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Fluggesellschaften sind rechtlich dazu verpflichtet Geld für ausgefallene Flüge zu erstatten. Das passiert in Corona-Zeiten trotzdem nur selten. Kunden sind aber nicht machtlos.

Es gibt einige Möglichkeiten, sein Geld zurückzufordern und die meisten kosten auch kein Geld. Allerdings sind alle ohne Erfolgsgarantie. Wer versucht, eine Kreditkartenzahlung zurückzufordern, kann sich auch parallel an die Schlichtungsstelle (SöP) wenden.

Chargeback: Kreditkartenzahlungen zurückfordern

Wer seinen Flug mit Kreditkarte bezahlt hat, kann sein Geld über das sogenannte Chargeback-Verfahren zurückfordern. Das geht in drei Schritten:

  1. Der Kunde muss der Fluggesellschaft schriftlich (Brief oder E-Mail) erklären, dass er den Ticketpreis zurück haben will. Dieser Schriftverkehr ist wichtig als Nachweis im Chargeback-Verfahren.
  2. Weigert sich die Fluggesellschaft oder vertröstet Kunden auf "später"? Dann braucht der Kunde das Reklamationsformular für Kreditkartenbuchungen. Dieses befindet sich meist auf der Online-Seite seiner Bank oder Sparkasse.
  3. Im Formular den passenden Reklamationsgrund ankreuzen und das Formular zusammen mit dem Schriftverkehr an die jeweilige Bank senden. Dies sollte man möglichst zeitnah erledigen, denn die Kreditkartenunternehmen haben für das Chargeback-Verfahren Fristen festgelegt.

Ausnahme: American Express (Amex)-Kunden wenden sich nicht an ihre Bank, sondern direkt an American Express.

SöP - Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr kontaktieren

Die SöP ist nach dem Verbraucherstreitbeilegungsgesetz (VSBG) von der Bundesregierung und der EU als Schlichtungsstelle anerkannt. In individuellen Streitfällen zwischen Reisenden und Unternehmen soll sie bei einer außergerichtlichen Einigung helfen. Das geht in zwei Schritten:

  1. Zunächst muss der Kunde eine Beschwerde an die Fluggesellschaft schicken. Hierzu haben die Unternehmen im Luftfahrtbereich zwei Monate Zeit.
  2. Wenn die Antwort nicht zufriedenstellend ist (bzw. gar keine Antwort kommt), kann man mit Hilfe eines Online-Formulars auf der SöP-Seite einen Schlichtungsantrag stellen.

Ein gerichtliches Mahnverfahren einleiten

Auch als Privatperson kann man ein gerichtliches Mahnverfahren einleiten. Das ist zwar mit Kosten verbunden, aber viel billiger als eine Klage. Und wenn die Airline immer noch nicht zahlt, gibt es am Ende eine Zwangsvollstreckung. Die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz hat auf einer Online-Seite detailliert beschrieben, wie man in fünf Schritten ein Mahnverfahren einleiten kann. In Baden-Württemberg ist das Amtsgericht Stuttgart zuständig, in Rheinland-Pfalz das Amtsgericht Mayen. Die Gebühren für das gerichtliche Mahnverfahren hängen von der Höhe der Geldforderung ab. Die Mindestgebühr beträgt 32 Euro.

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Anwalt einschalten und klagen

Wer eine Rechtsschutzversicherung hat, kann sich einen Anwalt nehmen und gegen die Fluggesellschaft Klage erheben. Diese Möglichkeit gibt es selbstverständlich auch, wenn man keine Versicherung hat. Allerdings ist das mit hohen Kosten verbunden.

Fluggastrechtportale nutzen

Bei Fluggastrechteportalen wie beispielsweise "Fairplane" oder "Flightright" trägt der Kunde kein Prozessrisiko. Nur im Erfolgsfall zahlt er 15-30 Prozent Provision an die Portale.

Flightright will die Ansprüche seiner Kunden aktuell gerichtlich durchsetzen, zunächst mit Klagen gegen Ryanair und Lufthansa. Die Rechtslage ist dabei eindeutig: Laut der EU-Fluggastrechteverordnung haben Kunden ein Anspruch auf Rückerstattung, wenn ein Flug abgesagt wurde. Dieses Recht gilt auch bei corona-bedingten Annullierungen, das hatte die EU Kommission in den letzten Wochen mehrfach klargestellt.

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