublich große Einschnitte, die super banal klingen. Aber da muss man dran denken.“

Woher kommt Appetitlosigkeit im Alter?

Ältere Menschen essen häufig deutlich weniger als früher – meistens fängt das in einem Alter von 75, 80 Jahren an, so Denkinger.  Nachlassender Appetit kann dabei unterschiedliche Ursachen haben: Zum Beispiel lässt die Salzempfindlichkeit am Gaumen nach, bei gleicher Salzmenge schmeckt das Essen nun fader. Auch trockene Schleimhäute oder Nebenwirkungen von Medikamenten können Gründe für Appetitlosigkeit sein.

Weitere Ursachen sind Essstörungen, Muskelabbau, altersbedingte Krankheiten wie Krebs und kognitive Einschränkungen wie Demenz. Auch längere Krankenhausaufenthalte führen oft zu Gewichtsverlust.

Gewichtsverlust im Alter: Das kann man tun

An der Fachklinik für Geriatrie im Ulm werden ältere Menschen nach einem Gewichtsverlust dabei unterstützt, wieder an Gewicht, Kraft und Ausdauer zuzulegen. Wieder auf das alte Gewicht zu kommen ist häufig ein harter Kampf. Professor Denkinger nennt eine Faustregel: „Ein Tag im Bett, drei Tage Reha.“

Eine wichtige Säule bei der Reha ist Krafttraining.

Man weiß ja, dass Kraft im Alter das allerwichtigste ist, um Stürze zu vermeiden und die Lebensqualität zu stärken.

Aber auch motorisches Training ist ein wichtiger Bestandteil der Therapie. So soll beispielsweise mit Ergotherapie erreicht werden, dass die Patienten auch im hohen Alter noch selbstständig Nahrung aufnehmen können.

Eiweiß: Die richtige Ernährung im Alter

Auch mit gezielter Ernährung soll bei den Patienten auf eine Gewichtszunahme hingewirkt werden. Proteinsubstitutionen wie Shakes, Pulver oder Puddings helfen, die Gesamtkalorienaufnahme zu steigern. Sie verbessern die Heilung und Regeneration von Gewebe. 

Sie liefern insbesondere die notwendigen Aminosäuren, wie beispielsweise Leucin, die den Muskelaufbau im Alter fördern.

Wie sinnvoll sind Proteinshakes und -riegel?

Bei jungen Leuten sei Protein im Trend, unter anderem, um Muskelmasse aufzubauen, beobachtet Prof. Denkinger. In diesem Alter sei das jedoch nicht unbedingt sinnvoll: „Das ist wahrscheinlich nicht die beste Lösung, wenn man lange leben möchte.“ Für ältere Menschen sehe das jedoch wieder anders aus, da sei eine gesteigerte Aufnahme von Proteinen ratsam: „Wir brauchen mehr Kraft im Alter.“

Energiebedarfs-Rechner der Universität Hohenheim

Um erneuten Gewichtsverlust im Alltag vorzubeugen, wird den Patienten bei der Ernährungstherapie auch Wissen über die richtige Ernährung vermittelt. Mindestens 1.500 Kilokalorien am Tag sollten ältere Menschen zu sich nehmen, sagt Ernährungsberaterin Anne-Rose Meyer. Ideal sind Fisch und Hülsenfrüchte. Gemüse und Obst liefern Vitamine, Mineral- und Ballaststoffe.

Wenn man weiß, man neigt eher dazu, Gewicht abzunehmen (…), wenn man weiß, das Gewicht nimmt von Woche zu Woche stärker ab, dann sollte auf jeden Fall ernährungsmedizinischer Rat oder auch ernährungstherapeutische Rat eingeholt werden.

Essen und Trinken: Hilfsmittel für ältere Menschen

Verschiedene Hilfsmittel für zuhause können beim Essen und Trinken unterstützen. Zum Beispieleine Flaschenzange, die das Aufschrauben erleichtert. Eine Glasleuchte, die am Trinkglas angebracht wird, erinnert alle 30 Minuten daran, einen Schluck zu Trinken. Extra schweres Besteck hilft älteren Menschen mit zittrigen Händen, Messer und Gabel ruhig zu halten.

Hand hält eine blaue Kunststoffzange an Deckel einer Plastikflasche. Apptitlosikeit und Gewichtsverlust im Alter, was tun?
Mit einer Flaschenzange können festsitzende Deckel leicht aufgedreht werden. Bild in Detailansicht öffnen
  • Bild 1 von 3

  • Bild 2 von 3

  • Bild 3 von 3

Therapien für mehr Eigenständigkeit

Für Professor Michael Denkinger ist Eigenständigkeit der entscheidende Punkt und das übergeordnete Ziel all seiner Therapien. „Wir wollen die Patienten primär lebensfähiger machen. Die Selbsthilfefähigkeit ist das, was nachher die Autonomie bringt.“

Vergesslichkeit und Verwirrung Fehldiagnose: Schlechtes Gedächtnis bedeutet nicht gleich Demenz

Wer im Alter vergesslich wird, bekommt vom Arzt schnell die Diagnose Demenz-Erkrankung gestellt. Genau hinschauen lohnt sich, diese Gedächtnisstörungen können viele Ursachen haben.

Oft zu spät erkannt Muskelschwund - Symptome, Diagnose, Behandlung

Oft wird einer Abnahme der Muskelmasse kaum Beachtung geschenkt. Gerade im Alter droht Sarkopenie und damit der Verlust von Lebensqualität. Aber wie erkennt man die Krankheit?

Ärger mit Versicherungen Senioren-Unfallversicherung: Warum sie oft nicht zahlt

Viele Unternehmen bieten spezielle Unfallversicherungen für ältere Menschen an. Doch im Schadensfall gibt es oft böse Überraschungen. 

Stand
Autor/in
Daniel Güldner
Onlinefassung
Sola Hülsewig
Marco Grisafi